Ausrüstung zur Vektorkontrolle: WHO-Leitlinie 2019
📋Auf einen Blick
- •Für das Indoor Residual Spraying (IRS) werden Handkompressionssprüher mit konstantem Druck (1,5 bar) und 8002E-Düsen empfohlen.
- •Space Spraying erfordert Tröpfchengrößen von < 30 µm (VMD), um fliegende Vektoren effektiv zu bekämpfen.
- •Bei der Larvenbekämpfung in Gewässern sollten wässrige Sprays eine Tröpfchengröße von > 200 µm aufweisen, um ein schnelles Absinken zu gewährleisten.
- •Manuell getragene Geräte dürfen ein Maximalgewicht von 20 kg (handgetragen) bzw. 25 kg (Rucksack) nicht überschreiten.
- •Ab einem Lärmpegel von 85 Dezibel am Ohr des Bedieners ist ein Gehörschutz zwingend erforderlich.
Hintergrund
Die WHO-Leitlinie definiert Spezifikationen für Geräte zur Applikation von Pestiziden in der Vektorkontrolle. Ziel ist es, eine effektive, sichere und langlebige Ausrüstung für Programme zur Bekämpfung von Krankheitsüberträgern (wie Mücken) bereitzustellen. Die Wahl der Technik hängt vom Zielorganismus und dessen Lebensraum ab.
Haupttechniken der Vektorkontrolle
Die Leitlinie unterscheidet vier primäre Anwendungsbereiche, für die spezifische Geräteanforderungen gelten:
| Technik | Ziel | Bevorzugte Ausrüstung | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Indoor Residual Spraying (IRS) | An Wänden ruhende Mücken | Handkompressionssprüher | Ziel: 30 ml Spray/m². Gleichmäßige Verteilung essenziell. |
| Space Spraying | Fliegende Insekten (Adultizid) | Kalt- und Thermonebelgeräte | Keine Residualwirkung. Wiederholungstherapien oft nötig. |
| Larvenkontrolle | Aquatische Lebensräume | Rucksacksprüher, Granulatstreuer | Zielgerichtete Behandlung von Brutstätten. |
| Barrierebehandlung | Vegetation nahe Häusern | Motorisierte Nebelbläser | Reduziert das Eindringen von Mücken in Gebäude. |
Allgemeine Geräteanforderungen
Für alle manuell getragenen und motorisierten Geräte gelten strikte Sicherheits- und Designvorgaben:
- Maximalgewicht: Manuell getragene Geräte dürfen 25 kg (Rucksack) oder 20 kg (handgetragen) bei maximaler Füllung nicht überschreiten.
- Lärmschutz: Ab einem Lärmpegel von > 85 Dezibel am Ohr des Bedieners muss ein Gehörschutz getragen werden. Dies muss dauerhaft auf dem Gerät markiert sein.
- Materialien: Alle Komponenten müssen korrosions- und chemikalienbeständig sein.
- Leckage: Die Geräte dürfen in keiner Position (aufrecht, horizontal, 45°) auslaufen.
- Filter: Tanköffnungen müssen mit Filtern ausgestattet sein, um Verstopfungen der Düsen zu verhindern.
Spezifikationen der Sprühgeräte
| Gerätetyp | Einsatzbereich | Wichtige Spezifikationen |
|---|---|---|
| Handkompressionssprüher | IRS, Larvizide | Max. Betriebsdruck: 55-58 psi (ca. 4 bar). 8002E-Düse empfohlen. |
| Hebel-Rucksacksprüher | Larvizide | Tankkapazität: meist 15 L. 20-30 Pumpstöße/Min für > 70 L/h. |
| Motorisierte Rucksack-Nebelbläser | Barriere, Larvizide | Motor < 12 kg. Kraftstoffverbrauch < 2 L/h. Reichweite: > 10 m horizontal. |
| Tragbare Kaltnebelgeräte | Space Spraying (Indoor/Outdoor) | Tankkapazität: ≥ 1 L. Tröpfchen < 30 µm VMD. |
| Fahrzeugmontierte Nebelgeräte | Space Spraying (großflächig) | Pestizidtank: ≥ 50 L. Fernbedienung aus der Fahrzeugkabine zwingend. |
Anforderungen an das Tröpfchenspektrum (Droplet Spectrum)
Die Wirksamkeit der Vektorkontrolle hängt maßgeblich von der korrekten Tröpfchengröße (Volume Median Diameter, VMD) ab:
| Anwendungsart | Empfohlener VMD | Begründung / Bemerkung |
|---|---|---|
| Space Spraying | < 30 µm (ideal 10-15 µm) | Tröpfchen müssen lange in der Luft schweben, um fliegende Insekten zu treffen. |
| Indoor Residual Spraying | Anteil < 30 µm darf max. 5 % betragen | Minimierung des Inhalationsrisikos für den Anwender. |
| Larvenkontrolle (wässrig) | > 200 µm | Schnelles Absinken auf die Wasseroberfläche erforderlich. |
| Barrierebehandlung (Nebel) | 50 - 100 µm | Verhindert zu schnelles Herabfallen aus dem Luftstrom. |
Flugzeugdesinsektion
Für die Behandlung von Flugzeugkabinen werden Einweg- ("one-shot") oder Mehrweg-Aerosolspender verwendet. Die Ausbringungsrate sollte 35 g der Formulierung pro 100 m³ betragen. Das Treibmittel muss nicht brennbar sein und ein niedriges Treibhauspotenzial aufweisen.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie beim Indoor Residual Spraying (IRS) darauf, dass der Anteil an Tröpfchen unter 30 µm maximal 5 % beträgt, um das Inhalationsrisiko zu minimieren. Nutzen Sie für IRS bevorzugt die 8002E-Düse bei einem konstanten Druck von 1,5 bar.