Flugzeug-Desinsektion: Leitlinie (WHO 2023)
📋Auf einen Blick
- •Ziel der Desinsektion ist der Schutz vor der Einschleppung von Krankheitsüberträgern (Vektoren) und landwirtschaftlichen Schädlingen.
- •Zugelassene Wirkstoffe sind Permethrin (für Langzeit- und Pre-Embarkation-Behandlung) sowie d-Phenothrin (für Behandlungen mit Passagieren).
- •Die Leitlinie definiert vier Hauptmethoden: Pre-Embarkation, Pre-Departure, Residualbehandlung und On-Arrival.
- •Die Residualbehandlung mit 2% Permethrin-Emulsion bietet einen Langzeitschutz von bis zu 8 Wochen.
- •Für Kabinen-Aerosole gilt eine Standarddosierung von 10 g Formulierung pro 28 m³ (1000 ft³).
Hintergrund
Die Desinsektion von Flugzeugen ist eine Maßnahme gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005), um die internationale Ausbreitung von Krankheitsüberträgern (Vektoren wie Mücken, die Malaria, Dengue, Zika oder Gelbfieber übertragen) sowie landwirtschaftlichen Schädlingen zu verhindern. Die Notwendigkeit einer Desinsektion basiert auf einer Risikobewertung, die Abflug-, Ankunftsflughafen und Flugrouten berücksichtigt.
Zugelassene Wirkstoffe
Die WHO empfiehlt spezifische Pyrethroide, die sich in ihrer Wirkweise (Residualwirkung vs. sofortiger Knock-down-Effekt) unterscheiden.
| Wirkstoff | Formulierung | Primärer Effekt | Indikation |
|---|---|---|---|
| Permethrin | 2% Aerosol (AE) oder 2% Emulsionskonzentrat (EC) | Lang anhaltende Residualwirkung | Pre-Embarkation, Residualbehandlung, Frachträume |
| d-Phenothrin / 1R-trans-Phenothrin | 2% Aerosol (AE) | Schneller Knock-down und Tötung | Pre-Departure, On-Arrival (mit Passagieren) |
| Kombination | 2% Permethrin + 2% d-Phenothrin | Kombinierte Wirkung | Frachträume (Lower/Upper Cargo) |
Desinsektionsmethoden
Die Leitlinie definiert verschiedene Standardverfahren für die Kabinen- und Frachtraumbehandlung. Die früher empfohlenen "Blocks-away"- und "Top-of-descent"-Methoden wurden durch Pre-Embarkation und Pre-Departure ersetzt.
| Methode | Bereich | Passagiere an Bord? | Empfohlener Wirkstoff | Dauer der Wirksamkeit |
|---|---|---|---|---|
| Pre-Embarkation | Kabine | Nein | Permethrin 2% Aerosol | Ein Flugsektor |
| Pre-Departure | Kabine | Ja | d-Phenothrin 2% Aerosol | Ein Flugsektor |
| Pre-Departure Cargo | Frachtraum | Nein | Kombinations-Aerosol | Ein Flugsektor |
| Residual (Langzeit) | Kabine & Frachtraum | Nein | Permethrin 2% EC | Maximal 8 Wochen |
| On-Arrival | Kabine & Frachtraum | Ja (Kabine) | d-Phenothrin 2% (Kabine) / Kombi (Fracht) | Notfall-/Ersatzmaßnahme |
Dosierungen und Applikationsraten
Die korrekte Dosierung ist essenziell für die Wirksamkeit und Sicherheit. Während der Aerosol-Anwendung und für 5 Minuten danach muss die Klimaanlage ausgeschaltet bleiben (Zirkulationslüfter auf niedrigster Stufe sind erlaubt).
Aerosol-Anwendung (Space Spray)
Aerosole müssen eine Tröpfchengröße von < 30 μm aufweisen und mit einer Rate von 1,0 g/s (± 0,2 g) abgegeben werden.
- Kabine: 10 g Formulierung pro 28 m³ (1000 ft³)
- Unterer Frachtraum (Lower Cargo): 40 g Formulierung pro 28 m³
- Oberer Frachtraum (Freighter): 15 g Formulierung pro 28 m³
Residualbehandlung (Langzeit)
Die Residualbehandlung erfolgt mit Sprühgeräten, die größere Tröpfchen (≥ 50 μm) erzeugen, um ein Einatmen zu verhindern. Die Ausbringungsmenge sollte ≤ 10 mL/m² betragen, um ein Herablaufen der Flüssigkeit zu vermeiden.
- Innenflächen (Wände, Decken): 0,2 g aktiver Wirkstoff (a.i.) pro m²
- Böden: 0,5 g a.i. pro m² (wird durch zweimaliges Sprühen mit 0,2 g/m² plus Herabfallen von Tropfen erreicht)
Zertifizierung und Dokumentation
Die Durchführung der Desinsektion muss gemäß den ICAO-Standards (Annex 9) dokumentiert werden. Hierzu gehören die Aircraft General Declaration und bei Langzeitbehandlungen das Certificate of Residual Disinsection. Leere oder angebrochene Aerosoldosen müssen zur Kontrolle durch die Behörden am Ankunftsflughafen an Bord verbleiben.
💡Praxis-Tipp
Schalten Sie die Klimaanlage während der Aerosol-Desinsektion und für exakt 5 Minuten danach aus, um eine optimale Verteilung der Tröpfchen zu gewährleisten. Bei der Residualbehandlung mit Permethrin 2% EC dürfen Oberflächen mit Lebensmittelkontakt, medizinische Geräte und elektronische Instrumente nicht besprüht werden.