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Amöbenkeratitis: RKI-Ratgeber & Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Amöbenkeratitis wird meist durch Akanthamöben (Genotyp T4) verursacht, die hochresistente Zysten bilden können.
  • Hauptrisikofaktor ist mangelnde Kontaktlinsenhygiene, insbesondere kontaminierte Behälter oder Pflegemittel.
  • Die Diagnostik erfolgt bevorzugt aus Kornea-Abradat oder Kontaktlinsenbehältern, der Transport muss in sterilem Wasser oder Amöbensaline erfolgen.
  • Die Therapie ist langwierig; Nachkontrollen sollten bis 6 Monate nach Symptomfreiheit erfolgen, um Zysten-Rezidive zu erkennen.
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Hintergrund

Die Amöbenkeratitis (AK) wird durch verschiedene Arten der Gattung Acanthamoeba (meist Genotyp T4) verursacht. Diese Einzeller kommen weltweit als Opportunisten in Erde, Schlamm und Gewässern (auch in Biofilmen von Wasserversorgungssystemen) vor. Unter widrigen Bedingungen bilden sie sehr widerstandsfähige Zysten, die gegen Kälte, Austrocknung und chemische Wirkstoffe resistent sind.

Infektionsweg und Risikofaktoren

Die Infektion erfolgt meist indirekt. Für eine Infektion reicht oft ein kurzer Erregerkontakt, besonders bei vorgeschädigter Hornhaut (z. B. Mikroläsionen durch Kontaktlinsen).

InfektionswegUrsache / Bemerkung
Indirekt (Häufig)Kontaminierte Kontaktlinsenbehälter, unzureichende Pflegemittel, Tragen von Kontaktlinsen beim Schwimmen.
Direkt (Selten)Kontaminiertes Wasser gelangt in ein verletztes Auge (z. B. bei Feldarbeit). Betrifft in Mitteleuropa etwa 10 % der Fälle.

Klinische Symptomatik

Die Erkrankung wird initial oft nicht erkannt und verläuft in verschiedenen Stadien. Es können auch völlig beschwerdefreie Intervalle auftreten.

KrankheitsstadiumTypische Symptome
InitialphaseFremdkörpergefühl, zunehmende Schmerzen, Tränenträufeln, krampfartiger Lidschluss (Blepharospasmus), verschwommenes Sehen, gräulich-schmutziges Epithel.
FortgeschrittenPerineurale Infiltrate, weißlich entzündliches Ringinfiltrat (Perineuritis mit teils starken Schmerzen).
SpätstadiumChronisch progressiv ulzerierende Keratitis, Iritis, Skleritis, Uveitis, erhöhter Augendruck, zunehmender Visusverlust.

Diagnostik

Die Differenzialdiagnose muss vor allem die Herpes-simplex-Virus-Keratitis sowie bakterielle (Pseudomonaden) und mykotische Keratitiden ausschließen. Häufig treten bakterielle Begleitinfektionen auf.

Material / MethodeEmpfehlung / Bemerkung
ProbenmaterialKornea-Abradat, Kornea-Abstriche, Kontaktlinsen inkl. Behälter.
TransportmediumAmöbensaline oder steriles Wasser (niemals physiologische Kochsalzlösung!).
MethodenKonfokale in vivo Mikroskopie, Kultur auf Spezialmedien (direkter Erregernachweis), PCR (sehr sensitiv, zeigt aber keine Vitalität der Erreger).

Therapie

Die Therapie ist oft langwierig, aber bei früher Diagnose in der Regel erfolgreich. Wegen der Zystenbildung kann es zum Wiederaufflammen einer scheinbar ausgeheilten Infektion kommen.

  • Medikamentös: Topische Medikation (individuell anzupassen, klinisch erfahrene Kollegen hinzuziehen).
  • Chirurgisch: Epithel-Abrasion, Kryotherapie, perforierende Keratoplastik, Amnionmembran-Transplantation.
  • Nachsorge: Der Therapieerfolg muss bis etwa 6 Monate nach Abklingen der Symptome regelmäßig kontrolliert werden.

Prävention für Kontaktlinsenträger

  • Hände vor dem Hantieren grundsätzlich waschen.
  • Behälter täglich reinigen, lufttrocknen lassen und regelmäßig erneuern.
  • Nur frische Aufbewahrungslösung nutzen (kein Leitungswasser, keine selbst hergestellte Kochsalzlösung).
  • Mehrphasensysteme sind sogenannten "all-in-one"-Systemen vorzuziehen.
  • Kontaktlinsen beim Schwimmen entfernen oder Einweglinsen nutzen.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie für den Versand von Untersuchungsmaterial (Kornea-Abradat, Kontaktlinsen) an das Labor steriles Wasser oder spezielle Amöbensaline, niemals physiologische Kochsalzlösung.

Häufig gestellte Fragen

Meist indirekt über kontaminierte Kontaktlinsen oder deren schlecht gepflegte Behälter, selten direkt durch verunreinigtes Wasser bei bestehenden Hornhautverletzungen.
Nein, es gibt keine Hinweise auf eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch. Eine indirekte Übertragung durch das Teilen von Kontaktlinsen ist jedoch möglich.
Die Inkubationszeit liegt zwischen wenigen Tagen und mehreren Wochen, abhängig von der Amöbenkonzentration und der Art der Hornhautschädigung.
Bis etwa 6 Monate nach Abklingen der Symptome, da eine einzige im Stroma überlebende Zyste zu einem Wiederaufflammen der Infektion führen kann.

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