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WHO2023

Mangelernährung bei Kindern: WHO-Leitlinie 2023

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Säuglinge <6 Monate mit Gefahr für Gedeihstörungen benötigen bei IMCI-Gefahrenzeichen, akuten medizinischen Problemen oder Ödemen eine stationäre Aufnahme.
  • Kinder (6-59 Monate) mit schwerer akuter Mangelernährung (SAM) und gutem Appetit ohne medizinische Komplikationen können ambulant behandelt werden.
  • Für die Entlassung aus der Ernährungstherapie bei SAM gelten strikte anthropometrische Kriterien (WHZ ≥ -2 SD und MUAC ≥ 125 mm) über zwei aufeinanderfolgende Besuche.
  • Bei Dehydratation ohne Schock ist ReSoMal die bevorzugte Rehydratationslösung für Kinder mit schwerer Mangelernährung.
  • Zur Behandlung der moderaten Mangelernährung (MAM) werden lipidbasierte Nährstoffsupplemente (LNS) gegenüber angereicherten Mischmehlen (FBF) bevorzugt.
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Hintergrund

Die akute Mangelernährung (Wasting) und nutritionale Ödeme bei Säuglingen und Kindern unter 5 Jahren erfordern eine strukturierte, risikoadaptierte Behandlung. Die WHO-Leitlinie (2023) unterteilt die Empfehlungen in das Management von Säuglingen unter 6 Monaten, Kindern von 6–59 Monaten mit schwerer oder moderater Mangelernährung sowie präventive Maßnahmen.

Säuglinge < 6 Monate mit Risiko für Gedeihstörungen

Säuglinge unter 6 Monaten benötigen eine engmaschige Überwachung. Die Entscheidung über eine stationäre oder ambulante Behandlung richtet sich nach klinischen Kriterien.

SettingAufnahmekriterien
Stationär- ≥ 1 IMCI-Gefahrenzeichen<br>- Akute medizinische Probleme<br>- Nutritionale Ödeme<br>- Kürzlicher Gewichtsverlust
Ambulant- Keine Gefahrenzeichen/Aufnahmekriterien<br>- Keine Notwendigkeit für tiefgehende Diagnostik

Ernährungstherapie (Stationär):

  • Starke Empfehlung: Säuglinge sollten nach Möglichkeit gestillt werden.
  • Bei schwerer Mangelernährung/Ödemen ist eine Zufütterung indiziert (z. B. abgepumpte Muttermilch, Säuglingsanfangsnahrung oder F-75 bei Ödemen).
  • Achtung: Geben Sie niemals unverdünnte F-100-Nahrung bei klinischer Instabilität, Diarrhö, Dehydratation oder Ödemen.

Kinder 6–59 Monate: Schwere Mangelernährung (SAM)

Die initiale Triage entscheidet über das Behandlungssetting.

SettingKriterien
Stationär- ≥ 1 IMCI-Gefahrenzeichen<br>- Akute medizinische Probleme<br>- Schwere Ödeme (+++)<br>- Schlechter Appetit (Appetit-Test nicht bestanden)
Ambulant- Guter Appetit (Appetit-Test bestanden)<br>- Keine Gefahrenzeichen oder akuten medizinischen Probleme

Transfer von stationärer zu ambulanter Behandlung

Ein Transfer in die ambulante Betreuung (Starke Empfehlung) kann erfolgen, wenn:

  • Seit 24–48 Stunden keine Gefahrenzeichen mehr bestehen.
  • Medizinische Probleme soweit gelöst sind, dass keine stationäre Pflege mehr nötig ist.
  • Ödeme rückläufig sind (nicht mehr +++).
  • Ein guter Appetit besteht.
  • Wichtig: Die Entscheidung darf nicht rein auf anthropometrischen Kriterien (wie WHZ oder MUAC) basieren.

Entlassungskriterien (Exit)

Die Beendigung der Ernährungstherapie (Bedingte Empfehlung) erfordert das Erfüllen aller folgenden Kriterien bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Vorstellungen:

  • WHZ/WLZ ≥ -2 SD und MUAC ≥ 125 mm
  • Keine nutritionalen Ödeme
  • Hinweis: Prozentuale oder absolute Gewichtszunahme darf nicht als Entlassungskriterium verwendet werden.

Therapie und Rehydratation

Flüssigkeitsmanagement:

  • Schwere Mangelernährung (SAM): Bei Dehydratation ohne Schock ist ReSoMal die bevorzugte Rehydratationslösung. Alternativ kann niederosmolares ORS verwendet werden (Bedingte Empfehlung).
  • Moderate Mangelernährung (MAM): Gabe von regulärem niederosmolarem ORS nach Standard-WHO-Vorgaben (Bedingte Empfehlung).

Ready-to-use therapeutic food (RUTF): Für die ambulante Behandlung der schweren Mangelernährung wird RUTF wie folgt dosiert (Bedingte Empfehlung):

PhaseDosierung (kcal/kg/Tag)Ziel
Initial150–185Bis zur anthropometrischen Erholung und Rückbildung der Ödeme
Reduziert100–130Sobald keine schwere Mangelernährung/Ödeme mehr vorliegen, bis zur vollständigen Erholung

Moderate Mangelernährung (MAM) bei Kindern 6–59 Monate

Kinder mit MAM benötigen eine nährstoffdichte Ernährung. Speziell formulierte Lebensmittel (SFF) in Kombination mit Beratung sollten priorisiert werden (Starke Empfehlung), wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen:

  • MUAC 115–119 mm
  • WAZ < -3 SD
  • Alter < 24 Monate
  • Komorbiditäten (z. B. HIV, Tuberkulose)
  • Schwere soziale Faktoren (z. B. Tod der Mutter)

Präparatwahl: Lipidbasierte Nährstoffsupplemente (LNS) werden gegenüber angereicherten Mischmehlen (FBF) bevorzugt (Bedingte Empfehlung). Sie sollten 40–60 % des täglichen Energiebedarfs (ca. 100–130 kcal/kg/Tag) decken.

Prävention

In Gebieten mit hoher Ernährungsunsicherheit können LNS (mittlere oder kleine Mengen) für Kinder von 6–23 Monaten zur Prävention erwogen werden (Bedingte Empfehlung).

  • Starke Empfehlung: Multiple Mikronährstoffpulver (MNPs) sollen nicht spezifisch zur Prävention von Wasting und Ödemen eingesetzt werden.

💡Praxis-Tipp

Verwenden Sie bei klinisch instabilen Säuglingen (<6 Monate) mit Dehydratation oder Ödemen niemals unverdünnte F-100-Nahrung, da die hohe renale Molenlast das Risiko einer hypernatriämischen Dehydratation birgt.

Häufig gestellte Fragen

Wenn es einen guten Appetit hat (Appetit-Test bestanden), keine IMCI-Gefahrenzeichen aufweist und keine akuten medizinischen Probleme vorliegen.
Bei Dehydratation ohne Schock wird ReSoMal bevorzugt. Alternativ kann niederosmolares ORS verwendet werden.
WHZ/WLZ ≥ -2 SD und MUAC ≥ 125 mm sowie absolute Ödemfreiheit bei mindestens zwei aufeinanderfolgenden Vorstellungen. Gewichtszunahme allein reicht nicht aus.
150–185 kcal/kg/Tag bis zur anthropometrischen Erholung und Rückbildung der Ödeme. Danach kann auf 100–130 kcal/kg/Tag reduziert werden.

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