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RKI-Ratgeber: Saisonale Influenza (Grippe) Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RKI Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Inkubationszeit beträgt 1 bis 3 Tage, die Ansteckungsfähigkeit im Mittel 4 bis 5 Tage.
  • Die PCR ist der Goldstandard; negative Schnelltests schließen eine Influenza nicht sicher aus.
  • Eine antivirale Therapie sollte bei Risikopatienten innerhalb von 48 Stunden begonnen werden.
  • Die STIKO empfiehlt die jährliche Impfung u.a. für Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke und Schwangere.
  • Bei Kindern ist die Gabe von Salizylaten (ASS) wegen der Gefahr eines Reye-Syndroms streng kontraindiziert.
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Hintergrund

Erreger der saisonalen Influenza sind Orthomyxoviren, wobei für den Menschen die Typen A und B relevant sind. Die Viren übertragen sich primär über respiratorische Tröpfchen im Nahfeld, aber auch über Aerosole oder Kontaktinfektionen. Die Inkubationszeit ist mit 1 bis 3 Tagen sehr kurz.

Typ/SubtypRelevanzBemerkung
Influenza A(H1N1)pdm09HochZirkuliert seit der Pandemie 2009
Influenza A(H3N2)HochSaisonal zirkulierend
Influenza B (Victoria)HochYamagata-Linie gilt seit 2020 als ausgelöscht

Klinische Symptomatik

Typisch ist ein plötzlicher Erkrankungsbeginn mit Fieber, Husten, Halsschmerzen sowie Muskel- und Kopfschmerzen. Allerdings verläuft nur etwa ein Drittel der Infektionen fieberhaft, ein Drittel leichter und ein Drittel asymptomatisch. Die unkomplizierte Krankheitsdauer liegt bei 5 bis 7 Tagen.

Schwere Verläufe betreffen vor allem Risikogruppen (Ältere, chronisch Kranke, Schwangere, Adipöse, Immungeschwächte).

KategorieMögliche Komplikationen
PulmonalPrimäre Influenzapneumonie, bakterielle Superinfektion (Pneumokokken, Staphylokokken, H. influenzae), Exazerbation chronischer Lungenleiden
ExtrapulmonalMyositis, Rhabdomyolyse, Enzephalitis, Myokarditis
PädiatrischOtitis media, benigne akute Myositis (Wadenschmerz), Reye-Syndrom (bei ASS-Gabe)

Diagnostik

Die sichere Abgrenzung zu anderen Atemwegserregern erfordert Labordiagnostik.

  • PCR: Gilt als Goldstandard mit höchster Sensitivität und Spezifität.
  • Schnelltest (Antigennachweis): Bietet schnelle Ergebnisse und hohe Spezifität, aber nur mäßige Sensitivität. Ein negativer Schnelltest schließt eine Influenza nicht aus.

Die Wahrscheinlichkeit eines positiven Nachweises sinkt nach den ersten zwei Erkrankungstagen kontinuierlich.

Therapie

Bei unkomplizierten Verläufen ohne Risikofaktoren erfolgt die Therapie rein symptomatisch. Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder bei Vorliegen von Risikofaktoren sollte so früh wie möglich (innerhalb von 48 Stunden) eine antivirale Therapie begonnen werden. Das Warten auf ein Laborergebnis darf den Therapiebeginn nicht verzögern.

WirkstoffklasseWirkstoffeIndikation / Bemerkung
NeuraminidasehemmerOseltamivir (oral), Zanamivir (inhalativ)Mittel der Wahl, wirksam gegen Typ A und B
EndonukleasehemmerBaloxavir MarboxilEinmalgabe, in Deutschland derzeit nicht vermarktet
M2-HemmerAmantadinObsolet wegen vollständiger Resistenz der zirkulierenden A-Stämme

Bei Zeichen einer bakteriellen Superinfektion ist eine kalkulierte Antibiotikatherapie indiziert.

Prävention und Hygienemaßnahmen

Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist die jährliche Impfung (vorzugsweise im Oktober/November).

STIKO-Indikationsgruppen für die Impfung:

  • Alle Personen ab 60 Jahren
  • Personen mit chronischen Grundleiden (Atemwege, Herz-Kreislauf, Stoffwechsel, Immundefizienz etc.)
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen
  • Schwangere (Gesunde ab 2. Trimenon, bei Grundkrankheit ab 1. Trimenon)
  • Medizinisches Personal und Betreuungspersonen von Risikopatienten

Hygienemaßnahmen im Krankenhaus: Erkrankte Patienten sollten für 7 Tage ab Symptombeginn in einem Einzelzimmer isoliert werden. Das Personal muss bei Betreten des Zimmers Schutzkittel, Einmalhandschuhe und einen mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz (bei patientennahen Tätigkeiten mit Hustenrisiko eine FFP2-Maske) tragen.

💡Praxis-Tipp

Verzögern Sie bei Risikopatienten mit typischer Klinik den Start der antiviralen Therapie nicht durch das Warten auf das PCR-Ergebnis. Ein negativer Schnelltest schließt eine Influenza nicht aus.

Häufig gestellte Fragen

Die Ansteckungsfähigkeit beträgt im Mittel 4 bis 5 Tage ab Symptombeginn. Bei Kindern und hospitalisierten Patienten kann sie auch länger (ca. 7 Tage) andauern.
Nein, die Gabe von Salizylaten (wie ASS) ist bei Kindern streng kontraindiziert, da sie das lebensbedrohliche Reye-Syndrom (akute Enzephalopathie mit Leberdegeneration) auslösen können.
Die Therapie mit Neuraminidasehemmern sollte so früh wie möglich, idealerweise innerhalb der ersten 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome, begonnen werden.
Zu den häufigsten Erregern bakterieller Superinfektionen (Pneumonien) zählen Pneumokokken, Staphylokokken und Haemophilus influenzae.
Patienten sollten für 7 Tage ab Symptombeginn in einem Einzelzimmer isoliert werden. Das Personal muss Schutzkittel, Handschuhe und einen Mund-Nasen-Schutz (ggf. FFP2-Maske) tragen.

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