Prähospitale Stroke-Scores: Cochrane Review
Hintergrund
Eine schnelle und präzise Erkennung von Schlaganfällen durch das Rettungsdienstpersonal oder in der Notaufnahme ist entscheidend für die rechtzeitige Einleitung einer geeigneten Therapie.
Der vorliegende Cochrane Review evaluiert die diagnostische Genauigkeit verschiedener validierter Stroke-Scores. Ziel ist es zu ermitteln, welche Screening-Instrumente sich am besten für die frühzeitige Identifikation von Schlaganfällen und transitorischen ischämischen Attacken (TIA) eignen.
Die Meta-Analyse vergleicht die Anwendung dieser Skalen sowohl im prähospitalen Umfeld als auch in der klinischen Notaufnahme, um evidenzbasierte Präferenzen für die Triage abzuleiten.
Empfehlungen
Der Cochrane Review formuliert basierend auf einer Meta-Analyse folgende Kernaussagen zur Anwendung von Stroke-Scores:
Prähospitaler Einsatz (Rettungsdienst)
Für den Einsatz im Feld wird der Cincinnati Prehospital Stroke Scale (CPSS) als bevorzugter Score hervorgehoben. Dieser zeigt laut Review die konsistent höchste Sensitivität zur Erkennung von Schlaganfällen und TIA.
Als mögliche Alternativen werden der Melbourne Ambulance Stroke Scale (MASS) und der ROSIER-Score genannt. Diese weisen eine vergleichbare Sensitivität auf, bieten jedoch potenziell eine höhere Spezifität als der CPSS.
Der Los Angeles Prehospital Stroke Scale (LAPSS) zeigt in den untersuchten Studien eine geringere Sensitivität als der CPSS und der MASS.
Klinischer Einsatz (Notaufnahme)
In der Notaufnahme wird der Recognition of Stroke in the Emergency Room (ROSIER) als Test der Wahl eingestuft. Er wurde in mehr Studien evaluiert als der FAST-Test und zeigt eine konsistent hohe Sensitivität.
Der FAST-Test (Face Arm Speech Time) weist in der Notaufnahme eine ähnliche diagnostische Genauigkeit auf wie der ROSIER-Score.
Vergleich der untersuchten Stroke-Scores
| Score | Bevorzugtes Setting | Sensitivität | Spezifität / Besonderheit |
|---|---|---|---|
| CPSS | Rettungsdienst | Konsistent am höchsten | Geringer als MASS und ROSIER |
| ROSIER | Notaufnahme | 0,88 (gepoolt) | Stark heterogen, keine gepoolte Schätzung |
| LAPSS | Rettungsdienst | 0,83 (gepoolt) | 0,93 (gepoolt), hohes Bias-Risiko |
| MASS | Rettungsdienst | Ähnlich wie CPSS | Höher als CPSS |
| FAST | Notaufnahme | Hoch | Ähnliche Genauigkeit wie ROSIER |
Limitationen der Evidenz
Die Autoren betonen, dass die Ergebnisse aufgrund verschiedener Einschränkungen als vorläufige Hypothesen betrachtet werden sollten. Folgende Faktoren schränken die Aussagekraft ein:
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Geringe Anzahl an Studien pro Test und Setting
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Hohes Verzerrungsrisiko (Bias) in vielen eingeschlossenen Studien
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Große Heterogenität zwischen den einzelnen Untersuchungsergebnissen
💡Praxis-Tipp
Laut dem Review verfehlt der ROSIER-Score in der Notaufnahme durchschnittlich 12 Prozent der Personen mit einem Schlaganfall oder einer TIA. Es wird daher darauf hingewiesen, dass auch bei einem unauffälligen Screening-Ergebnis ein Schlaganfall nicht mit absoluter Sicherheit ausgeschlossen werden kann. Eine umfassende klinische Beurteilung bleibt bei entsprechendem Verdacht unerlässlich.
Häufig gestellte Fragen
Der Cochrane Review präferiert den Cincinnati Prehospital Stroke Scale (CPSS) für den prähospitalen Einsatz. Dieser zeigt in den untersuchten Studien die konsistent höchste Sensitivität zur Erkennung von Schlaganfällen.
Für die Notaufnahme wird der ROSIER-Score als Mittel der Wahl hervorgehoben. Er weist eine konsistent hohe Sensitivität auf und ist durch eine breitere Studienbasis belegt als der FAST-Test.
Der Los Angeles Prehospital Stroke Scale (LAPSS) zeigt eine zusammengefasste Sensitivität von 0,83 und eine Spezifität von 0,93. Die Autoren weisen jedoch auf eine unsichere Validität aufgrund eines hohen Verzerrungsrisikos in den zugrundeliegenden Studien hin.
Als mögliche Alternativen werden der MASS- und der ROSIER-Score genannt. Diese weisen eine vergleichbare Sensitivität wie der CPSS auf, bieten jedoch potenziell eine höhere Spezifität.
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Quelle: Cochrane Review: Prehospital stroke scales as screening tools for early identification of stroke and transient ischemic attack (Cochrane, 2019). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.