Zöliakie: Diagnostik & Klinik – S2k-Leitlinie (AWMF)
📋Auf einen Blick
- •Die Zöliakie zeigt ein hochvariables klinisches Bild und kann sich in jedem Lebensalter manifestieren.
- •Voraussetzung für eine zuverlässige Diagnostik ist eine regelmäßige und ausreichende Glutenzufuhr.
- •Die initiale serologische Diagnostik besteht aus der Bestimmung von tTG-IgA und dem Gesamt-IgA im Serum.
- •Bei einem IgA-Mangel müssen IgG-basierte Tests herangezogen werden, gefolgt von einer zwingenden Biopsie.
- •Bei Kindern und Jugendlichen kann unter strengen Kriterien (tTG-IgA ≥10-fach erhöht, EMA-IgA positiv) auf eine Biopsie verzichtet werden.
Hintergrund
Die Zöliakie ist das "Chamäleon der Gastroenterologie" und kann sich in jedem Lebensalter mit variablen gastrointestinalen und extraintestinalen Symptomen manifestieren. Es gibt kein klinisches Bild (auch nicht Adipositas), das eine Zöliakie per se ausschließt. Die Dermatitis herpetiformis Duhring stellt eine Sonderform mit vorrangiger Manifestation an der Haut dar.
Formen der Zöliakie (Oslo-Klassifikation)
| Form | Klinik | Serologie | Histologie |
|---|---|---|---|
| Klassisch | Zeichen der Malabsorption | Positiv | Marsh 2 oder 3 |
| Symptomatisch | Unspezifische gastrointestinale oder extraintestinale Symptome | Positiv | Marsh 2 oder 3 |
| Subklinisch | Ohne klinische Symptome, aber auffällige Laborwerte | Positiv | Marsh 2 oder 3 |
| Potenziell | Keine oder wenig spezifische Symptome | Positiv | Marsh 0 oder 1 |
| Refraktär | Zeichen der Malabsorption und Zottenatrophie trotz Diät über 12 Monate | Variabel | Marsh 3 |
Voraussetzung für die Diagnostik
Voraussetzung für die Zuverlässigkeit der serologischen und histopathologischen Diagnostik ist eine regelmäßige und ausreichende Zufuhr von Gluten.
- Vor Einleitung der Diagnostik muss die Glutenzufuhr anamnestisch erhoben werden.
- Wurde bereits eine glutenfreie Diät begonnen, ist eine Glutenbelastung (ca. 10 g Gluten/Tag für vorzugsweise 3 Monate) erforderlich.
Serologische Diagnostik
Als erster Schritt der Abklärung soll unter glutenhaltiger Kost die Serologie erfolgen.
- Initiale Diagnostik: Es sollen ausschließlich IgA-Antikörper gegen Gewebs-Transglutaminase (tTG-IgA) sowie das Gesamt-IgA im Serum bestimmt werden.
- Nicht empfohlene Tests: dGP-IgG/IgA, EMA-IgA/IgG, tTG-IgG (außer bei IgA-Mangel) sowie Antikörper gegen natives Gliadin (AGA), Zonulin, Stuhl-/Speicheltests und Blut-Schnelltests sollen nicht zur initialen Diagnostik verwendet werden.
Vorgehen bei IgA-Mangel
Bei einem erniedrigten Gesamt-IgA und negativem tTG-IgA müssen IgG-basierte Tests angewendet werden:
| Konstellation | Empfohlene Diagnostik | Bemerkung |
|---|---|---|
| IgA-Mangel und tTG-IgA negativ | tTG-IgG, EMA-IgG oder dGP-IgG bestimmen | Bei positivem IgG-Test ist zwingend eine Duodenalbiopsie zur Sicherung erforderlich. |
Zöliakie-Diagnose ohne Biopsie
Unter strengen Kriterien kann auf eine Dünndarmbiopsie verzichtet werden:
- Kinder und Jugendliche (<18 Jahre):
- tTG-IgA-Konzentration ≥ 10-facher Grenzwert
- Bestätigung durch positiven EMA-IgA-Test in einer zweiten Blutprobe
- Aufklärung durch eine/n Kindergastroenterologin/en
- Erwachsene:
- Nur bei Kontraindikation zur Endoskopie (z. B. Gerinnungsstörung)
- tTG-IgA > 10-facher Grenzwert und EMA-IgA positiv in zweiter Blutprobe
- Schriftliche Bestätigung durch eine/n Gastroenterologin/en
💡Praxis-Tipp
Stellen Sie vor jeder Zöliakie-Diagnostik sicher, dass sich die Patienten glutenhaltig ernähren. Bei bereits begonnener Diät ist eine Glutenbelastung (ca. 10 g/Tag für 3 Monate) erforderlich, da sonst falsch-negative Ergebnisse drohen.