Geriatrische Triage im Notfall: Leitlinie (ACEP)
📋Auf einen Blick
- •TREWS und MEWS sind die zuverlässigsten Scores zur Vorhersage der Krankenhausmortalität bei Patienten ab 65 Jahren.
- •Der TREWS-Score zeigt die höchste Genauigkeit bei der Vorhersage von intensivmedizinischen Aufnahmen (ITS).
- •Die Berücksichtigung der Mobilität (wie im TREWS) ist bei älteren Patienten ein entscheidender Faktor für die Risikostratifizierung.
- •Chronische Lebererkrankungen und aktive Malignome sind starke unabhängige Prädiktoren für die In-Hospital-Mortalität.
Hintergrund
Die Überfüllung von Notaufnahmen (Emergency Departments, ED) und der steigende Anteil älterer Patienten mit atypischen Symptomen erschweren die rechtzeitige Erkennung kritischer Erkrankungen. Konventionelle Triage-Algorithmen erfassen Hochrisikopatienten in der Geriatrie oft nicht zuverlässig. Ältere Erwachsene (≥ 65 Jahre) machen 12-24 % der Notfallkontakte aus und weisen aufgrund altersbedingter physiologischer Veränderungen häufig atypische Symptome sowie abgeschwächte Reaktionen auf akute Erkrankungen auf.
Untersuchte Triage- und Scoring-Systeme
Um kritisch kranke geriatrische Patienten frühzeitig zu identifizieren, wurden sechs physiologische Scoring-Systeme hinsichtlich ihrer Vorhersagekraft für Krankenhausmortalität und ITS-Aufnahme evaluiert:
| Score | Ausgeschrieben | Parameter |
|---|---|---|
| TREWS | Triage Early Warning Score | Mobilität, Trauma, Atemfrequenz, syst. RR, Temperatur, Herzfrequenz, Bewusstsein |
| NEWS | National Early Warning Score | Atemfrequenz, SpO2, Temperatur, syst. RR, Herzfrequenz, Bewusstsein |
| MEWS | Modified Early Warning Score | Atemfrequenz, Herzfrequenz, syst. RR, Temperatur, Bewusstsein |
| REMS | Rapid Emergency Medicine Score | Alter, Herzfrequenz, Atemfrequenz, MAP, GCS, SpO2 |
| WPS | Worthing Physiological Scoring System | Atemfrequenz, Herzfrequenz, syst. RR, Temperatur, SpO2, Bewusstsein |
| STSS | Simple Triage Scoring System | Alter, Atemfrequenz, Schockindex, O2-Bedarf, Bewusstsein |
Ergebnisse und Vorhersagekraft
Bei einer Gesamtkohorte von 3.486 Patienten lag die In-Hospital-Mortalität bei 4,1 %. Die Auswertung der Scores ergab folgende Kernaussagen:
- TREWS und MEWS zeigten die höchste und zuverlässigste Vorhersagekraft (AUROC 0,815 bzw. 0,803) für die Krankenhausmortalität.
- TREWS wies zudem die beste Performance bei der Vorhersage von ITS-Aufnahmen auf (AUROC 0,945).
- REMS zeigte die schlechteste Vorhersagekraft aller untersuchten Scores.
- Die Vorhersagekraft aller Scores ist in der Frühphase am höchsten und nimmt ab, je weiter der Beobachtungszeitraum in der Zukunft liegt (z. B. 30-Tage-Mortalität).
Ein wesentlicher Vorteil des TREWS bei geriatrischen Patienten ist die Einbeziehung der Mobilität. Ein funktioneller Abbau geht einer klinischen Verschlechterung bei älteren Menschen oft voraus, was reine Vitalparameter-Scores nicht ausreichend abbilden.
Unabhängige Prädiktoren für Mortalität
Neben den Scores wurden in der multivariablen Analyse folgende unabhängige klinische Prädiktoren für die Krankenhausmortalität identifiziert:
| Prädiktor | Auswirkung / Risiko |
|---|---|
| Alter | Erhöhtes Risiko mit steigendem Alter |
| Systolischer Blutdruck | Erhöhtes Risiko bei niedrigen Werten |
| Herzfrequenz | Erhöhtes Risiko bei Tachykardie |
| Sauerstoffsättigung (SpO2) | Erhöhtes Risiko bei niedrigen Werten |
| Chronische Lebererkrankung | Stark erhöhtes Risiko (OR: 24,4) |
| Aktives Malignom | Erhöhtes Risiko (OR: 5,3) |
| Transportmittel | Erhöhtes Risiko bei Ankunft mit dem Rettungsdienst |
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei geriatrischen Notfallpatienten bevorzugt den TREWS- oder MEWS-Score zur Triage. Achten Sie besonders auf den Mobilitätsstatus, da ein funktioneller Abbau oft der klinischen Verschlechterung vorausgeht.