Akute Augenverätzung: Spülprotokoll und Stufentherapie
Hintergrund
Die AWMF-S1-Leitlinie behandelt die Diagnostik und Therapie von akuten Verätzungen am Auge. Die meisten Verletzungen entstehen durch Chemikalien wie Säuren oder Laugen im beruflichen oder häuslichen Umfeld.
Laugen penetrieren aufgrund ihrer lipolytischen Eigenschaften schnell durch die Gewebemembranen und verursachen tiefe Schäden. Säuren führen hingegen zur Koagulation von Proteinen, was kurzzeitig als Barriere wirkt, mit Ausnahme der Flusssäure, die rasch alle Hornhautschichten durchdringt.
Zur Einteilung des Schweregrades werden die Klassifikationen nach Reim und Dua herangezogen. Diese basieren auf dem Ausmaß der Hornhautbeteiligung, der Limbusischämie sowie der konjunktivalen Schädigung.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass besonders schwere Verätzungen im akuten Stadium aufgrund der ausgeprägten Ischämie häufig symptomarm sind und nur wenig Rötung aufweisen. Dies kann zu einer gefährlichen Unterschätzung des Schweregrades führen. Zudem wird darauf hingewiesen, dass kortisonhaltige Augentropfen ausdrücklich auch bei bestehenden Epitheldefekten eingesetzt werden sollen, um weiteren kornealen Gewebeverlust zu verhindern.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine sofortige und intensive Spülung, bei schweren Verätzungen bis zum Erreichen eines neutralen pH-Wertes. Initial wird Leitungswasser empfohlen, alternativ können dekontaminierende Lösungen wie Diphoterine eingesetzt werden.
Ja, es wird ausdrücklich empfohlen, kortisonhaltige Augentropfen auch bei Epitheldefekten einzusetzen. Sie dienen der Reduktion der Entzündungsreaktion und verhindern weiteren kornealen Gewebeverlust.
Flusssäure penetriert sehr rasch durch die gesamte Hornhaut und kann schwerste Schäden verursachen. Laut Leitlinie soll hier spezifisch mit Hexafluorine-Lösung gespült und zwingend eine lebensbedrohliche systemische Hypokalzämie ausgeschlossen werden.
Die Leitlinie empfiehlt die Klassifikation nach Reim (ähnlich Roper-Hall) oder die Dua-Klassifikation. Letztere hat sich in Studien als überlegen bezüglich der Vorhersagekraft bei schweren Verätzungen erwiesen.
Eine Amnionmembrantransplantation wird bei mittelgradigen Verätzungen am zweiten bis dritten Tag nach der Spülphase empfohlen. Sie dient der Schmerzreduktion, beschleunigt den Epithelschluss und vermindert die Symblepharonbildung.
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Quelle: Akute Verätzung am Auge (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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