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National Institute for Health and Care Excellence (NICE)Gastroenterologie

Menschen- und Tierbisse: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf National Institute for Health and Care Excellence (NICE) Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Eine Antibiotika-Prophylaxe ist nicht indiziert, wenn die Haut durch den Biss nicht durchtrennt wurde.
  • Bei Menschen- und Katzenbissen, die bluten, sollte immer eine Antibiotika-Prophylaxe angeboten werden.
  • Hundebisse erfordern eine Prophylaxe bei tiefen Wunden, Kontamination oder Beteiligung tiefer Strukturen.
  • Mittel der ersten Wahl für Prophylaxe (3 Tage) und Therapie (5 Tage) ist Amoxicillin/Clavulansäure.
  • Bei Wundsekretion (eitrig oder nicht-eitrig) sollte vor Therapiebeginn ein Abstrich erfolgen.
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Hintergrund

Menschen- und Tierbisse bergen ein hohes Risiko für Wundinfektionen. Die meisten Infektionen durch Tierbisse sind polymikrobiell und enthalten sowohl aerobe als auch anaerobe Erreger (z. B. Pasteurella, Streptococcus, Staphylococcus, Neisseria und Bacteroides). Bei Menschenbissen sind häufig Streptococcus, Staphylococcus aureus, Haemophilus und Eikenella corrodens beteiligt.

Diagnostik und Wundversorgung

Bei der Erstvorstellung müssen Wundart, Tiefe, Lokalisation und die verursachende Tierart dokumentiert werden.

  • Risikobewertung: Tetanus-, Tollwut- und Blutübertragbare-Viren-Risiko prüfen und entsprechend handeln.
  • Wundversorgung: Ausgiebige Spülung (Irrigation) und Debridement nach Bedarf.
  • Abstrich: Bei jeglicher Sekretion (eitrig oder nicht-eitrig) muss ein Abstrich zur mikrobiologischen Testung entnommen werden, da einige Erreger (wie Eikenella) keinen Eiter bilden.
  • Spezialist hinzuziehen: Bei Bissen von Wild- oder exotischen Tieren (inkl. Vögeln, Schlangen, Affen) sollte ein Mikrobiologe konsultiert werden, da ein abweichendes Erregerspektrum und das Risiko für schwere nicht-bakterielle Infektionen (z. B. Herpes-B-Virus bei Affen) besteht.

Indikationen zur Antibiotika-Prophylaxe

Die Indikation zur Prophylaxe richtet sich nach der Bissart und der Wundtiefe.

BissartHaut intaktHaut durchtrennt (ohne Blutung)Haut durchtrennt (mit Blutung)
MenschKeine ProphylaxeErwägen bei Hochrisikobereich oder KomorbiditätProphylaxe anbieten
KatzeKeine ProphylaxeErwägen, falls die Wunde tief sein könnteProphylaxe anbieten
Hund / HaustierKeine ProphylaxeKeine ProphylaxeAnbieten bei tiefen/kontaminierten Wunden. Erwägen bei Hochrisiko.

Hinweis zu Hochrisikobereichen und Komorbiditäten:

  • Hochrisikobereiche: Hände, Füße, Gesicht, Genitalien, Haut über Knorpelstrukturen, Bereiche mit schlechter Durchblutung.
  • Komorbiditäten: Diabetes, Immunsuppression, Asplenie, dekompensierte Lebererkrankung.
  • Kriterien für Hundebisse (mit Blutung): Prophylaxe anbieten, wenn Knochen, Gelenke, Sehnen oder Gefäße beteiligt sind, es sich um eine tiefe Punktions- oder Quetschwunde handelt oder die Wunde sichtbar kontaminiert ist (z. B. Schmutz oder Zahn in der Wunde).

Wahl des Antibiotikums

Die Wahl des Antibiotikums ist für Prophylaxe und Therapie identisch. Orale Antibiotika sind zu bevorzugen, sofern der Patient diese einnehmen kann und die Schwere der Infektion keine intravenöse Gabe erfordert.

Erwachsene (ab 18 Jahren)

Indikation1. WahlAlternative (z. B. bei Penicillin-Allergie)
OralAmoxicillin/Clavulansäure (250/125 mg oder 500/125 mg 3x tägl.)Doxycyclin (200 mg Tag 1, dann 100-200 mg) + Metronidazol (400 mg 3x tägl.)
IntravenösAmoxicillin/Clavulansäure (1,2 g 3x tägl.)Cefuroxim + Metronidazol ODER Ceftriaxon + Metronidazol

Kinder und Jugendliche (< 18 Jahre)

Alter1. Wahl (Oral)Alternative (Oral, bei Penicillin-Allergie)
< 12 JahreAmoxicillin/ClavulansäureCotrimoxazol (Off-Label-Use)
12 bis 17 JahreAmoxicillin/ClavulansäureDoxycyclin + Metronidazol

Therapiedauer

StufeDauerBemerkung
Prophylaxe3 TageKürzestmögliche effektive Dauer zur Vermeidung von Resistenzen.
Therapie5 TageBei schweren Gewebeschäden oder Beteiligung tiefer Strukturen auf bis zu 7 Tage verlängerbar (mit Reevaluation).

Überweisung und Reevaluation

Eine sofortige Überweisung ins Krankenhaus ist indiziert bei:

  • Symptomen einer schweren Erkrankung (schwere Zellulitis, Abszess, Osteomyelitis, septische Arthritis, nekrotisierende Fasziitis, Sepsis).
  • Penetrierenden Wunden mit Beteiligung von Arterien, Gelenken, Nerven, Muskeln, Sehnen, Knochen oder dem ZNS.

Eine Reevaluation sollte erfolgen, wenn sich die Symptome rasch verschlechtern, innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach Therapiebeginn keine Besserung eintritt, der Patient systemisch krank wird oder unverhältnismäßig starke Schmerzen auftreten.

💡Praxis-Tipp

Katzenbisse sind durch die nadelartigen Zähne oft tiefer als sie imponieren und schwer zu spülen. Stellen Sie die Indikation zur Prophylaxe hier großzügig. Denken Sie bei nicht-verbalen Patienten (z. B. Kleinkindern) an Verhaltensänderungen als Zeichen für unverhältnismäßige Schmerzen.

Häufig gestellte Fragen

Nur wenn die Haut durchtrennt ist, blutet UND tiefe Strukturen beteiligt sind, es sich um eine tiefe Quetsch-/Punktionswunde handelt oder sichtbare Kontamination vorliegt. Bei Hochrisikopatienten oder Bissen an Händen/Gesicht kann sie erwogen werden.
Amoxicillin/Clavulansäure ist sowohl für die Prophylaxe als auch für die Therapie bei Erwachsenen und Kindern das Mittel der ersten Wahl.
Für die Prophylaxe werden 3 Tage empfohlen, für die Therapie einer manifesten Infektion 5 Tage (in schweren Fällen bis zu 7 Tage).
Bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren wird eine Kombination aus Doxycyclin und Metronidazol empfohlen. Bei Kindern unter 12 Jahren ist Cotrimoxazol die Alternative.

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