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Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)2023AllgemeinmedizinInnere Medizin

Zustandsverschlechterung (Erwachsene): Leitlinie (SIGN)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Der NEWS2-Score soll in allen Bereichen (präklinisch, Notaufnahme, Klinik, ambulant) zur Überwachung akut kranker Patienten genutzt werden.
  • Die Sepsis-Therapie (Zeitfenster für die Antibiose) richtet sich nach dem NEWS2-Score basierend auf den AoMRC-Kriterien.
  • Für Risikopatienten sollen vorausschauende Behandlungspläne (ACP) und Therapieeskalationspläne (TEP) unter Einbeziehung von Patient und Angehörigen erstellt werden.
  • Vitalparameter sollen elektronisch erfasst, transkribiert und dargestellt werden.
  • Strukturierte Übergaben (Handovers) werden für alle klinischen Bereiche dringend empfohlen.
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Hintergrund

Die SIGN-Leitlinie 167 befasst sich mit der Erkennung, Überwachung und Behandlung von erwachsenen Patienten, deren klinischer Zustand sich akut verschlechtert. Ausgenommen von dieser Leitlinie sind schwangere Patientinnen, Kinder unter 16 Jahren sowie Patienten in der palliativen Sterbephase (End-of-Life-Care).

Vorausplanung und Entscheidungsfindung

Für Patienten mit dem Risiko einer klinischen Verschlechterung sollten vorausschauende Behandlungspläne (Anticipatory Care Plans, ACP) und Therapieeskalationspläne (Treatment Escalation Plans, TEP) erstellt werden. Beide Pläne erfordern zwingend die Einbeziehung des Patienten und seiner Angehörigen.

Plan-TypFokusWichtige Inhalte
ACPZukünftige akute Verschlechterung (oft ambulant oder bei Entlassung erstellt)Reanimationsstatus (CPR), bevorzugter Behandlungsort, Werte und Präferenzen des Patienten
TEPAktuelle akute BehandlungsepisodeReanimationsstatus (CPR), medizinische Eignung für erweiterte/invasive Therapien (z.B. Intensivstation, Beatmung, Nierenersatzverfahren)
  • Kernaussage: Der Reanimationsstatus darf nicht der einzige Fokus dieser Pläne sein.
  • TEPs sollten bei Änderung des klinischen Status regelmäßig überprüft werden.

Erkennung der klinischen Verschlechterung

Die Erkennung einer Verschlechterung basiert nicht nur auf Vitalparametern, sondern auch auf der intuitiven Besorgnis von Behandlern, Patienten oder Angehörigen.

Folgende Vitalparameter müssen als Minimum erfasst werden:

  • Pulsfrequenz
  • Atemfrequenz
  • Systolischer Blutdruck
  • Bewusstseinsgrad oder neu aufgetretene Verwirrtheit
  • Sauerstoffsättigung (inklusive Prozent/Flussrate der Sauerstofftherapie)
  • Temperatur

Empfehlung zur Dokumentation: Beobachtungen sollten elektronisch transkribiert, aufgezeichnet und dargestellt werden. Papierbasierte Systeme müssen als Ausfallkonzept (z.B. bei IT-Ausfall) jederzeit verfügbar sein.

Early Warning Scores (NEWS2)

Der National Early Warning Score 2 (NEWS2) sollte zur Überwachung aller akut kranken erwachsenen Patienten eingesetzt werden. Dies gilt universell für:

  • Präklinik (Rettungsdienst)
  • Notaufnahme
  • Akutkrankenhaus
  • Ambulante und gemeindenahe Versorgung

Sepsis-Management

Die Einleitung einer antimikrobiellen Therapie bei Verdacht auf Sepsis in der Notaufnahme oder im Krankenhaus richtet sich nach dem klinischen Entscheidungsunterstützungssystem der Academy of Medical Royal Colleges (AoMRC), welches auf dem NEWS2 basiert.

NEWS2-ScoreInfektionswahrscheinlichkeitZeitfenster für Antibiose (ab Zeitpunkt Null)
1–4Mögliche InfektionInnerhalb von 6 Stunden
5–6Wahrscheinliche InfektionInnerhalb von 3 Stunden
≥ 7Definitive InfektionInnerhalb von 1 Stunde

Hinweis: Zeitpunkt Null ist definiert als die erste NEWS2-Erfassung bei Vorstellung in der Notaufnahme oder bei Verschlechterung auf der Normalstation.

Reaktion und Übergabe

  • Strukturierte Reaktion: Der Einsatz strukturierter Reaktionstools (z.B. Checklisten) für verschlechterte Patienten im Krankenhaus kann erwogen werden. Diese ersetzen nicht das klinische Urteilsvermögen, definieren aber Mindeststandards.
  • Critical Care Outreach Teams (CCOT): Der Einsatz von CCOTs zur Unterstützung auf Normalstationen sollte erwogen werden. Ist dies nicht möglich, muss ein erfahrener Entscheidungsträger zur Unterstützung verfügbar sein.
  • Übergaben: Standardisierte, strukturierte Übergaben (Handovers) sollten in allen klinischen Bereichen genutzt werden. Der Einsatz von Checklisten als Gedächtnisstütze wird empfohlen.

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie den NEWS2-Score aktiv zur Steuerung der Sepsis-Therapie: Bei einem NEWS2 ≥ 7 muss die Antibiose zwingend innerhalb von 1 Stunde erfolgen, bei Werten von 1-4 haben Sie bis zu 6 Stunden Zeit für eine gezieltere Diagnostik und Vermeidung von Breitbandantibiotika.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den NEWS2 (National Early Warning Score 2) für alle Bereiche, von der Präklinik bis zum Akutkrankenhaus und der ambulanten Versorgung.
Puls, Atemfrequenz, systolischer Blutdruck, Bewusstseinsgrad (oder neue Verwirrtheit), Sauerstoffsättigung (inkl. O2-Gabe) und Temperatur.
Dies richtet sich nach dem NEWS2-Score: Bei NEWS2 ≥ 7 innerhalb von 1 Stunde, bei 5-6 innerhalb von 3 Stunden und bei 1-4 innerhalb von 6 Stunden.
Ein ACP (Anticipatory Care Plan) plant vorausschauend für zukünftige Verschlechterungen, während ein TEP (Treatment Escalation Plan) konkrete Eskalationsstufen und Therapieziele für eine aktuelle akute Erkrankungsepisode festlegt.

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