Reiseimpfungen: Aktuelle WHO-Leitlinie 2025
📋Auf einen Blick
- •Reiseimpfungen sollten idealerweise 6 Monate, spätestens jedoch 2 Wochen vor Abreise geplant werden.
- •Totimpfstoffe können problemlos kombiniert werden; Lebendimpfstoffe simultan oder im Abstand von mindestens 4 Wochen geben.
- •Malaria-Impfstoffe sind für Reisende nicht indiziert; hier gilt weiterhin die Chemoprophylaxe.
- •Der Dengue-Impfstoff TAK-003 wird in 2 Dosen (Monat 0 und 3) gegeben.
- •Für Hajj- und Umrah-Pilger sind spezifische Impfungen (u.a. Meningokokken, Polio, Influenza) obligatorisch.
Hintergrund
Eine reisemedizinische Beratung sollte idealerweise mindestens 6 Monate vor der Abreise stattfinden, um optimale Impfschemata abschließen zu können. Alle Impfungen sollten spätestens 2 Wochen vor Reiseantritt verabreicht werden. Die Impfplanung muss individuell an Reiseziel, Reisedauer, Gesundheitszustand und geplante Aktivitäten angepasst werden.
Kategorien von Reiseimpfungen
Die WHO unterteilt Impfungen für Reisende in drei Hauptkategorien:
| Kategorie | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Routine-Impfungen | Überprüfung und Auffrischung nationaler Standardimpfungen. | DTP, Hepatitis B, Masern, Polio, HPV, Influenza |
| Reisespezifische Impfungen | Indiziert nach individuellem Risikoprofil und Reiseziel. | Cholera, Dengue, Hepatitis A/E, Japanische Enzephalitis, Tollwut, Typhus, Gelbfieber |
| Pflichtimpfungen | Von bestimmten Ländern zur Ein- oder Ausreise verlangt. | Gelbfieber, Meningokokken, Polio, Influenza (z.B. Hajj/Umrah) |
Koadministration von Impfstoffen
- Totimpfstoffe: Interagieren in der Regel nicht miteinander. Bei gleichzeitiger Gabe sollten sie an unterschiedlichen Körperstellen (bevorzugt unterschiedliche Extremitäten) oder mit mindestens 2,5 cm Abstand injiziert werden.
- Lebendimpfstoffe: Können meist simultan an verschiedenen anatomischen Stellen verabreicht werden. Erfolgt die Gabe nicht am selben Tag, muss ein Abstand von mindestens 4 Wochen eingehalten werden.
- Ausnahme: Orale Lebendimpfstoffe (Polio OPV, Typhus Ty21a) können in jedem beliebigen Abstand zu injizierbaren Lebendimpfstoffen gegeben werden.
Spezifische Impfempfehlungen (Auswahl)
Dengue-Fieber
| Impfstoff | Schema | Bemerkung |
|---|---|---|
| TAK-003 (Qdenga) | 2 Dosen (0 und 3 Monate) | Subkutane Gabe. Abstand nicht verkürzen. Bei Verzögerung Schema nicht neu starten. |
| CYD-TDV (Dengvaxia) | - | Wird vom Markt genommen. Nur bei positivem Dengue-IgG anwendbar. |
Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, Immunsuppression.
Hepatitis A und B
- Hepatitis A: Totimpfstoff (1-2 Dosen) oder Lebendimpfstoff (1 Dosis). Schutz besteht nach 2-4 Wochen. Kann bis zum Tag der Abreise gegeben werden.
- Hepatitis B: Standardmäßig 3 Dosen. Bei Zeitmangel vor der Reise ist ein Schnellschema (Tag 0, 7, 21) möglich; hierbei ist eine vierte Dosis nach 12 Monaten erforderlich.
Malaria
Die WHO stellt klar: Die verfügbaren Malaria-Impfstoffe (RTS,S/AS01 und R21/Matrix-M) sind nicht für Reisende empfohlen. Sie sind ausschließlich für Kinder in Endemiegebieten vorgesehen. Reisende müssen sich weiterhin auf Chemoprophylaxe und Expositionsprophylaxe (Mückenschutz) verlassen.
Japanische Enzephalitis (JE)
| Impfstofftyp | Schema | Bemerkung |
|---|---|---|
| Inaktiviert (Vero-Zell) | 2 Dosen (Abstand 4 Wochen) | Booster nach 1-2 Jahren bei fortbestehendem Risiko. |
| Lebend-attenuiert | 1 Dosis | Ab 8 Monaten. Keine Booster-Empfehlung etabliert. |
| Lebend-rekombinant | 1 Dosis | Ab 9 Monaten. Subkutane Gabe. |
Cholera
Für Reisende mit hohem Risiko (z.B. humanitäre Helfer).
- Totimpfstoff (WC-rBS): 2 orale Dosen für Erwachsene (Abstand ≥ 7 Tage bis < 6 Wochen). Booster nach 2 Jahren.
- Nahrungsaufnahme: 1 Stunde vor und nach der Schluckimpfung vermeiden.
Masern
Jeder Reisende sollte über zwei dokumentierte Impfdosen verfügen. Die Impfung sollte mindestens 15 Tage vor Abreise erfolgen. Säuglinge ab 6 Monaten können bei Reisen in Ausbruchsgebiete eine vorgezogene Dosis erhalten.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei Last-Minute-Reisenden das beschleunigte Hepatitis-B-Schema (Tag 0, 7, 21) und weisen Sie explizit darauf hin, dass es keine Malaria-Impfung für Touristen gibt (Chemoprophylaxe bleibt Standard).