Kardiales Risiko vor nicht-kardialer OP: Cochrane Review
Hintergrund
Der Revised Cardiac Risk Index (RCRI) ist ein etabliertes Prognosemodell. Er wird genutzt, um präoperativ die Wahrscheinlichkeit für schwere unerwünschte kardiale Ereignisse (MACE) bei nicht-kardialen Eingriffen abzuschätzen.
Da die Vorhersagen des RCRI nicht immer präzise sind, untersuchte ein systematischer Cochrane Review (2021) mögliche Verbesserungen. Es wurde analysiert, ob zusätzliche Biomarker oder alternative Prognosemodelle die Vorhersagekraft erhöhen.
Die Autoren betonen jedoch, dass die Ergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren sind. In 90 % der eingeschlossenen Studien wurde ein hohes Verzerrungsrisiko (Risk of Bias) festgestellt, was eine statistische Zusammenfassung (Meta-Analyse) unmöglich machte.
Empfehlungen
Der Review formuliert folgende zentrale Erkenntnisse zur präoperativen Risikostratifizierung:
Zusatznutzen von Biomarkern zum RCRI
Laut dem Review verbessert die Ergänzung des RCRI um bestimmte Biomarker die Vorhersage von MACE signifikant. Folgende Marker zeigten einen klaren Zusatznutzen:
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Troponin (als alleinige Ergänzung)
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NT-proBNP (als alleinige Ergänzung)
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Kombination aus Troponin und NT-proBNP
Für die Biomarker BNP und Copeptin lagen keine ausreichenden Daten vor, um einen Zusatznutzen in Kombination mit dem RCRI zu belegen.
Biomarker als alleinige Prädiktoren
Der Review zeigt, dass isoliert gemessene Biomarker in einigen Fällen eine höhere diskriminative Leistung als der RCRI aufweisen. Insbesondere BNP und NT-proBNP zeigten als alleinige Marker eine bessere Vorhersagekraft für MACE als der RCRI.
Andere Parameter wie das C-reaktive Protein (CRP) oder die ASA-Klassifikation wiesen lediglich eine ähnliche Vorhersagekraft wie der RCRI auf.
Vergleich mit anderen Prognosemodellen
Es wurde keine Überlegenheit anderer Modelle gegenüber dem RCRI bei der Vorhersage von MACE festgestellt. Für spezifische Endpunkte zeigten sich jedoch Vorteile anderer Scores.
| Prognosemodell / Biomarker | Vergleich zum RCRI | Endpunkt / Vorhersageziel |
|---|---|---|
| NT-proBNP + Troponin (als Zusatz) | Überlegen | MACE |
| BNP / NT-proBNP (isoliert) | Überlegen | MACE |
| ACS-NSQIP-MICA | Überlegen | Myokardinfarkt und Herzstillstand |
| ACS-NSQIP-SRS | Überlegen | Gesamtmortalität |
| ASA-Klassifikation | Ähnlich | Alle untersuchten Endpunkte |
| CHADS2, CHA2DS2-VASc, Goldman | Nicht überlegen | Alle untersuchten Endpunkte |
Die Autoren weisen darauf hin, dass etablierte Scores wie CHADS2, CHA2DS2-VASc oder der Goldman-Index keine bessere Vorhersagekraft als der RCRI bieten.
💡Praxis-Tipp
Der Review weist darauf hin, dass die alleinige Nutzung des RCRI zur präoperativen Risikostratifizierung Limitationen aufweist. Es wird hervorgehoben, dass die zusätzliche Bestimmung von NT-proBNP oder Troponin die Vorhersagegenauigkeit für schwere kardiale Ereignisse (MACE) signifikant verbessern kann. Gleichzeitig wird vor einer Überbewertung der Daten gewarnt, da ein Großteil der zugrundeliegenden Studien methodische Schwächen aufweist.
Häufig gestellte Fragen
Laut dem Cochrane Review verbessert die zusätzliche Bestimmung von Troponin die Vorhersagekraft des Revised Cardiac Risk Index (RCRI) für schwere kardiale Ereignisse (MACE).
Der Review zeigt, dass der ACS-NSQIP-SRS Score dem RCRI bei der Vorhersage der Gesamtmortalität überlegen ist. Für die Vorhersage von MACE bleibt der RCRI jedoch ein starker Vergleichsstandard.
Die Daten deuten darauf hin, dass isoliert gemessenes BNP oder NT-proBNP eine höhere diskriminative Leistung für MACE aufweisen kann als der RCRI allein. Die Autoren betonen jedoch, dass diese Ergebnisse aufgrund methodischer Schwächen der Studien nicht abschließend sind.
Es konnte keine Überlegenheit des CHA2DS2-VASc Scores gegenüber dem RCRI bei der Vorhersage von unerwünschten kardialen Ereignissen festgestellt werden.
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Quelle: Cochrane Review: The comparative and added prognostic value of biomarkers to the Revised Cardiac Risk Index for preoperative prediction of major (Cochrane, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.