Klinische Verschlechterung: Erkennung und Behandlung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: SIGN (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die SIGN-Leitlinie 167 befasst sich mit der Versorgung von erwachsenen, nicht-schwangeren Personen, bei denen eine akute klinische Verschlechterung eintritt. Sie gilt für den ambulanten, präklinischen und stationären Bereich.

Ein zentrales Ziel ist die frühzeitige Erkennung und strukturierte Reaktion auf physiologische Entgleisungen. Ausgenommen von dieser Leitlinie sind Kinder, Schwangere sowie Personen in der palliativen End-of-Life-Versorgung.

Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer vorausschauenden Planung. Dazu gehören strukturierte Eskalationspläne und eine klare Kommunikation an den Schnittstellen der medizinischen Versorgung.

Empfehlungen

Die SIGN-Leitlinie 167 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Erkennung und Behandlung einer klinischen Verschlechterung:

Vorausschauende Planung

  • Für alle gefährdeten Personen wird ein dokumentierter vorausschauender Versorgungsplan (Anticipatory Care Plan, ACP) empfohlen.

  • Es wird angeraten, einen Behandlungs-Eskalationsplan (Treatment Escalation Plan, TEP) zu erstellen, wenn Risiken oder Nutzen bestimmter Therapien unklar sind.

  • Beide Pläne sollten laut Leitlinie eine Entscheidung zur kardiopulmonalen Reanimation enthalten, diese darf jedoch nicht der alleinige Fokus sein.

Erkennung und Überwachung

Zur Überwachung aller akut erkrankten Erwachsenen in der Präklinik, Notaufnahme, im Krankenhaus und in der Gemeinde wird die Verwendung des National Early Warning Score 2 (NEWS2) empfohlen.

  • Physiologische Beobachtungen sollten bei Aufnahme oder Erstbeurteilung erfasst werden.

  • Ein schriftlicher Überwachungsplan sollte festlegen, welche Parameter wie oft gemessen werden.

  • Die Basisüberwachung umfasst Puls, Atemfrequenz, systolischen Blutdruck, Bewusstseinslage, Sauerstoffsättigung und Temperatur.

Es wird empfohlen, Beobachtungen elektronisch zu transkribieren, darzustellen und durch IT-Systeme zu unterstützen. Im Akutbereich kann der Einsatz automatisierter Warnmeldungen basierend auf dem NEWS2 erwogen werden.

Sepsis-Management

Bei Verdacht auf Sepsis im Krankenhaus oder in der Notaufnahme empfiehlt die Leitlinie ein Vorgehen basierend auf dem NEWS2. Es wird das klinische Entscheidungsunterstützungssystem der Academy of Medical Royal Colleges (AoMRC) empfohlen.

NEWS2-WertInfektionswahrscheinlichkeitZeitfenster für Antibiotikagabe
1–4Mögliche InfektionInnerhalb von 6 Stunden
5–6Wahrscheinliche InfektionInnerhalb von 3 Stunden
≥ 7Gesicherte InfektionInnerhalb von 1 Stunde

Reaktion und Übergabe

  • Für sich verschlechternde Personen im Krankenhaus kann der Einsatz eines strukturierten Reaktionstools erwogen werden.

  • Es wird empfohlen, ein Critical Care Outreach Team zur Unterstützung heranzuziehen oder klare Eskalationsrichtlinien mit einem verfügbaren leitenden Entscheidungsträger zu etablieren.

  • In allen klinischen Bereichen sollten standardisierte, strukturierte Übergaben (Handovers) erfolgen.

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler ist die alleinige Fokussierung auf den Reanimationsstatus bei der Erstellung von vorausschauenden Versorgungsplänen. Die Leitlinie betont, dass Eskalationspläne auch die medizinisch beurteilte Eignung für erweiterte Therapien (wie invasive Beatmung) im Falle einer weiteren Verschlechterung umfassen sollten. Zudem wird davor gewarnt, sich blind auf Scores zu verlassen, da diese die klinische Beurteilung niemals vollständig ersetzen können.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt den National Early Warning Score 2 (NEWS2) für alle akut erkrankten Erwachsenen. Dieser sollte in präklinischen, ambulanten und stationären Settings angewendet werden.

Die Zeitvorgabe richtet sich nach dem NEWS2-Wert bei der Erstbeurteilung. Bei einem Wert von 1-4 wird eine Gabe innerhalb von 6 Stunden empfohlen, bei 5-6 innerhalb von 3 Stunden und bei Werten ab 7 innerhalb von 1 Stunde.

Laut Leitlinie umfasst die minimale Überwachung Puls, Atemfrequenz, systolischen Blutdruck, Bewusstseinslage (oder neu aufgetretene Verwirrtheit), Sauerstoffsättigung und Temperatur.

Ein TEP definiert, welche Interventionen bei einer akuten Verschlechterung von Nutzen sein könnten. Er sollte Entscheidungen zur Reanimation, aber auch zur Eignung für erweiterte intensivmedizinische Maßnahmen umfassen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: SIGN 167: Care of deteriorating patients (SIGN, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.