NSAR-Risiken: AkdÄ-Warnung zu Herzinfarkt & GI-Blutung
Hintergrund
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) gehören zu den am häufigsten verordneten Arzneimitteln in Deutschland. Führend nach verordneten Tagesdosen sind dabei Wirkstoffe wie Ibuprofen und Diclofenac, gefolgt von Naproxen und selektiven COX-2-Hemmern (Coxiben).
Die Publikation der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) aus dem Jahr 2013 bewertet die kardiovaskulären und gastrointestinalen Risiken verschiedener NSAR. Grundlage hierfür sind Metaanalysen von Beobachtungs- und randomisierten Studien aus dem europäischen SOS-Projekt.
Die Einnahme dieser Medikamentengruppe geht grundsätzlich mit einem deutlichen Risiko für Komplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt einher. Zudem zeigen die Daten ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte, wobei sich die einzelnen Wirkstoffe in ihrem Risikoprofil unterscheiden.
Empfehlungen
Die AkdÄ formuliert basierend auf den Studiendaten folgende Erkenntnisse zur Arzneimittelsicherheit:
Gastrointestinale Risiken
Laut AkdÄ erhöhen NSAR das Risiko für obere gastrointestinale Komplikationen wie Blutungen oder Perforationen um das Drei- bis Fünffache. Hohe Dosierungen verdoppeln bis verdreifachen dieses Risiko im Vergleich zu niedrigen Dosen.
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Eine Ausnahme bildet Celecoxib, bei dem keine Dosisabhängigkeit des relativen Risikos festgestellt wurde.
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Die gleichzeitige Einnahme von Protonenpumpenhemmern oder Misoprostol senkt das Risiko für Komplikationen im oberen GI-Trakt deutlich.
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In randomisierten Studien zeigten Ibuprofen und Naproxen ein höheres gastrointestinales Risiko als Coxibe und Diclofenac.
Kardiovaskuläre Risiken
Die Datenlage zeigt ein grenzgradig bis leicht erhöhtes Risiko für einen akuten Myokardinfarkt bei der Einnahme verschiedener NSAR. Ein erhöhtes Schlaganfallrisiko konnte in randomisierten Studien hingegen nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.
| Wirkstoff | Gastrointestinales Risiko | Kardiovaskuläres Risiko (Herzinfarkt) | Besonderheiten laut AkdÄ |
|---|---|---|---|
| Naproxen | Erhöht | Nicht erhöht | Bei kardiovaskulären Risikofaktoren in Kombination mit Magenschutz zu erwägen. |
| Ibuprofen | Erhöht (dosisabhängig) | Uneindeutig (in randomisierten Studien erhöht) | Dosierung am unteren Ende des Dosisbereichs wird angeraten. |
| Diclofenac | Erhöht (dosisabhängig) | Erhöht (ähnlich wie Coxibe) | Bei schweren kardiovaskulären Erkrankungen kontraindiziert. |
Wirkstoffspezifische Hinweise
Die AkdÄ leitet aus den Daten spezifische Aspekte für die Auswahl eines NSAR ab:
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Naproxen: Es wird bei Personen mit kardiovaskulären Risikofaktoren in Verbindung mit einem gastroprotektiven Medikament als Option genannt, da es das Herzinfarktrisiko nicht erhöht.
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Ibuprofen: Aufgrund einer teils widersprüchlichen Datenlage zur Herzinfarktgefahr wird eine Dosierung am unteren Ende des Dosisbereichs angeraten.
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Diclofenac: Das kardiovaskuläre Risiko entspricht insbesondere bei längerfristig hohen Dosen (150 mg pro Tag) dem der Coxibe.
Kontraindikationen
Basierend auf Empfehlungen der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) verweist die AkdÄ auf folgende Kontraindikationen für Diclofenac:
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Schwere kardiovaskuläre Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz)
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Herzinfarkt in der Vorgeschichte
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Schlaganfall in der Vorgeschichte
Bei Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren wie arterieller Hypertonie, Hypercholesterinämie, Diabetes mellitus oder Rauchen wird eine sorgfältige Abwägung vor dem Einsatz von Diclofenac gefordert.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fallstrick in der Praxis ist die unkritische Verordnung von Diclofenac bei Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut AkdÄ birgt Diclofenac ein kardiovaskuläres Risiko, das dem der selektiven COX-2-Hemmer entspricht. Bei Vorliegen von kardiovaskulären Risikofaktoren wird stattdessen Naproxen in Kombination mit einem Protonenpumpenhemmer als sicherere Alternative hervorgehoben.
Häufig gestellte Fragen
Laut Publikation der AkdÄ zeigt Naproxen kein erhöhtes Risiko für einen akuten Myokardinfarkt. Es wird daher bei entsprechenden Risikofaktoren in Kombination mit einem Magenschutz als Option genannt.
Die Datenlage zu Ibuprofen ist uneindeutig. Während Beobachtungsstudien kein erhöhtes Risiko zeigen, weisen randomisierte Studien auf eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos hin. Die AkdÄ rät daher zu einer Dosierung am unteren Ende des Dosisbereichs.
Die gleichzeitige Gabe von gastroprotektiven Substanzen senkt das Risiko für obere GI-Komplikationen in der Regel deutlich. In einer zitierten Studie zeigte sich jedoch unter Diclofenac trotz Magenschutz ein erhöhtes Risiko, was laut Autoren aber auch ein Zufallsbefund sein könnte.
Für Celecoxib konnte in den ausgewerteten Daten keine Dosisabhängigkeit des relativen Risikos für gastrointestinale Komplikationen festgestellt werden. Bei klassischen NSAR verdoppelt bis verdreifacht eine hohe Dosis hingegen das Risiko.
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Quelle: AkdÄ Bekanntgabe: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) im Vergleich: Risiko von Komplikationen im oberen Gastrointestinaltrakt, Herzinfarkt und Schlaganfall (AkdÄ, 2013). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.