Zöliakie: Diagnostik, Biopsie-Verzicht und Therapie
Hintergrund
Die Zöliakie ist eine systemische, immunvermittelte Erkrankung, die bei genetisch prädisponierten Personen durch den Verzehr von Gluten ausgelöst wird. Sie kann sich in jedem Lebensalter mit einer hohen Variabilität an intestinalen und extraintestinalen Symptomen manifestieren oder auch völlig asymptomatisch verlaufen.
Aufgrund der vielfältigen Erscheinungsbilder wird die Erkrankung oft als "Chamäleon der Gastroenterologie" bezeichnet. Laut Leitlinie gibt es kein spezifisches Leitsymptom, weshalb die Diagnose in der Praxis häufig verzögert oder gar nicht gestellt wird.
Die aktualisierte AWMF S2k-Leitlinie bietet strukturierte Pfade für die Diagnostik und Therapie. Ein besonderer Fokus liegt auf der Stärkung der serologischen Diagnostik, den Kriterien für einen möglichen Verzicht auf Dünndarmbiopsien bei Kindern sowie dem Management der refraktären Zöliakie.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt ausdrücklich davor, eine probatorische glutenfreie Diät vor Abschluss der Diagnostik einzuleiten. Es wird betont, dass für eine zuverlässige serologische und histopathologische Zöliakie-Diagnostik eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr von Gluten zwingend erforderlich ist, da die Tests sonst falsch-negativ ausfallen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie kann bei Kindern und Jugendlichen eine Diagnose ohne Biopsie gestellt werden, wenn der tTG-IgA-Wert mindestens das 10-fache des oberen Grenzwertes beträgt. Zur Sicherung muss in einer zweiten Blutprobe zusätzlich der EMA-IgA-Antikörper positiv ausfallen.
Es wird die initiale Bestimmung von IgA-Antikörpern gegen Gewebs-Transglutaminase (tTG-IgA) sowie des Gesamt-IgA im Serum empfohlen. Bei einem nachgewiesenen IgA-Mangel sollte gemäß Leitlinie auf IgG-basierte Tests (tTG-IgG, EMA-IgG oder dGP-IgG) ausgewichen werden.
Die Leitlinie empfiehlt die Entnahme von mindestens sechs Biopsien zur histologischen Sicherung. Davon sollten zwei aus dem Bulbus duodeni und vier aus dem mittleren und distalen Duodenum entnommen werden.
Es wird beschrieben, dass speziell als glutenfrei gekennzeichneter Hafer verzehrt werden kann, sofern darunter keine Symptome auftreten. Handelsüblicher, nicht gekennzeichneter Hafer ist aufgrund von Kreuzkontaminationen strikt zu meiden.
Die erste serologische Kontrolle wird sechs Monate nach Beginn der Diät empfohlen. Danach sollten laut Leitlinie jährliche Kontrollen erfolgen, bis der Antikörperwert stabil unter dem Grenzwert liegt.
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Quelle: Zöliakie (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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