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European Society for the Study of Coeliac Disease2025GastroenterologieImmunologieErnährungsmedizin

Zöliakie-Diagnostik bei Erwachsenen: ESsCD-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf European Society for the Study of Coeliac Disease Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • IgA-anti-TG2 ist der primäre Suchtest für Zöliakie und sollte unter glutenhaltiger Ernährung zusammen mit dem Gesamt-IgA bestimmt werden.
  • Ein No-Biopsy-Ansatz ist nun bedingt für Erwachsene unter 45 Jahren mit IgA-anti-TG2-Werten ≥ 10-fach der oberen Normgrenze möglich.
  • Für die histologische Sicherung sind mindestens vier Biopsien aus dem distalen Duodenum und zwei aus dem Bulbus duodeni erforderlich.
  • Die routinemäßige Bestimmung von IgA-anti-EMA wird nicht mehr empfohlen, kann aber in unklaren Fällen nützlich sein.
  • HLA-DQ2/8-Typisierung hat einen hohen negativen prädiktiven Wert und dient dem Ausschluss einer Zöliakie in diagnostischen Zweifelsfällen.
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Hintergrund

Die Zöliakie ist eine chronische, immunvermittelte Enteropathie des Dünndarms, die bei genetisch prädisponierten Personen durch die Aufnahme von Gluten ausgelöst wird. Die globale Prävalenz ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen und liegt in westlichen Ländern bei etwa 1 % der Bevölkerung. Die genetische Prädisposition ist stark an das Vorhandensein der HLA-DQ2- oder HLA-DQ8-Haplotypen gebunden.

Indikationen zur Testung

Eine Testung auf Zöliakie wird bei Personen mit typischen Symptomen, aber auch bei assoziierten Erkrankungen empfohlen, da die Zöliakie oft atypisch oder subklinisch verläuft.

KategorieIndikationen für eine Zöliakie-Testung
GastrointestinalChronische Diarrhö, Steatorrhö, Gewichtsverlust, Dyspepsie, Reizdarmsyndrom, unklare Leberwerterhöhung
NeurologischUnklare Ataxie, periphere Neuropathie, unklare Epilepsie
DermatologischDermatitis herpetiformis, refraktäre Psoriasis, rezidivierende Aphthen
Endokrin/AutoimmunTyp-1-Diabetes, Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow, Sjögren-Syndrom
Genetisch (Screening)Down-Syndrom, Turner-Syndrom, Williams-Syndrom, Verwandte 1. Grades

Serologische Diagnostik

Die serologische Testung muss immer unter einer glutenhaltigen Ernährung erfolgen.

  • Primärer Suchtest: Es wird stark empfohlen, IgA-anti-Gewebe-Transglutaminase (IgA-anti-TG2) als einzigen initialen Test zu verwenden.
  • Gesamt-IgA: Muss gleichzeitig bestimmt werden, um einen IgA-Mangel auszuschließen.
  • IgA-Mangel: Bei bestätigtem IgA-Mangel (< 7 mg/dL) sollen IgG-basierte Tests (IgG-anti-TG2 oder IgG-anti-DGP) verwendet werden (starke Empfehlung). Bei Malabsorptionszeichen sollte unabhängig vom IgG-Ergebnis eine Biopsie erfolgen.
  • IgA-anti-EMA: Die routinemäßige Bestimmung wird nicht mehr empfohlen. Sie kann in unklaren Fällen (z.B. bei begleitenden Autoimmunerkrankungen) zur Vermeidung unnötiger Biopsien erwogen werden (bedingte Empfehlung).
  • Speichel- und Stuhltests: Werden aufgrund geringer Sensitivität und Spezifität stark abgelehnt.

Histopathologie und Biopsie-Protokoll

Wenn eine Endoskopie durchgeführt wird, ist eine korrekte Probenentnahme essenziell, da die Schleimhautveränderungen fleckförmig auftreten können.

LokalisationMindestanzahl BiopsienBemerkung
Distales Duodenum4Standard für die Beurteilung der Zottenatrophie
Bulbus duodeni2Wichtig für die Erkennung von "ultrashort" Zöliakie

Die Beurteilung sollte nach der modifizierten Marsh-Klassifikation erfolgen. Ein Marsh-I-Stadium bei negativer Serologie macht eine Zöliakie unwahrscheinlich; andere Ursachen sollten gesucht werden.

Diagnosestellung und No-Biopsy-Ansatz

Klassischerweise wird die Diagnose durch eine positive Serologie in Kombination mit einem Marsh-II- oder Marsh-III-Stadium gesichert (starke Empfehlung).

Neu in der Leitlinie 2025 ist die Möglichkeit einer Diagnose ohne Biopsie ("No-Biopsy-Ansatz") für Erwachsene, sofern strenge Kriterien erfüllt sind:

KriteriumAnforderung für No-Biopsy-Diagnose
Serologie-TiterInitiale IgA-anti-TG2 ≥ 10-fach der oberen Normgrenze (ULN)
BestätigungZweite Blutentnahme zur Bestätigung zwingend erforderlich
AlterNur für Patienten unter 45 Jahren empfohlen
KlinikKeine "Red Flags" (z.B. Hämatochezie, Dysphagie, Obstruktionszeichen)
SettingEntscheidung muss in der fachärztlichen Sekundärversorgung fallen

Sonderfälle und diagnostische Herausforderungen

HLA-DQ2/8-Typisierung

Wird nicht für die routinemäßige Initialdiagnostik empfohlen. Sie ist indiziert bei diagnostischer Unsicherheit (z.B. Diskrepanz zwischen Serologie und Histologie), bei Patienten, die bereits eine glutenfreie Diät (GFD) einhalten, oder zum Screening von Risikogruppen. Ein negatives Ergebnis schließt eine Zöliakie nahezu sicher aus.

Glutenbelastung (Gluten Challenge)

Wenn Patienten vor der Diagnostik bereits eine GFD begonnen haben, ist eine Glutenbelastung erforderlich.

  • Voraussetzung: Vorab HLA-DQ2/8 testen (bei negativem Ergebnis ist keine Belastung nötig).
  • Dosierung: Mindestens 3 g Gluten pro Tag für 6 Wochen.
  • Endpunkt: Die duodenale Histologie ist der bevorzugte Endpunkt.

Seronegative Zottenatrophie

Bei Zottenatrophie ohne positive Zöliakie-Serologie müssen andere Ursachen (z.B. Medikamente wie Olmesartan, Infektionen, CVID) ausgeschlossen werden. Die Diagnose einer seronegativen Zöliakie stützt sich auf das klinische und histologische Ansprechen auf eine GFD bei Vorliegen von HLA-DQ2/8.

💡Praxis-Tipp

Bestimmen Sie bei der Zöliakie-Diagnostik immer das Gesamt-IgA mit, um falsch-negative IgA-anti-TG2-Ergebnisse bei einem selektiven IgA-Mangel nicht zu übersehen. Setzen Sie den No-Biopsy-Ansatz bei Erwachsenen nur bei Patienten unter 45 Jahren ohne Warnsymptome ein und bestätigen Sie den Wert stets durch eine zweite Blutentnahme.

Häufig gestellte Fragen

Der IgA-anti-TG2-Antikörpertest ist der empfohlene primäre Suchtest. Das Gesamt-IgA muss zeitgleich bestimmt werden, um einen IgA-Mangel auszuschließen.
Es werden mindestens vier Biopsien aus dem distalen Duodenum und zwei Biopsien aus dem Bulbus duodeni empfohlen.
Ja, unter bestimmten Bedingungen: bei Patienten unter 45 Jahren ohne Warnsymptome, wenn der IgA-anti-TG2-Wert mindestens das 10-Fache der oberen Normgrenze beträgt und durch eine zweite Blutprobe bestätigt wird.
Zunächst sollte eine HLA-DQ2/8-Typisierung erfolgen. Ist diese positiv, muss eine Glutenbelastung (mindestens 3 g/Tag für 6 Wochen) durchgeführt werden, bevor eine Biopsie aussagekräftig ist.
Nein, die Leitlinie rät aufgrund der geringen Sensitivität und Spezifität stark von der Verwendung von Speichel- und Stuhltests ab.

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