Pirimiphos-methyl & Chlorfenapyr (IRS): WHO-Evaluation
📋Auf einen Blick
- •Pirimiphos-methyl 300 CS wird für Indoor Residual Spraying (IRS) mit einer Dosis von 1,0 g AI/m² empfohlen.
- •Die residuale Wirkdauer von Pirimiphos-methyl 300 CS beträgt 4 bis 6 Monate und übertrifft die ältere EC-Formulierung deutlich.
- •Chlorfenapyr 240 SC zeigt keine Kreuzresistenz bei Pyrethroid- oder Organophosphat-resistenten Anopheles-Stämmen.
- •Die Wirkung von Chlorfenapyr tritt verzögert ein, weshalb die Mortalität in Tests oft erst nach 48 bis 72 Stunden bewertet wird.
- •Bei sachgemäßer Anwendung stellen beide Insektizide kein unzumutbares Risiko für Anwender und Bewohner dar.
Hintergrund
Der 16. Bericht der WHOPES-Arbeitsgruppe (WHO Pesticide Evaluation Scheme) evaluiert neue Insektizid-Formulierungen für das Indoor Residual Spraying (IRS) zur Bekämpfung von Malaria-Vektoren. Im Fokus der Untersuchung stehen die Produkte Pirimiphos-methyl 300 CS und Chlorfenapyr 240 SC. Ziel ist es, die Wirksamkeit, die residuale Wirkdauer und die Sicherheit für Anwender und Bewohner zu bewerten.
Pirimiphos-methyl 300 CS
Pirimiphos-methyl ist ein Breitband-Insektizid aus der Gruppe der Organophosphate, dessen Wirkmechanismus auf der Hemmung der Acetylcholinesterase beruht. Die neue Kapselsuspension (CS) mit 300 g Wirkstoff pro Liter wurde entwickelt, um die Wirkdauer im Vergleich zur älteren Emulsionskonzentrat-Formulierung (EC) zu verlängern.
Sicherheit und Risikobewertung
Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch stellt Pirimiphos-methyl 300 CS kein unzumutbares Risiko für Sprühanwender oder Bewohner dar. Ein routinemäßiges Cholinesterase-Monitoring der Anwender ist nicht erforderlich, sofern die WHO-Richtlinien und Schutzmaßnahmen strikt eingehalten werden.
Wirksamkeit und Empfehlungen
In mehreren Feldstudien (u. a. in Benin, Indien, Tansania) zeigte die CS-Formulierung eine signifikant längere residuale Aktivität als die EC-Formulierung. Die Wirkdauer variiert je nach besprühtem Untergrund (Holz, Zement, Lehm).
| Eigenschaft | Pirimiphos-methyl 300 CS | Pirimiphos-methyl 500 EC (Vergleich) |
|---|---|---|
| Empfohlene Zieldosis | 1,0 g AI/m² | 1,0 - 2,0 g AI/m² |
| Erwartete Wirkdauer | 4 bis 6 Monate | 1 bis 3 Monate |
| Diagnostische Dosis (WHO-Test) | 0,25 % (vorläufig) | 0,25 % |
Die WHO empfiehlt den Einsatz von Pirimiphos-methyl 300 CS für das IRS zur Malariakontrolle explizit mit der Dosis von 1,0 g AI/m².
Chlorfenapyr 240 SC
Chlorfenapyr ist ein N-substituiertes halogeniertes Pyrrol. Es wirkt als Entkoppler der oxidativen Phosphorylierung und besitzt sowohl Kontakt- als auch Fraßgiftwirkung. Die Formulierung liegt als Suspensionskonzentrat (240 g AI/L) vor.
Sicherheit
Auch für Chlorfenapyr 240 SC gilt: Bei Einhaltung der Vorgaben besteht kein unzumutbares Risiko für Anwender, Bewohner oder die Tierwelt. Da der Dampfdruck sehr gering ist, ist die Inhalationsgefahr vernachlässigbar.
Wirksamkeit und Resistenzbrechung
Ein entscheidender Vorteil von Chlorfenapyr ist die fehlende Kreuzresistenz zu etablierten Insektizidklassen. Studien zeigten eine hohe Wirksamkeit auch bei Anopheles- und Culex-Stämmen, die gegen Pyrethroide (kdr-Mutation) oder Organophosphate/Carbamate (Ace-1R-Mutation) resistent sind.
| Parameter | Eigenschaft / Wert |
|---|---|
| Wirkstoffklasse | Pyrrol (IRAC Gruppe 13) |
| Diagnostische Konzentration | 5 % (vorläufig, 2h Exposition) |
| Wirkungseintritt | Verzögert (Bewertung nach 48-72h) |
| Irritationspotenzial | Nicht irritierend für An. gambiae |
Aufgrund der verzögerten Wirkung durch Tarsalkontakt wird die Mortalität in Bioassays standardmäßig erst nach 48 bis 72 Stunden abgelesen. In experimentellen Hüttenstudien zeigte Chlorfenapyr (getestet mit 150 bis 500 mg AI/m²) eine solide Mortalitätsrate, die jedoch im Zeitverlauf abnahm. Eine Kombination aus Chlorfenapyr-IRS und Pyrethroid-behandelten Moskitonetzen (LN) zeigte in Studien synergistische Effekte mit signifikant erhöhter Mortalität.
💡Praxis-Tipp
Überwachen Sie die residuale Aktivität von Insektiziden beim Indoor Residual Spraying (IRS) regelmäßig durch WHO-Cone-Bioassays, um die optimalen Sprühzyklen für Ihre spezifischen epidemiologischen und baulichen Bedingungen (z. B. Lehm- vs. Zementwände) vor Ort zu bestimmen.