Norovirus-Gastroenteritis: RKI-Ratgeber & Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Noroviren sind hochkontagiös (Infektionsdosis 10-100 Partikel) und werden fäkal-oral oder über virushaltige Tröpfchen beim Erbrechen übertragen.
- •Die Inkubationszeit beträgt 6-50 Stunden, die akute Symptomatik hält meist 12-48 Stunden an.
- •Goldstandard der Diagnostik ist die RT-PCR aus dem Stuhl; Antigen-Schnelltests (EIA) sind als alleinige Diagnostik unzureichend.
- •Die Therapie erfolgt rein symptomatisch durch Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution.
- •Erkrankte dürfen Gemeinschaftseinrichtungen oder Lebensmittelberufe frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome wieder betreten.
Hintergrund
Das Norovirus (Familie der Caliciviridae) ist weltweit verbreitet und für einen Großteil der nicht-bakteriellen Gastroenteritiden verantwortlich. Besonders häufig betroffen sind Kinder unter 5 Jahren und ältere Personen über 70 Jahre. Die Infektionen treten gehäuft in den Wintermonaten (Oktober bis März) auf.
Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral (z.B. über kontaminierte Flächen, Lebensmittel oder Wasser) oder durch virushaltige Tröpfchen, die beim schwallartigen Erbrechen entstehen. Die Erreger sind hochkontagiös: Die minimale Infektionsdosis liegt bei nur 10 bis 100 Viruspartikeln.
Klinische Symptomatik
Die Inkubationszeit beträgt 6 bis 50 Stunden. Die Erkrankung beginnt meist akut und dauert bei unkomplizierten Verläufen etwa 12 bis 48 Stunden an.
- Schwallartiges, heftiges Erbrechen
- Starke Diarrhö
- Ausgeprägtes Krankheitsgefühl (abdominale Schmerzen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Myalgien)
- Meist kein hohes Fieber
Hinweis: Patienten sind während der akuten Phase und bis zu 48 Stunden nach Sistieren der Symptome hoch ansteckungsfähig. Die Virusausscheidung im Stuhl kann jedoch noch 7 bis 14 Tage (in Ausnahmefällen Wochen) andauern.
Diagnostik
Eine Labordiagnostik ist vor allem bei Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen oder Krankenhäusern indiziert. Bei asymptomatischen Personen ist sie nicht empfohlen.
| Nachweismethode | Bewertung | Einsatzgebiet |
|---|---|---|
| RT-PCR | Goldstandard (hohe Sensitivität/Spezifität) | Ausbruchsabklärung, molekulare Differenzierung |
| Antigen-EIA | Geringere Sensitivität/Spezifität | Nicht als alleinige Stütze der Diagnostik empfohlen |
| Elektronenmikroskopie | Aufwendig | Spezialdiagnostik |
Tipp für Ausbrüche: Es ist nicht nötig, alle Betroffenen zu testen. Der Nachweis bei maximal 5 Personen reicht aus, um bei weiteren symptomatischen Kontaktpersonen eine Norovirus-Infektion klinisch-epidemiologisch zu diagnostizieren.
Therapie
Eine kausale antivirale Therapie existiert nicht. Die Behandlung erfolgt symptomatisch:
- Ausgleich des Flüssigkeits- und Elektrolytverlustes
- Ggf. Einsatz von Antiemetika bei starkem Erbrechen
- Bei Kleinkindern und Senioren kann eine kurzzeitige Hospitalisierung nötig sein
Hygienemaßnahmen & Ausbruchsmanagement
Bei begründetem Verdacht müssen Maßnahmen sofort und ohne Warten auf die Laborbestätigung eingeleitet werden.
| Maßnahme | Durchführung & Details |
|---|---|
| Isolierung | Einzelzimmer mit eigenem WC oder Kohortenisolierung. |
| Schutzausrüstung | Einweghandschuhe, Schutzkittel, ggf. Atemschutz (Gefahr durch Erbrochenes). |
| Händehygiene | Konsequente Desinfektion mit Wirkbereich "begrenzt viruzid PLUS" oder "viruzid". |
| Flächendesinfektion | Tägliche Wischdesinfektion patientennaher Flächen (Perverbindungen/Aldehyde bevorzugt). |
| Wäsche | Transport im geschlossenen Sack, chemo-thermisches Waschverfahren (viruzid). |
Gesetzliche Vorgaben (IfSG)
- Meldepflicht (§ 7 IfSG): Direkter oder indirekter Erregernachweis ist namentlich meldepflichtig.
- Meldepflicht (§ 6 IfSG): Verdacht/Erkrankung ist meldepflichtig bei Personen im Lebensmittelbereich oder bei Ausbrüchen (≥ 2 Fälle).
- Wiederzulassung (§ 34 & § 42 IfSG): Kinder < 6 Jahre (Gemeinschaftseinrichtungen) und Personal in Lebensmittelberufen dürfen frühestens 48 Stunden nach Abklingen der Symptome wieder zugelassen werden bzw. arbeiten.
💡Praxis-Tipp
Warten Sie bei einem Ausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung nicht auf das Laborergebnis. Isolieren Sie betroffene Patienten sofort und ordnen Sie Händedesinfektionsmittel mit dem Wirkbereich 'begrenzt viruzid PLUS' oder 'viruzid' an.