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Chlamydia trachomatis: RKI-Ratgeber & Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bis zu 80 % der Infektionen bei Frauen und 50 % bei Männern verlaufen asymptomatisch.
  • Der Goldstandard in der Diagnostik ist die Nukleinsäure-Amplifikations-Technik (NAT/PCR) aus Abstrich oder Urin.
  • Die unkomplizierte genitale Infektion wird primär mit Azithromycin (1 g Einmaldosis) oder Doxycyclin (7 Tage) behandelt.
  • Eine Mitbehandlung aller Sexualpartner der letzten 60 Tage ist zwingend erforderlich, um Reinfektionen zu vermeiden.
  • Nachweise der Serotypen L1 bis L3 (Lymphogranuloma venereum) sind nach § 7 Abs. 3 IfSG namentlich meldepflichtig.
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Hintergrund

Chlamydia trachomatis ist ein unbewegliches, gramnegatives und obligat intrazelluläres Bakterium. Es gehört weltweit zu den häufigsten Erregern sexuell übertragbarer Infektionen (STI). Der komplexe Reproduktionszyklus umfasst extrazelluläre, infektiöse Elementarkörperchen und intrazelluläre, stoffwechselaktive Retikularkörperchen. Die Inkubationszeit für eine Erstinfektion beträgt etwa 1 bis 3 Wochen.

Serotypen und klinische Manifestation

Die verschiedenen Serotypen von C. trachomatis lösen unterschiedliche Krankheitsbilder aus:

SerotypErkrankungÜbertragungsweg
A–CTrachom (chronische Keratokonjunktivitis)Schmierinfektion (Augensekret, kontaminierte Hände/Tücher, Fliegen)
D–KUrogenitale Infektionen, perinatale InfektionenSexuell, perinatal
L1–L3Lymphogranuloma venereum (LGV)Sexuell

Klinische Symptomatik

Ein Großteil der urogenitalen Chlamydieninfektionen verläuft asymptomatisch (bis zu 80 % bei Frauen, ca. 50 % bei Männern), was die unbemerkte Weitergabe begünstigt.

  • Frauen: Manifestation oft an der Zervix (eitriger Fluor). Aufsteigende Infektionen können zu Urethritis, Salpingitis, Endometritis und Perihepatitis (Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom) führen. Spätfolgen sind extrauterine Schwangerschaften und sekundäre Sterilität.
  • Männer: Häufig nichtgonorrhoische Urethritis (NGU) mit Druckgefühl, Brennen beim Wasserlassen und eitrigem Ausfluss. Komplikationen umfassen Epididymitis und Prostatitis.
  • Beide Geschlechter: Je nach Sexualpraktik auch Proktitis, Pharyngitis oder reaktive Arthritis (Reiter-Syndrom).
  • Neugeborene: Bei perinataler Übertragung drohen Konjunktivitis, Otitis media oder schwere Pneumonien.
  • Lymphogranuloma venereum (LGV): Schmerzloses Bläschen/Geschwür am Infektionsort, gefolgt von schmerzhaften regionalen Lymphknotenschwellungen (Bubo), die aufbrechen können. Später narbige Strikturen und Fisteln.

Diagnostik

Der direkte Erregernachweis ist die Methode der Wahl.

MethodeMaterialBewertung
NAT (z.B. PCR)Abstrich, UrinGoldstandard. Höchste Sensitivität und Spezifität.
ZellkulturZervix-, Urethra-, RektumabstrichSpezialtupfer nötig, aufwendig.
Antigen-Nachweis (ELISA)AbstrichGeringe Sensitivität/Spezifität, Bestätigungstest nötig. Schnelltests gelten als unsicher.
Serologie (Antikörper)SerumKein Akuitätsmarker. Antikörper erst nach 6–8 Wochen messbar. Nützlich bei Sterilitätsdiagnostik.

Therapie

Eine Untersuchung und Mitbehandlung aller Sexualpartner der letzten 60 Tage ist essenziell, um Reinfektionen zu verhindern. Sexuelle Kontakte dürfen erst nach Abschluss der Behandlung erfolgen.

IndikationWirkstoffDosierungDauer
Unkomplizierte genitale InfektionAzithromycin1 g p.o.Einmaldosis
AlternativeDoxycyclin100 mg 2x1 p.o.7 Tage
Weitere AlternativenErythromycin500 mg 4x1 p.o.7 Tage
Ofloxacin300 mg 2x1 p.o.7 Tage
Levofloxacin500 mg 1x1 p.o.7 Tage
Komplizierte Infektion (z.B. PID, Epididymitis)Doxycyclin / Makrolide-Mindestens 14 Tage (evtl. parenteral)
Lymphogranuloma venereumAntibiotika-3 Wochen

Screening und Prävention

  • Frauen unter 25 Jahren: Jährliches Screening-Angebot (Kassenleistung) mittels NAT aus Urin. Ein Pooling von bis zu fünf Urinproben ist aus Kostengründen möglich.
  • Schwangere: Screening ist fester Bestandteil der Mutterschaftsvorsorge zur Vermeidung perinataler Komplikationen.
  • Vor Schwangerschaftsabbruch: Screening dringend empfohlen, da das Risiko für eine Pelvic Inflammatory Disease (PID) bei unbehandelter Infektion bis zu 43 % beträgt.

Meldepflicht

In Deutschland sind Infektionen mit Chlamydia trachomatis grundsätzlich nicht meldepflichtig. Ausnahme: Nachweise der Serotypen L1 bis L3 (Lymphogranuloma venereum) müssen gemäß § 7 Abs. 3 IfSG namentlich an das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet werden. In Sachsen bestehen zudem ergänzende Verordnungen.

💡Praxis-Tipp

Verzichten Sie auf serologische Tests zur Akutdiagnostik, da Antikörper erst nach 6 bis 8 Wochen nachweisbar sind. Nutzen Sie stattdessen immer die Nukleinsäure-Amplifikations-Technik (NAT/PCR) aus Urin oder Abstrichmaterial.

Häufig gestellte Fragen

Mittel der Wahl sind Azithromycin als 1 g Einmaldosis oder alternativ Doxycyclin 100 mg 2x täglich für 7 Tage.
In Deutschland sind nur die Serotypen L1 bis L3 (Erreger des Lymphogranuloma venereum) gemäß § 7 Abs. 3 IfSG an das RKI meldepflichtig. Für andere Serotypen besteht keine bundesweite Meldepflicht (Ausnahme: länderspezifische Regeln wie in Sachsen).
Sexuell aktive Frauen unter 25 Jahren sowie Schwangere (als Teil der Mutterschaftsvorsorge) haben Anspruch auf ein Screening mittels NAT aus dem Urin.
Die Inkubationszeit für die Erstinfektion beträgt in der Regel etwa 1 bis 3 Wochen.
Es sollten alle Sexualpartner der letzten 60 Tage untersucht und mitbehandelt werden, um Reinfektionen (Ping-Pong-Effekt) zu vermeiden.

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