ClariMedClariMed

Norovirus-Gastroenteritis: RKI-Ratgeber & Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Noroviren sind hochkontagiös (Infektionsdosis 10-100 Partikel) und werden fäkal-oral oder über virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen übertragen.
  • Die Inkubationszeit beträgt 6-50 Stunden, die akute Symptomatik hält meist 12-48 Stunden an.
  • Goldstandard der Diagnostik ist die RT-PCR aus dem Stuhl; Antigen-Schnelltests (EIA) sind als alleinige Diagnostik unzureichend.
  • Die Therapie erfolgt rein symptomatisch durch Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution.
  • Erkrankte dürfen Gemeinschaftseinrichtungen oder Lebensmittelberufe frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome wieder betreten.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das Norovirus (Familie der Caliciviridae) ist weltweit verbreitet und für einen Großteil der nicht-bakteriellen Gastroenteritiden verantwortlich. Besonders häufig betroffen sind Kinder unter 5 Jahren und ältere Personen über 70 Jahre. Die Infektionen treten gehäuft in den Wintermonaten (Oktober bis März) auf.

Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral (z.B. über kontaminierte Flächen, Lebensmittel oder Wasser) oder durch virushaltige Tröpfchen, die beim schwallartigen Erbrechen entstehen. Die Erreger sind hochkontagiös: Die minimale Infektionsdosis liegt bei nur 10 bis 100 Viruspartikeln.

Klinische Symptomatik

Die Inkubationszeit beträgt 6 bis 50 Stunden. Die Erkrankung beginnt meist akut und dauert bei unkomplizierten Verläufen etwa 12 bis 48 Stunden an.

  • Schwallartiges, heftiges Erbrechen
  • Starke Diarrhö
  • Ausgeprägtes Krankheitsgefühl (abdominale Schmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Myalgien)
  • Meist kein hohes Fieber

Hinweis: Patienten sind während der akuten Phase und bis zu 48 Stunden nach Sistieren der Symptome hoch ansteckungsfähig. Die Virusausscheidung im Stuhl kann jedoch noch 7 bis 14 Tage (in Ausnahmefällen Wochen) andauern.

Diagnostik

Eine Labordiagnostik ist vor allem bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen oder Krankenhäusern indiziert. Bei asymptomatischen Personen ist sie nicht empfohlen.

NachweismethodeBewertungEinsatzgebiet
RT-PCRGoldstandard (hohe Sensitivität/Spezifität)Ausbruchsabklärung, molekulare Differenzierung
Antigen-EIAGeringere Sensitivität/SpezifitätNicht als alleinige Stütze der Diagnostik empfohlen
ElektronenmikroskopieAufwendigSpezialdiagnostik

Tipp für Ausbrüche: Es ist nicht nötig, alle Betroffenen zu testen. Der Nachweis bei maximal 5 Personen reicht aus, um bei weiteren symptomatischen Kontaktpersonen eine Norovirus-Infektion klinisch-epidemiologisch zu diagnostizieren.

Therapie

Eine kausale antivirale Therapie existiert nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch:

  • Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes
  • Ggf. Einsatz von Antiemetika bei starkem Erbrechen
  • Bei Kleinkindern und Senioren kann eine kurzzeitige Hospitalisierung nötig sein

Hygienemaßnahmen & Ausbruchsmanagement

Bei begründetem Verdacht müssen Maßnahmen sofort und ohne Warten auf die Laborbestätigung eingeleitet werden.

MaßnahmeDurchführung & Details
IsolierungEinzelzimmer mit eigenem WC oder Kohortenisolierung.
SchutzausrüstungEinweghandschuhe, Schutzkittel, ggf. Atemschutz (Gefahr durch Erbrochenes).
HändehygieneKonsequente Desinfektion mit Wirkbereich "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid".
FlächendesinfektionTägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen (Perverbindungen/Aldehyde bevorzugt).
WäscheTransport im geschlossenen Sack, chemo-thermisches Waschverfahren (viruzid).

Gesetzliche Vorgaben (IfSG)

  • Meldepflicht (§ 7 IfSG): Direkter oder indirekter Erregernachweis ist namentlich meldepflichtig.
  • Meldepflicht (§ 6 IfSG): Verdacht/Erkrankung ist meldepflichtig bei Personen im Lebensmittelbereich oder bei Ausbrüchen (≥ 2 Fälle).
  • Wiederzulassung (§ 34 & § 42 IfSG): Kinder < 6 Jahre (Gemeinschaftseinrichtungen) und Personal in Lebensmittelberufen dürfen frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome wieder zugelassen werden bzw. arbeiten.

💡Praxis-Tipp

Warten Sie bei einem Ausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung nicht auf das Laborergebnis. Isolieren Sie betroffene Patienten sofort und ordnen Sie Händedesinfektionsmittel mit dem Wirkbereich 'begrenzt viruzid PLUS' oder 'viruzid' an.

Häufig gestellte Fragen

Patienten sind während der akuten Phase und bis zu 48 Stunden nach dem Ende der Symptome hoch ansteckend. Das Virus kann jedoch noch 7-14 Tage im Stuhl ausgeschieden werden.
Es müssen Präparate mit dem nachgewiesenen Wirkbereich 'begrenzt viruzid PLUS' oder 'viruzid' verwendet werden.
Frühestens 48 Stunden nach dem vollständigen Abklingen der klinischen Symptome (Durchfall und Erbrechen).
Nein, Antigen-EIAs sollten nicht die einzige Stütze der Diagnostik sein. Der Goldstandard mit der höchsten Sensitivität und Spezifität ist die RT-PCR aus dem Stuhl.

Verwandte Leitlinien