Angiologie: Leitlinien-Empfehlungen zu pAVK & Thrombose
Hintergrund
Die Initiative "Klug entscheiden" der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) formuliert evidenzbasierte Empfehlungen für den klinischen Alltag. Ziel ist es, sowohl Überversorgung als auch Unterversorgung in der medizinischen Betreuung zu vermeiden.
Der vorliegende Text fasst die spezifischen Ratschläge für das Fachgebiet der Angiologie zusammen. Dabei werden klare Positiv-Empfehlungen für sinnvolle Maßnahmen sowie Negativ-Empfehlungen zur Vermeidung unnötiger oder potenziell schädlicher Prozeduren ausgesprochen.
Die Leitlinie deckt ein breites Spektrum ab, das von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) über venöse Thromboembolien (VTE) bis hin zum Screening auf Bauchaortenaneurysmen reicht.
Klinischer Kontext
Gefäßerkrankungen wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) und die tiefe Venenthrombose (TVT) gehören zu den häufigsten Krankheitsbildern in der inneren Medizin. Die Prävalenz der pAVK steigt mit dem Alter signifikant an und betrifft einen großen Teil der über 65-Jährigen.
Der pAVK liegt meist eine systemische Atherosklerose zugrunde, die durch endotheliale Dysfunktion, Lipidablagerungen und Plaquebildung zu Stenosierungen führt. Venöse Thromboembolien entstehen hingegen oft durch das Zusammenspiel von Stase, Endothelschäden und Hyperkoagulabilität, bekannt als Virchow-Trias.
Die frühzeitige Erkennung von Gefäßerkrankungen ist essenziell, um schwerwiegende Komplikationen wie Amputationen, Lungenembolien oder kardiovaskuläre Ereignisse zu verhindern. Eine adäquate Risikostratifizierung und Therapieplanung verbessern die Prognose und Lebensqualität der betroffenen Patienten maßgeblich.
Die Basisdiagnostik umfasst eine ausführliche Anamnese, die klinische Untersuchung mit Pulsstatus sowie die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index (ABI). Ergänzend kommen bildgebende Verfahren wie die farbkodierte Duplexsonografie zum Einsatz, um den Gefäßstatus detailliert zu beurteilen.
Wissenswertes
Eine gezielte Diagnostik mittels Knöchel-Arm-Index (ABI) wird bei asymptomatischen Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren ab dem 65. Lebensjahr erwogen. Bei Vorliegen von Diabetes mellitus oder starkem Nikotinkonsum kann eine Untersuchung auch schon ab dem 50. Lebensjahr indiziert sein.
Erhöhte D-Dimere weisen auf eine Aktivierung der Gerinnung und Fibrinolyse hin, sind jedoch nicht spezifisch für eine Thrombose oder Lungenembolie. Auch Entzündungen, Traumata, Malignome, Schwangerschaft oder ein höheres Lebensalter können zu falsch-positiven Werten führen.
Die medikamentöse Thromboseprophylaxe bei einer unteren Extremität im Gipsverband wird in der Regel für die gesamte Dauer der Immobilisation durchgeführt. Die genaue Dauer und Dosierung richten sich nach dem individuellen Risikoprofil des Patienten und der Art der Verletzung.
Eine medizinische Kompressionstherapie ist bei einer fortgeschrittenen peripheren arteriellen Verschlusskrankheit mit einem Knöchel-Arm-Index (ABI) unter 0,5 in der Regel streng kontraindiziert. Bei Werten zwischen 0,5 und 0,8 ist eine modifizierte Kompression unter engmaschiger klinischer Kontrolle möglich.
Das Ulcus cruris venosum ist meist am Innenknöchel lokalisiert, nässend und schmerzarm, während das Ulcus cruris arteriosum oft an den Zehen oder der Fußaußenseite auftritt und stark schmerzt. Die Messung des Knöchel-Arm-Index und die Duplexsonografie helfen bei der sicheren Unterscheidung beider Entitäten.
Das strukturierte Gehtraining ist die Basistherapie im Stadium II der pAVK und zielt auf die Bildung von Kollateralgefäßen ab. Es sollte idealerweise unter Anleitung stattfinden und bis zur submaximalen Schmerzschwelle durchgeführt werden, um die schmerzfreie Gehstrecke zu verlängern.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler im klinischen Alltag ist die Verordnung von strenger Bettruhe bei tiefen Beinvenenthrombosen. Die Leitlinie stellt klar, dass eine Immobilisation unter suffizienter Antikoagulation keinen therapeutischen Nutzen hat und stattdessen eine symptomadaptierte Mobilisierung zur venösen Entstauung empfohlen wird. Zudem wird davor gewarnt, eine schwere pAVK zu übersehen, wenn das Leitsymptom der Claudicatio durch Begleiterkrankungen wie Arthrose oder Polyneuropathie maskiert wird.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt ein Ultraschall-Screening für Männer ab 65 Jahren sowie für Frauen ab 65 Jahren mit einer Raucheranamnese. Auch erstgradig Verwandte von Betroffenen sollten ab dem 50. Lebensjahr untersucht werden.
Es wird die farbkodierte Duplex-Sonographie (FKDS) als Methode der ersten Wahl empfohlen. Von einer primären Diagnostik mittels CT oder MRT wird ausdrücklich abgeraten.
Laut der Initiative sollen Betroffene mit einer Venenthrombose nicht immobilisiert werden, es sei denn zur Linderung extrem starker Schmerzen. Eine frühzeitige Mobilisierung unter Antikoagulation wird zur Beschwerdelinderung empfohlen.
Es wird darauf hingewiesen, dass bei einer bestehenden Indikation zur oralen Antikoagulation keine zusätzliche Thrombozytenaggregationshemmung allein wegen einer pAVK erfolgen soll. Eine Ausnahme besteht lediglich nach frischer Stent- oder Prothesenimplantation.
Ein routinemäßiges Screening wird nicht empfohlen. Die Diagnostik ist laut Leitlinie nur dann sinnvoll, wenn das Ergebnis die Dauer, Intensität oder Art der Antikoagulation beeinflusst.
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Quelle: DGIM Klug entscheiden: Angiologie (13 Empfehlungen) (DGIM). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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