RKI/STIKOInfektiologie

Adenovirus-Konjunktivitis: PCR-Diagnostik und Hygiene

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: RKI/STIKO|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der RKI-Ratgeber beschreibt Adenoviren als sehr umweltresistente, unbehüllte Doppelstrang-DNA-Viren. Sie bleiben bei Zimmertemperatur unter Umständen über Wochen infektiös.

Die Erreger verursachen verschiedene Krankheitsbilder, wobei die epidemische Keratokonjunktivitis als nosokomiale Infektion eine erhebliche praktische Bedeutung hat. Die Übertragung erfolgt überwiegend durch Schmierinfektionen über kontaminierte Hände, Instrumente oder Augentropfen.

Die Inkubationszeit beträgt laut RKI 5 bis 12 Tage. Eine Ansteckungsfähigkeit besteht, solange das Virus in Sekreten nachweisbar ist, was in der Regel während der ersten zwei bis drei Krankheitswochen der Fall ist.

Klinischer Kontext

Die Adenovirus-Konjunktivitis, auch als Keratoconjunctivitis epidemica bekannt, ist eine hochkontagiöse virale Augeninfektion. Sie tritt weltweit auf und verursacht regelmäßig Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen sowie nosokomiale Infektionen in Kliniken und Praxen.

Pathophysiologisch dringen bestimmte Adenovirus-Typen in das Epithel von Bindehaut und Hornhaut ein. Die Übertragung erfolgt primär als Schmierinfektion über Hände oder kontaminierte Gegenstände wie Handtücher und medizinische Instrumente.

Klinisch ist die Erkrankung aufgrund ihrer raschen Ausbreitung und der potenziellen Hornhautbeteiligung von großer Bedeutung. In schweren Fällen können sich subepitheliale Hornhautinfiltrate (Nummuli) bilden, die das Sehvermögen über Monate beeinträchtigen.

Die Diagnosestellung erfolgt meist klinisch anhand der typischen Symptomatik mit follikulärer Konjunktivitis, wässriger Sekretion und präaurikulärer Lymphknotenschwellung. Zur Bestätigung und bei Ausbrüchen wird ein Erregernachweis mittels PCR aus einem Bindehautabstrich herangezogen.

Wissenswertes

Die Inkubationszeit der Adenovirus-Konjunktivitis beträgt in der Regel fünf bis zwölf Tage. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt oft schon kurz vor Auftreten der ersten Symptome und bleibt bestehen, solange das Virus im Augensekret nachweisbar ist.

Der direkte Erregernachweis von Adenoviren im Bindehautabstrich ist nach dem Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig. Dies dient der frühzeitigen Erkennung und Eindämmung von Ausbrüchen in medizinischen und öffentlichen Einrichtungen.

Die Behandlung erfolgt rein symptomatisch, da keine spezifische antivirale Therapie zur Verfügung steht. Zur Linderung der Beschwerden werden künstliche Tränen und kühle Kompressen eingesetzt, während topische Glukokortikoide nur bei schweren Hornhautinfiltraten erwogen werden.

Patienten gelten als hochinfektiös, solange eine akute Entzündung mit Sekretion besteht, was meist zwei bis drei Wochen andauert. Strikte Hygienemaßnahmen sind in diesem Zeitraum essenziell, um Schmierinfektionen zu vermeiden.

Subepitheliale Infiltrate (Nummuli) können als immunologische Reaktion nach der akuten Infektion auftreten und zu Blendempfindlichkeit oder Visusminderung führen. Sie werden bei starker Beeinträchtigung oft mit niedrig dosierten lokalen Steroiden oder Ciclosporin-Augentropfen behandelt.

Adenoviren sind unbehüllte Viren und weisen eine hohe Umweltresistenz auf. Zur effektiven Inaktivierung auf Flächen und Instrumenten müssen zwingend Desinfektionsmittel mit dem Wirkungsbereich begrenzt viruzid PLUS oder viruzid verwendet werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist ein zu vorsichtiger Konjunktivalabstrich, der zu falsch-negativen PCR-Ergebnissen führt. Es wird empfohlen, den Tupfer kräftig zu reiben, um ausreichend Epithelzellen zu gewinnen, idealerweise nach vorheriger Gabe eines lokalen Anästhetikums. Zudem wird dringend darauf hingewiesen, dass Adenoviren auf Oberflächen wie Spaltlampen oder Türgriffen über Wochen infektiös bleiben, weshalb zwingend als "viruzid" deklarierte Desinfektionsmittel eingesetzt werden müssen.

Häufig gestellte Fragen

Laut RKI besteht eine Ansteckungsfähigkeit, solange das Virus in den Sekreten nachweisbar ist. Dies ist in der Regel während der ersten zwei bis drei Wochen der Erkrankung der Fall.

Die Leitlinie fordert für die Hände-, Flächen- und Instrumentendesinfektion zwingend Präparate mit dem Wirkungsbereich "viruzid". Thermische Verfahren (z.B. 93°C für 5 Minuten bei Instrumenten) sollten laut RKI bevorzugt werden.

Es wird empfohlen, mit dem Wattetupfer ausreichend Epithelzellen abzuschilfern, was ein kräftiges Abstreichen erfordert. Zur Linderung der Beschwerden kann der Tupfer mit steriler Kochsalzlösung befeuchtet oder vorab ein Lokalanästhetikum verwendet werden.

Ja, gemäß § 7 Abs. 1 IfSG ist der direkte Nachweis von Adenoviren im Konjunktivalabstrich namentlich meldepflichtig. Die Meldung an das Gesundheitsamt muss innerhalb von 24 Stunden erfolgen.

Das RKI empfiehlt den Ausschluss aller manifest Erkrankten aus Gemeinschaftseinrichtungen. Die Wiederzulassung sollte aufgrund der hohen Kontagiosität von der Vorlage eines schriftlichen ärztlichen Attestes abhängig gemacht werden.

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Quelle: RKI-Ratgeber: Adenovirus-Konjunktivitis (RKI/STIKO). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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