Alkoholbezogene Störungen: Screening, Entzug, Therapie
Hintergrund
Alkoholbezogene Störungen gehören in Deutschland zu den häufigsten und kostenintensivsten Erkrankungen, werden im klinischen Alltag jedoch oft unterdiagnostiziert. Die S3-Leitlinie der AWMF (2021) betont, dass der riskante und schädliche Alkoholkonsum mit einer Vielzahl von somatischen und psychischen Folgeerkrankungen assoziiert ist.
Traditionell gilt die lebenslange Abstinenz als das primäre Therapieziel bei einer Alkoholabhängigkeit. Die Leitlinie erkennt jedoch auch die Reduktion der Trinkmenge als wichtiges intermediäres Ziel an, um Betroffenen einen niedrigschwelligeren Zugang zum Hilfesystem zu ermöglichen.
Ein zentrales Anliegen der Leitlinie ist die flächendeckende Implementierung von Früherkennungsmaßnahmen und Kurzinterventionen in der primärmedizinischen Versorgung. Dadurch soll die große Behandlungslücke bei alkoholbezogenen Störungen verkleinert werden.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie sollte bei einem Alkoholentzug stets an die Prophylaxe einer Wernicke-Enzephalopathie gedacht werden. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, dass eine parenterale Glukosegabe immer mit einer Thiamin-Applikation kombiniert werden soll. Dadurch lässt sich das stark erhöhte Risiko für neurologische Komplikationen reduzieren.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt den AUDIT oder die Kurzform AUDIT-C für alle medizinischen Settings. Für den deutschsprachigen Raum wird ein Cut-off von fünf Punkten bei Männern und vier Punkten bei Frauen als optimal angesehen.
Zum Nachweis eines chronischen Konsums wird die Bestimmung von Phosphatidylethanol (PEth) im Blut oder Ethylglucuronid (EtG) in den Haaren empfohlen. Bei den indirekten Markern sollte laut Leitlinie eine Kombination aus GGT, MCV und CDT genutzt werden, um die diagnostische Aussagekraft zu erhöhen.
Ein ambulanter Entzug kann erwogen werden, wenn keine schweren Entzugssymptome oder Komplikationen zu erwarten sind und ein unterstützendes soziales Umfeld besteht. Voraussetzung ist zudem die organisatorische Sicherstellung einer 24-Stunden-Erreichbarkeit eines Notfalldienstes.
In der Postakutbehandlung wird der Einsatz von Acamprosat oder Naltrexon zur Unterstützung der kontinuierlichen Abstinenz empfohlen. Zur Reduktion der Trinkmenge kann gemäß Leitlinie Nalmefen im Rahmen eines psychosozialen Gesamtbehandlungsplans angeboten werden.
Bei deliranten Syndromen mit Halluzinationen oder Agitation wird eine Kombinationstherapie empfohlen. Die Leitlinie rät zur Gabe von Benzodiazepinen oder Clomethiazol in Kombination mit einem Antipsychotikum wie Haloperidol.
Die Leitlinie empfiehlt, beide Störungsbilder möglichst integriert oder parallel zu behandeln. Die Diagnose einer unabhängigen Depression sollte jedoch frühestens nach dem Abklingen der akuten Intoxikations- oder Entzugssymptome gestellt werden.
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Quelle: S3-Leitlinie Alkoholbezogene Störungen (AWMF 076-001, 2021) (AWMF / DGPPN / DG-Sucht, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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