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WHO2020

Diagnosis-Related Groups (DRG): Leitfaden (WHO)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • CBG- und DRG-Systeme klassifizieren Patienten anhand von Diagnosen und Behandlungen in klinisch und ökonomisch homogene Gruppen.
  • Die Vergütung berechnet sich aus dem Basisfallwert (Base Rate) multipliziert mit dem fallspezifischen Relativgewicht (Case-group weight).
  • DRGs eignen sich primär für die akute stationäre Versorgung, weniger für Langzeitpflege oder Psychiatrie.
  • Die Einführung eines DRG-Systems dauert in der Regel 5 bis 10 Jahre und erfordert standardisierte Kodierungssysteme (z.B. ICD).
  • DRGs setzen Anreize zur Effizienzsteigerung, bergen aber Risiken wie 'Cream Skimming' oder verfrühte Entlassungen.
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Hintergrund

Ein Case-Based Groups (CBG) System ist ein Patientenklassifikationssystem, das Behandlungsfälle anhand von Diagnosen und durchgeführten Behandlungen in standardisierte Gruppen einteilt. Es verbindet eine klinische mit einer ökonomischen Logik. Diagnosis-Related Groups (DRG) stellen eine komplexere Form der CBGs dar, bei der zusätzliche Variablen wie Patientenmerkmale, Schweregrad, Komorbiditäten und Aufnahmeart zur Gruppierung herangezogen werden.

DRG-Systeme werden primär für die akute stationäre Versorgung (Sekundär- und Tertiärversorgung) eingesetzt, da sich hier der Ressourcenverbrauch gut durch Diagnosen und Prozeduren vorhersagen lässt. Für Langzeitpflege, Psychiatrie oder Rehabilitation sind sie weniger geeignet.

Berechnung und Terminologie

Die Vergütung in einem fallpauschalierten System basiert auf einer festen finanziellen Summe pro entlassenem Fall. Die Berechnung erfolgt grundsätzlich durch die Multiplikation verschiedener Faktoren:

BegriffDefinitionFunktion
Relativgewicht (Case-group weight)Spiegelt den Ressourcenverbrauch einer Fallgruppe im Vergleich zu den durchschnittlichen Kosten aller Fälle wider.Bestimmt die relative Kostenintensität des spezifischen Falls.
Basisfallwert (Base rate)Die durchschnittliche Basisrate, die pro Fall gezahlt wird.Verbindet die DRG-Zahlungen mit dem verfügbaren Gesamtbudget.
Case MixDie Summe der Relativgewichte aller in einer Einrichtung behandelten Fälle.Maß für die erbrachte Gesamtleistung.
Case Mix Index (CMI)Das durchschnittliche Relativgewicht aller Fälle einer Einrichtung (Case Mix dividiert durch Fallzahl).Ermöglicht den Vergleich der durchschnittlichen Fallschwere zwischen verschiedenen Krankenhäusern.

Klassifikationsvariablen

Die Zuweisung eines Patienten in eine spezifische DRG erfolgt über einen Klassifikationsalgorithmus (Grouper-Software), der verschiedene Variablen aus der Patientenakte auswertet:

VariableBeschreibung
HauptdiagnoseMeist nach ICD-Kapiteln in Major Diagnostic Categories (MDC) eingeteilt.
NebendiagnosenErfassen Komorbiditäten und Komplikationen, die die Behandlungskosten signifikant beeinflussen.
ProzedurenUnterscheidung z.B. zwischen chirurgischen und rein medizinischen Fällen. Oft der stärkste Kostentreiber.
PatientenmerkmaleAlter (z.B. Kinder vs. Erwachsene) und Geschlecht (oft als Qualitätskontrolle für geschlechtsspezifische Eingriffe).
Administrative DatenAufnahmeart (Notfall vs. elektiv) oder Entlassungsart (regulär, Verlegung, Tod).

Anreize und Risiken

Die Einführung von DRGs zielt darauf ab, die Ziele der Universal Health Coverage (UHC) zu unterstützen, insbesondere durch Effizienzsteigerung und Transparenz. Das System setzt jedoch auch Verhaltensanreize für Leistungserbringer, die überwacht werden müssen:

Gewünschter EffektMögliches Risiko (Unintended Consequence)
Reduktion unnötiger Leistungen und LiegezeitenUnterversorgung (Skimping) oder zu frühe Entlassung
Transparenz über erbrachte Leistungen"Cream Skimming" (Bevorzugung leichter, lukrativer Fälle)
Effizienter RessourceneinsatzFall-Splitting (Unbundling) oder unnötige Wiederaufnahmen zur Erlössteigerung

Implementierung und Voraussetzungen

Die Einführung eines DRG-Systems ist ein langfristiges Projekt, das in der Regel 5 bis 10 Jahre in Anspruch nimmt. Es erfordert erhebliche institutionelle Voraussetzungen:

  • Standardisierte Kodierung: Nutzung internationaler Standards wie ICD-10/ICD-11 für Diagnosen und ICHI für Prozeduren.
  • IT-Infrastruktur: Elektronische Patientenakten und spezialisierte Grouper-Software.
  • Personal: Geschulte DRG-Kodierer in den Kliniken sowie Kapazitäten zur Rechnungsprüfung (Claim Management) aufseiten der Kostenträger.
  • Krankenhausautonomie: Kliniken benötigen finanzielle und personelle Flexibilität, um auf die Effizienzanreize des Systems reagieren zu können.

Länder stehen oft vor der Entscheidung, ein existierendes DRG-System zu importieren ("Buy") oder ein eigenes zu entwickeln ("Make"). Der Import (z.B. von australischen AR-DRGs oder NordDRG) spart Zeit, erfordert aber zwingend Anpassungen an lokale Kostenstrukturen und Behandlungspraktiken.

💡Praxis-Tipp

Stellen Sie sicher, dass ärztliches und pflegerisches Personal die Haupt- und Nebendiagnosen sowie alle Prozeduren lückenlos und präzise dokumentieren. Nur eine exakte Dokumentation ermöglicht den Kodierern die korrekte DRG-Ermittlung und sichert die adäquate Vergütung der erbrachten Leistung.

Häufig gestellte Fragen

CBG (Case-Based Groups) ist der Überbegriff für fallbasierte Klassifikationssysteme. DRGs (Diagnosis-Related Groups) sind eine spezifischere, komplexere Form, die neben der Diagnose weitere Variablen wie Prozeduren, Alter und Komorbiditäten zur Gruppierung nutzt.
Die Zahlung ergibt sich aus der Multiplikation des einheitlichen Basisfallwerts (Base Rate) mit dem fallspezifischen Relativgewicht (Case-group weight). Gegebenenfalls kommen noch Anpassungsfaktoren (z.B. für Lehre oder ländliche Lage) hinzu.
Der CMI ist das durchschnittliche Relativgewicht aller in einer Einrichtung behandelten Fälle. Er dient als Maß für die durchschnittliche Fallschwere. Universitätskliniken haben in der Regel einen höheren CMI als Grundversorger.
DRGs eignen sich schlecht für Bereiche, in denen die Diagnose kein guter Prädiktor für die Kosten ist. Dazu gehören die Langzeitpsychiatrie, Rehabilitation sowie extrem teure Einzelfälle (z.B. Organtransplantationen).
Internationale Erfahrungen zeigen, dass die Entwicklung und Implementierung bis zur tatsächlichen zahlungswirksamen Nutzung in der Regel 5 bis 10 Jahre dauert.

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