Klinische Verschlechterung: Erkennung und Behandlung
Hintergrund
Die SIGN-Leitlinie 167 befasst sich mit der Versorgung von erwachsenen, nicht-schwangeren Personen, bei denen eine akute klinische Verschlechterung eintritt. Sie gilt für den ambulanten, präklinischen und stationären Bereich.
Ein zentrales Ziel ist die frühzeitige Erkennung und strukturierte Reaktion auf physiologische Entgleisungen. Ausgenommen von dieser Leitlinie sind Kinder, Schwangere sowie Personen in der palliativen End-of-Life-Versorgung.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer vorausschauenden Planung. Dazu gehören strukturierte Eskalationspläne und eine klare Kommunikation an den Schnittstellen der medizinischen Versorgung.
Empfehlungen
Die SIGN-Leitlinie 167 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Erkennung und Behandlung einer klinischen Verschlechterung:
Vorausschauende Planung
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Für alle gefährdeten Personen wird ein dokumentierter vorausschauender Versorgungsplan (Anticipatory Care Plan, ACP) empfohlen.
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Es wird angeraten, einen Behandlungs-Eskalationsplan (Treatment Escalation Plan, TEP) zu erstellen, wenn Risiken oder Nutzen bestimmter Therapien unklar sind.
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Beide Pläne sollten laut Leitlinie eine Entscheidung zur kardiopulmonalen Reanimation enthalten, diese darf jedoch nicht der alleinige Fokus sein.
Erkennung und Überwachung
Zur Überwachung aller akut erkrankten Erwachsenen in der Präklinik, Notaufnahme, im Krankenhaus und in der Gemeinde wird die Verwendung des National Early Warning Score 2 (NEWS2) empfohlen.
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Physiologische Beobachtungen sollten bei Aufnahme oder Erstbeurteilung erfasst werden.
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Ein schriftlicher Überwachungsplan sollte festlegen, welche Parameter wie oft gemessen werden.
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Die Basisüberwachung umfasst Puls, Atemfrequenz, systolischen Blutdruck, Bewusstseinslage, Sauerstoffsättigung und Temperatur.
Es wird empfohlen, Beobachtungen elektronisch zu transkribieren, darzustellen und durch IT-Systeme zu unterstützen. Im Akutbereich kann der Einsatz automatisierter Warnmeldungen basierend auf dem NEWS2 erwogen werden.
Sepsis-Management
Bei Verdacht auf Sepsis im Krankenhaus oder in der Notaufnahme empfiehlt die Leitlinie ein Vorgehen basierend auf dem NEWS2. Es wird das klinische Entscheidungsunterstützungssystem der Academy of Medical Royal Colleges (AoMRC) empfohlen.
| NEWS2-Wert | Infektionswahrscheinlichkeit | Zeitfenster für Antibiotikagabe |
|---|---|---|
| 1–4 | Mögliche Infektion | Innerhalb von 6 Stunden |
| 5–6 | Wahrscheinliche Infektion | Innerhalb von 3 Stunden |
| ≥ 7 | Gesicherte Infektion | Innerhalb von 1 Stunde |
Reaktion und Übergabe
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Für sich verschlechternde Personen im Krankenhaus kann der Einsatz eines strukturierten Reaktionstools erwogen werden.
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Es wird empfohlen, ein Critical Care Outreach Team zur Unterstützung heranzuziehen oder klare Eskalationsrichtlinien mit einem verfügbaren leitenden Entscheidungsträger zu etablieren.
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In allen klinischen Bereichen sollten standardisierte, strukturierte Übergaben (Handovers) erfolgen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler ist die alleinige Fokussierung auf den Reanimationsstatus bei der Erstellung von vorausschauenden Versorgungsplänen. Die Leitlinie betont, dass Eskalationspläne auch die medizinisch beurteilte Eignung für erweiterte Therapien (wie invasive Beatmung) im Falle einer weiteren Verschlechterung umfassen sollten. Zudem wird davor gewarnt, sich blind auf Scores zu verlassen, da diese die klinische Beurteilung niemals vollständig ersetzen können.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt den National Early Warning Score 2 (NEWS2) für alle akut erkrankten Erwachsenen. Dieser sollte in präklinischen, ambulanten und stationären Settings angewendet werden.
Die Zeitvorgabe richtet sich nach dem NEWS2-Wert bei der Erstbeurteilung. Bei einem Wert von 1-4 wird eine Gabe innerhalb von 6 Stunden empfohlen, bei 5-6 innerhalb von 3 Stunden und bei Werten ab 7 innerhalb von 1 Stunde.
Laut Leitlinie umfasst die minimale Überwachung Puls, Atemfrequenz, systolischen Blutdruck, Bewusstseinslage (oder neu aufgetretene Verwirrtheit), Sauerstoffsättigung und Temperatur.
Ein TEP definiert, welche Interventionen bei einer akuten Verschlechterung von Nutzen sein könnten. Er sollte Entscheidungen zur Reanimation, aber auch zur Eignung für erweiterte intensivmedizinische Maßnahmen umfassen.
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Quelle: SIGN 167: Care of deteriorating patients (SIGN, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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