ClariMedClariMed
WHO2024

Laborsicherheit: WHO-Leitlinie zur Biosafety (LBM4)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die LBM4-Leitlinie etabliert einen risiko- und evidenzbasierten Ansatz für die biologische Sicherheit, der den starren 'One size fits all'-Ansatz ablöst.
  • Ein zentraler Fokus liegt auf der Good Microbiological Practice and Procedure (GMPP).
  • Risikobewertungen müssen in fünf standardisierten Schritten erfolgen: Informationen sammeln, Risiken bewerten, Strategie entwickeln, Maßnahmen implementieren und überprüfen.
  • Neben biologischen Gefahren müssen auch physische (Feuer, Strom) und chemische Risiken systematisch bewertet werden.
  • Für 'Man-down'-Situationen (kollabierte Personen) gelten strikte, gefahrenspezifische Rettungsprotokolle.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Die 4. Ausgabe des WHO Laboratory Biosafety Manuals (LBM4) führt einen risiko- und evidenzbasierten Ansatz für die biologische Sicherheit ein. Dieser ersetzt den bisherigen "One size fits all"-Ansatz und fokussiert sich auf die tatsächlichen Tätigkeiten und nicht nur auf den Erreger. Ein zentraler Bestandteil ist die Good Microbiological Practice and Procedure (GMPP), welche die Kompetenz und Fähigkeiten des Laborpersonals in den Vordergrund stellt.

Expositionswege von Pathogenen

Je nach Probenart bestehen unterschiedliche Übertragungswege im Laboralltag:

ÜbertragungswegProbenart (Beispiele)Typische Erreger
Blutübertragen (intravenös)Vollblut, Serum, Gewebe, SputumHIV, HBV, HCV, Plasmodium falciparum, Tollwut
Tröpfchen/Aerosole (Inhalation)Atemwegslavage, Sputum, AbstricheM. tuberculosis, B. anthracis, Influenza, SARS-CoV-2
Fäkal-oral (Ingestion)Stuhl, Urin, LebensmittelprobenE. coli, Salmonella spp., Vibrio cholerae
HautkontaktStuhl, Urin, Abstriche, GewebeHSV, Staphylococcus aureus, Clostridium tetani

Der Risikobewertungsprozess

Die Risikobewertung ist ein standardisierter, schrittweiser Prozess zur Identifikation und Kontrolle von Gefahren:

  • 1. Informationen sammeln: Identifikation der biologischen Arbeitsstoffe, Verfahren und Ausrüstung.
  • 2. Risiken bewerten: Beurteilung der Wahrscheinlichkeit und der Konsequenzen einer Exposition.
  • 3. Kontrollstrategie entwickeln: Festlegung der Ressourcen und anwendbaren Strategien.
  • 4. Maßnahmen auswählen und implementieren: Umsetzung von physischen und operativen Kontrollen.
  • 5. Überprüfung: Regelmäßige Reevaluation bei Änderungen von Verfahren oder Personal.

Physische und chemische Risiken

Neben biologischen Gefahren müssen auch physische und chemische Risiken bewertet werden:

GefahrenquelleRisikoPräventionsmaßnahme
Druckgase (O2, N2, CO2)Explosion, AsphyxieZylinder anketten, gute Belüftung, Sauerstoffmonitoring
Flüssigstickstoff / TrockeneisErfrierungen, Asphyxie, ExplosionThermohandschuhe, Gesichtsschutz, nie in geschlossenen Behältern lagern
Feuer / RauchAsphyxie durch toxische GaseRauchmelder, Fluchtwege freihalten, jährliche Brandschutzübungen
ElektrizitätStromschlag, KurzschlussKeine Überlastung von Schaltkreisen, regelmäßige Wartung

Notfallmanagement ("Man-down" Situationen)

Bei kollabierten oder bewusstlosen Personen im Labor gelten strikte Vorgehensweisen:

SituationErste MaßnahmeSpezifische Aktion
Biologischer/Chemischer SpillHilfe rufen, Behälter schließenPerson aus dem Labor ziehen (ggf. mit Hängematte), Kontaminierte PSA entfernen
Rauch/FeuerHilfe rufen, Feuerwehr alarmierenPerson mit N95-Maske und Handschuhen aus dem Raum retten
Gasleck (CO2, N2)Tür zur Belüftung offenhaltenEine Minute warten bis Gas verfliegt, dann Person bergen
StromschlagStromquelle abschaltenKontakt zwischen Person und Stromquelle mit nicht-leitendem Gegenstand trennen

Spezifische Labortypen und Mitigation

Für verschiedene Fachbereiche gelten spezifische Mitigationsstrategien:

  • Virologie: Arbeiten mit infektiösen Proben immer in einer zertifizierten Biological Safety Cabinet (BSC). Bei Zentrifugation Sicherheitsdeckel verwenden.
  • Bakteriologie: Verzicht auf offene Flammen in der BSC (Ersatz durch elektrische Sterilisatoren). Glas durch Einwegplastik ersetzen.
  • Parasitologie/Entomologie: Mikroskopie auf ebenen Flächen, Insektarien mit Schleusen (Ante-Room) und Netzen sichern.
  • Hämatologie: Röhrchen in aufrechter Position im Rack öffnen, nicht auf Personen richten.

💡Praxis-Tipp

Lagern Sie Flüssigstickstoff oder Trockeneis niemals in dicht verschlossenen Behältern, da der Druckaufbau zu einer Explosion führen kann. Führen Sie bei einem 'Man-down'-Notfall immer zuerst eine Gefahrenbeurteilung durch, bevor Sie den Raum betreten.

Häufig gestellte Fragen

Er bewertet nicht nur die Gefährlichkeit des Erregers, sondern kombiniert diese mit der spezifischen Tätigkeit und den lokalen Gegebenheiten, um maßgeschneiderte Sicherheitsmaßnahmen festzulegen.
Zuerst die Stromquelle abschalten. Ist dies nicht möglich, die Person mit einem nicht-leitenden Gegenstand (z.B. Holzbesen) von der Stromquelle trennen. Niemals die Person direkt berühren.
Thermoisolierte Handschuhe (Cryogloves), ein stabiler Gesichtsschutz, geschlossene Schuhe und ein langärmliger Laborkittel.
Nein, offene Flammen (wie Bunsenbrenner) dürfen in einer BSC nicht verwendet werden. Es sollten elektrische Sterilisatoren oder Einwegmaterialien genutzt werden.

Verwandte Leitlinien