Finanzierung von Common Goods for Health: Leitlinie (WHO)
📋Auf einen Blick
- •Common Goods for Health (CGH) sind bevölkerungsbezogene Funktionen, die aufgrund von Marktversagen zwingend öffentlich finanziert werden müssen.
- •Die WHO definiert fünf CGH-Kategorien: Politik, Regulierung, Steuern/Subventionen, Informationssysteme und bevölkerungsbezogene Dienste.
- •CGH erfordern einen sektorübergreifenden Whole-of-Government-Ansatz, da Gesundheitsrisiken nicht an Sektoren- oder Landesgrenzen haltmachen.
- •Die COVID-19-Pandemie hat die chronische Unterfinanzierung von CGH und deren Bedeutung für die globale Gesundheitssicherheit verdeutlicht.
Hintergrund
Die COVID-19-Pandemie hat deutlich gemacht, dass eine chronische Unterfinanzierung von Common Goods for Health (CGH) globale Gesundheitskrisen verschärft. CGH sind bevölkerungsbezogene Funktionen oder Interventionen, die zwingend eine öffentliche Finanzierung erfordern. Sie bilden das Fundament für Gesundheitssysteme, globale Gesundheitssicherheit und Universal Health Coverage (UHC).
Die Bereitstellung von CGH unterliegt spezifischem Marktversagen. Sie sind oft öffentliche Güter (nicht-rivalisierend und nicht-ausschließbar) oder weisen große soziale Externalitäten auf (z. B. Herdenimmunität bei Impfungen). Da der Nutzen für den Einzelnen oft nicht direkt sichtbar ist, fehlt häufig die gesellschaftliche Nachfrage, was zu politischer Inaktivität und Unterfinanzierung führt.
Kategorien der Common Goods for Health
Die WHO unterteilt CGH in fünf Hauptkategorien, die das Rückgrat eines funktionierenden Gesundheitssystems bilden:
| Kategorie | Definition | Beispiele |
|---|---|---|
| Politik und Koordination | Nationale Richtlinien, institutionelle Kapazitäten und Koordinationsmechanismen | Notfallvorsorge, One-Health-Ansätze, sektorübergreifende Strategien |
| Regulierung und Gesetzgebung | Rechtliche Instrumente zur Durchsetzung von Standards | Arzneimittelsicherheit, Umweltauflagen, Akkreditierung von Einrichtungen |
| Steuern und Subventionen | Finanzielle Instrumente zur Verhaltens- und Marktsteuerung | Tabak-/Zuckersteuern, Subventionen für saubere Energie |
| Information und Kommunikation | Datenerfassung, Analyse und Überwachung von Risiken | Krankheitsüberwachung (Surveillance), Gesundheitsinformationssysteme |
| Bevölkerungsbezogene Dienste | Grundlegende Dienstleistungen für die gesamte Gesellschaft | Wasser- und Sanitärversorgung, Vektorkontrolle, Abfallmanagement |
Finanzierungsebenen
Die Finanzierung und Implementierung von CGH muss auf verschiedenen Ebenen erfolgen, da externe Effekte (wie Infektionskrankheiten oder Umweltverschmutzung) keine Grenzen kennen:
| Ebene | Beispiele für CGH-Funktionen |
|---|---|
| Global | Forschung und Entwicklung, globale Normen, Pandemieplanung |
| Regional (länderübergreifend) | Grenzüberschreitende Ausbruchsbekämpfung, regionale Zentren für Seuchenkontrolle |
| National | Regulierung von Gesundheitsprodukten, Steuern auf gesundheitsschädliche Produkte |
| Subnational/Lokal | Aufklärungskampagnen, Vektorkontrolle, kommunales Abfallmanagement |
Sektorübergreifende Zusammenarbeit
Da die Verantwortung für CGH oft über den Gesundheitssektor hinausgeht, ist ein Whole-of-Government-Ansatz erforderlich. Relevante Akteure umfassen unter anderem Ministerien für Finanzen (Gesundheitssteuern), Umwelt (Abfallmanagement), Landwirtschaft (Zoonosen) und Bildung (Risikokommunikation).
Um eine Fragmentierung zu vermeiden, müssen Budgets koordiniert werden. Modelle wie Pooled Funding (Zusammenlegung von Budgets verschiedener Behörden für ein gemeinsames Ziel) oder bereichsübergreifende Programmbudgets können helfen, die Finanzierung von CGH nachhaltig zu sichern.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei der Budgetplanung Argumente des Marktversagens und der sozialen Externalitäten, um gegenüber Finanzbehörden die Notwendigkeit öffentlicher Investitionen in Prävention und Surveillance zu begründen.