Tocilizumab und Psoriasis-Risiko: AkdÄ-Sicherheitswarnung
Hintergrund
Tocilizumab (RoActemra) ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper, der spezifisch den Interleukin-6(IL-6)-Rezeptor hemmt. Er ist unter anderem zur Behandlung der mäßigen bis schweren aktiven rheumatoiden Arthritis sowie bestimmter Formen der juvenilen idiopathischen Arthritis zugelassen.
Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) informiert in einer Sicherheitswarnung über ein neues Risikosignal. Es liegen Spontanmeldungen und publizierte Fallberichte vor, die auf einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Tocilizumab und dem Auftreten von Hautveränderungen hindeuten.
Obwohl IL-6 bei der Entstehung der Psoriasis eine Rolle spielen soll, wird paradoxerweise unter der IL-6-Hemmung das Auftreten der Hauterkrankung beobachtet. Ein genauer Pathomechanismus für diese unerwünschte Arzneimittelwirkung ist laut AkdÄ bislang nicht bekannt.
Empfehlungen
Die AkdÄ formuliert folgende Kerninformationen und Empfehlungen zum Umgang mit Tocilizumab:
Risikosignal Psoriasis
Laut AkdÄ kann es unter der Therapie mit Tocilizumab in seltenen Fällen zu folgenden kutanen unerwünschten Wirkungen kommen:
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Erstmaliges Auftreten einer Psoriasis
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Verschlechterung einer bereits bestehenden Psoriasis
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Auftreten einer Psoriasis guttata, möglicherweise als isomorpher Reizeffekt (Köbner-Phänomen) im Rahmen eines Arzneimittelexanthems
Ein kausaler Zusammenhang ist laut AkdÄ derzeit nicht abschließend gesichert. Beobachtungen von Besserungen nach Absetzen (Dechallenge) und erneutem Auftreten nach Wiederansetzen (Rechallenge) erhärten jedoch den Verdacht.
Klinisches Management
Bei Auftreten oder Verschlechterung einer Psoriasis unter Tocilizumab empfiehlt die AkdÄ:
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Eine individuelle Einzelfallentscheidung, ob die Therapie fortgeführt oder abgesetzt wird
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Die Berücksichtigung der rheumatologischen Krankheitsaktivität, da in Fallberichten die Therapie unter lokaler Psoriasis-Behandlung teils erfolgreich fortgeführt werden konnte
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Eine konsequente Meldung entsprechender Verdachtsfälle an die AkdÄ zur weiteren Datenerfassung
Kontraindikationen
Die AkdÄ weist auf folgende wichtige Besonderheit bei der Überwachung hin:
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Unterdrückung des CRP-Wertes: Unter der Behandlung mit Tocilizumab wird die Sekretion des C-reaktiven Proteins (CRP) unterdrückt.
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Bei der Diagnostik von infektiösen Komplikationen ist das CRP daher kein verwertbarer Parameter und darf nicht zum Ausschluss einer schweren Infektion herangezogen werden.
💡Praxis-Tipp
Die AkdÄ weist nachdrücklich darauf hin, dass das C-reaktive Protein (CRP) unter einer Therapie mit Tocilizumab vollständig unterdrückt wird. Es wird betont, dass das CRP bei diesen Behandelten kein verwertbarer Parameter ist, um schwere oder potenziell tödliche Infektionen zu erkennen oder auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Laut AkdÄ deuten Fallberichte darauf hin, dass Tocilizumab in seltenen Fällen eine Psoriasis neu auslösen oder verschlechtern kann. Ein kausaler Zusammenhang wird vermutet, ist aber noch nicht abschließend gesichert.
Die AkdÄ empfiehlt hierzu eine individuelle Einzelfallentscheidung. In einigen dokumentierten Fällen konnte die Therapie unter lokaler Behandlung der Hauterscheinungen erfolgreich fortgeführt werden.
Tocilizumab hemmt den Interleukin-6-Rezeptor, wodurch die IL-6-vermittelte Produktion von Akut-Phase-Proteinen in der Leber blockiert wird. Die AkdÄ warnt, dass das CRP dadurch unterdrückt wird und nicht zur Infektionsdiagnostik taugt.
Es wird empfohlen, beobachtete Fälle von Psoriasis unter Tocilizumab direkt an die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) zu melden. Dies kann über das elektronische Meldeformular auf deren Homepage erfolgen.
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Quelle: AkdÄ Bekanntgabe: Tocilizumab (RoActemra®) und das Auftreten von Psoriasis (AkdÄ, 2014). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.