BfArM2006

Kardiovaskuläres Risiko von NSAR: BfArM-Sicherheitswarnung

Diese Leitlinie stammt aus 2006 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: BfArM (2006)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und das BfArM haben 2006 eine Sicherheitsbewertung zu den kardiovaskulären Risiken nicht-selektiver nichtsteroidaler Antirheumatika (NSAR) durchgeführt. Anlass waren neue klinische und epidemiologische Daten, die auf ein potenziell erhöhtes Risiko für arterielle Thrombosen hinwiesen.

Im Fokus der Untersuchung standen insbesondere Myokardinfarkte und Schlaganfälle bei hochdosierter und langfristiger Anwendung. Die Bewertung schließt Daten aus dem MEDAL-Studienprogramm sowie Metaanalysen zu NSAR und COX-2-Inhibitoren ein.

Grundsätzlich wird das Nutzen-Risiko-Verhältnis der nicht-selektiven NSAR weiterhin als positiv bewertet. Die Leitlinie betont jedoch die Notwendigkeit, individuelle Risikofaktoren bei der Verordnung zu berücksichtigen.

Empfehlungen

Die BfArM-Sicherheitswarnung formuliert folgende Kernempfehlungen zur Verordnung von NSAR:

Allgemeine Verordnungsprinzipien

  • NSAR sollten laut Leitlinie immer in der niedrigsten wirksamen Dosis eingesetzt werden.

  • Es wird eine möglichst kurze Behandlungsdauer zur Symptomkontrolle empfohlen.

  • Die Auswahl des Präparats sollte auf dem individuellen Gesamtrisikoprofil (gastrointestinal, kardiovaskulär, renal) basieren.

  • Ein Wechsel zwischen verschiedenen NSAR wird ohne sorgfältige Abwägung der individuellen Risikofaktoren nicht empfohlen.

Substanzspezifische Risikobewertung

Die Leitlinie bewertet das kardiovaskuläre Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall der einzelnen Wirkstoffe vergleichend. Es wird darauf hingewiesen, dass für viele andere nicht-selektive NSAR die Datenlage unzureichend ist, um ein erhöhtes Risiko auszuschließen.

WirkstoffDosisKardiovaskuläres Risiko
DiclofenacHochdosis (150 mg/Tag)Potenziell erhöhtes Risiko für arterielle thrombotische Ereignisse
IbuprofenHochdosis (2400 mg/Tag)Potenziell erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse
IbuprofenNiedrigdosis (≤ 1200 mg/Tag)Kein Hinweis auf erhöhtes Myokardinfarktrisiko
Naproxen1000 mg/TagMöglicherweise geringeres Risiko als COX-2-Hemmer, kein kardioprotektiver Effekt
COX-2-HemmerAlle DosierungenErhöhtes thrombotisches Risiko (ca. 3 zusätzliche Ereignisse pro 1000 Patientenjahre)

Dosierung

Die Leitlinie nennt keine allgemeinen Dosierungsschemata zur Therapie, definiert jedoch spezifische Tagesdosen, ab denen in Studien ein verändertes kardiovaskuläres Risiko beobachtet wurde.

WirkstoffUntersuchte TagesdosisRisikobewertung laut Leitlinie
Diclofenac150 mgErhöhtes Risiko für arterielle Thrombosen
Ibuprofen2400 mgErhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse
Ibuprofen≤ 1200 mgKein Hinweis auf erhöhtes Risiko
Naproxen1000 mgGeringeres Risiko als COX-2-Hemmer möglich
Etoricoxib60 oder 90 mgÄhnliches thrombotisches Risiko wie Diclofenac (150 mg)

Kontraindikationen

Der Quelltext nennt keine absoluten Kontraindikationen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, dass bei Personen mit bestehenden kardiovaskulären Risikofaktoren oder einer kardiovaskulären Vorerkrankung das Risiko für thrombotische Ereignisse durch COX-2-Inhibitoren höher ausfallen kann.

Zudem wird ein potenziell erhöhtes Risiko bei der langfristigen und hochdosierten Anwendung von nicht-selektiven NSAR beschrieben.

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💡Praxis-Tipp

Es wird empfohlen, bei der Verordnung von Ibuprofen strikt zwischen der analgetischen Niedrigdosis (bis 1200 mg/Tag) und der antiinflammatorischen Hochdosis (2400 mg/Tag) zu differenzieren. Während die niedrige Dosierung laut Leitlinie nicht mit einem erhöhten Myokardinfarktrisiko assoziiert ist, steigt das Risiko bei der Hochdosis an. Zudem wird davor gewarnt, Naproxen eine kardioprotektive Wirkung zuzuschreiben.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie ist Diclofenac, insbesondere in einer hohen Dosierung von 150 mg pro Tag, mit einem erhöhten Risiko für arterielle thrombotische Ereignisse wie Myokardinfarkt oder Schlaganfall assoziiert. Das Risiko wird als vergleichbar mit dem von Etoricoxib eingestuft.

Epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass niedrig dosiertes Ibuprofen (bis 1200 mg täglich) nicht mit einem erhöhten Myokardinfarktrisiko einhergeht. Bei hohen Dosen (2400 mg täglich) wird jedoch ein potenziell erhöhtes Risiko für thrombotische Ereignisse beschrieben.

Die Leitlinie stellt klar, dass die aktuellen Daten keinen kardioprotektiven Effekt von Naproxen belegen. Es weist bei einer Dosis von 1000 mg pro Tag möglicherweise ein geringeres Risiko als COX-2-Hemmer auf, ein Restrisiko kann jedoch nicht ausgeschlossen werden.

Die Dokumentation gibt an, dass COX-2-Hemmer im Vergleich zu Placebo oder Nicht-Anwendung zu etwa 3 zusätzlichen thrombotischen Ereignissen pro 1000 Patientenjahren führen. Dies betrifft vor allem Myokardinfarkte.

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Quelle: NSAID (nicht-selektive): Erneute Bewertung von kardiovaskulären Risiken sowie gesonderte Risikobewertung von Piroxicam (BfArM, 2006). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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