Anteriore ischämische Opticusneuropathie: Diagnostik

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die AWMF-Leitlinie S1 zur Anterioren ischämischen Opticusneuropathie (AION) behandelt die Diagnostik und Therapie dieser akuten Sehnervenerkrankung. Die Erkrankung ist durch eine plötzliche, ischämisch bedingte Sehverschlechterung mit Gesichtsfeldausfall und Papillenschwellung gekennzeichnet.

Klinisch wird zwischen der nicht-arteriitischen AION (NAION) und der arteriitischen AION (AAION) unterschieden. Die AAION wird durch eine Riesenzellarteriitis (RZA) verursacht und stellt einen absoluten ophthalmologischen Notfall dar.

Hauptrisikofaktor für eine NAION ist eine kleine Papille, oft assoziiert mit Schlafapnoe oder kardiovaskulären Erkrankungen. Die Inzidenz der NAION liegt bei etwa 1:10.000, während die Riesenzellarteriitis vor allem bei Personen über 50 Jahren auftritt.

Klinischer Kontext

Epidemiologie: Die anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION) ist die häufigste akute Optikusneuropathie bei Patienten über 50 Jahren. Man unterscheidet eine arteriitische Form (AAION), meist im Rahmen einer Riesenzellarteriitis, von der wesentlich häufigeren nicht-arteriitischen Form (NAAION). Pathophysiologie: Der Erkrankung liegt eine akute Durchblutungsstörung des vorderen Sehnervenkopfes zugrunde, der primär durch die kurzen hinteren Ziliararterien versorgt wird. Bei der NAAION spielen oft mikrovaskuläre Risikofaktoren und anatomische Prädispositionen wie ein kleiner Papillendurchmesser eine Rolle, während die AAION durch eine vaskulitische Okklusion verursacht wird. Klinische Bedeutung: Die Unterscheidung zwischen arteriitischer und nicht-arteriitischer AION ist ein medizinischer Notfall, da bei der AAION ein rascher, irreversibler Visusverlust auch des Partnerauges droht. Eine schnelle Diagnostik ist daher für den Erhalt der Sehkraft essenziell. Diagnostische Grundlagen: Klinisch präsentiert sich die AION typischerweise mit einem schmerzlosen, plötzlichen einseitigen Visusverlust und Gesichtsfeldausfällen. Fundoskopisch zeigt sich eine unscharf begrenzte, blasse oder hyperämische Papillenschwellung, häufig begleitet von randständigen Streifenblutungen.

Wissenswertes

Die Differenzierung erfolgt primär klinisch und laborchemisch. Die AAION geht oft mit systemischen Symptomen wie Kauclaudicatio oder Kopfschmerzen sowie stark erhöhten Entzündungsparametern einher. Die NAAION betrifft eher Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren ohne systemische Entzündungszeichen.

Der charakteristischste Gesichtsfeldausfall bei einer AION ist ein horizontaler, altitudinaler Defekt, der häufig die untere Gesichtsfeldhälfte betrifft. Dieser entsteht durch die segmentale Ischämie des Sehnervenkopfes. Seltener können auch zentrozökale Skotome oder bogenförmige Ausfälle auftreten.

Zu den wichtigsten systemischen Risikofaktoren zählen arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipidämie und das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom. Ein bedeutender lokaler Risikofaktor ist eine anatomisch enge Papille mit kleinem physiologischem Exkavationsquotienten, auch als crowded disc bezeichnet.

Bei Verdacht auf eine AAION im Rahmen einer Riesenzellarteriitis sind die Blutsenkungsgeschwindigkeit und das C-reaktive Protein die wichtigsten laborchemischen Marker. Sie sind in der Regel deutlich erhöht, wobei auch eine Thrombozytose als zusätzlicher Indikator für das Entzündungsgeschehen dienen kann.

Im akuten Stadium zeigt sich fundoskopisch eine ödematöse, oft blasse Papillenschwellung, die segmental oder diffus ausgeprägt sein kann. Häufig finden sich zusätzlich peripapilläre, flammenförmige Streifenblutungen am Rand des Sehnervenkopfes.

Die visuelle Prognose bei einer NAAION ist variabel, jedoch bleibt bei den meisten Patienten ein dauerhaftes Defizit bestehen. Eine spontane leichte Besserung der Sehschärfe kann in den ersten Monaten nach dem Ereignis auftreten, während das Risiko für eine Beteiligung des Partnerauges im weiteren Verlauf erhöht ist.

Ärzte fragen zu diesem Thema

Vollständige Empfehlungen in der Originalleitlinie lesen
ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei Verdacht auf eine arteriitische AION durch Riesenzellarteriitis wird eine sofortige hochdosierte Steroidtherapie empfohlen, noch bevor die Diagnose apparativ gesichert ist. Ein unauffälliger Tastbefund der Temporalarterien oder normale Entzündungsparameter (bei etwa 4 Prozent der Patienten) schließen eine Riesenzellarteriitis nicht sicher aus.

Häufig gestellte Fragen

Eine arteriitische AION geht laut Leitlinie oft mit einer sehr ausgeprägten Sehminderung und einer blassen Papillenschwellung einher. Begleitsymptome wie Kauschmerz, Kämmschmerz, Polymyalgie und erhöhte Entzündungsparameter weisen auf eine Riesenzellarteriitis hin.

Die Leitlinie empfiehlt ein MRT der vorderen Sehbahn bei einer NAION nur bei kontinuierlicher Verschlechterung. Auch wenn sich die Papillenschwellung nach drei Monaten nicht zurückbildet, wird eine Bildgebung zum Ausschluss eines Tumors angeraten.

Ein Nutzen von Acetylsalicylsäure (ASS) zur Prophylaxe einer erneuten NAION ist laut Leitlinie nicht belegt. Eine generelle kardiovaskuläre Prophylaxe wird nur in Absprache mit dem Hausarzt unter Abwägung des Blutungsrisikos empfohlen.

Die Leitlinie hält fest, dass eine pathogenetische Rolle von PDE-5-Inhibitoren bei der Entstehung einer NAION wissenschaftlich nicht ausreichend belegt ist. Ein direkter Kausalzusammenhang lässt sich aus den aktuellen Daten nicht ableiten.

Ein Befall des Partnerauges kommt laut Leitlinie bei etwa 19 Prozent der Betroffenen innerhalb von fünf Jahren vor. Eine erneute AION am selben Auge tritt in etwa 6 Prozent der Fälle auf.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: Anteriore ischämische Opticusneuropathie (AION) (AWMF). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.