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WHO2018

Risikobewertung Insektizid-Raumsprays: WHO-Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die Risikobewertung umfasst die Gefahrenermittlung (Hazard Assessment), die Expositionsabschätzung und die Risikocharakterisierung.
  • Als toxikologischer Ausgangspunkt dienen primär der NOAEL (No-Observed-Adverse-Effect-Level) oder Benchmark-Dosen (BMD).
  • Zur Berechnung der tolerierbaren systemischen Dosis (TSD) wird standardmäßig ein Unsicherheitsfaktor (UF) von 100 angewendet.
  • Expositionsmodelle unterscheiden zwischen Anwendern (Operatoren) sowie Anwohnern und Nebenstehenden.
  • Bei Kleinkindern muss neben der dermalen Aufnahme zwingend die orale Ingestion durch Hand-zu-Mund-Kontakt berücksichtigt werden.
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Hintergrund

Raumsprays (Space Spraying) dienen der Verteilung von Insektiziden in Form kleiner Tröpfchen (< 30 µm), die ausreichend lange in der Luft schweben, um fliegende Zielinsekten (z. B. Mücken als Vektoren von Dengue oder Malaria) zu bekämpfen. Da keine residuale Wirkung beabsichtigt ist, werden sehr geringe Dosierungen appliziert. Die Risikobewertung für die menschliche Gesundheit basiert auf drei Säulen: Gefahrenermittlung (Hazard Assessment), Expositionsabschätzung und Risikocharakterisierung.

Gefahrenermittlung und toxikologische Grenzwerte

Die Gefahrenermittlung identifiziert toxische Effekte und Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Als Ausgangspunkt für die Festlegung von Grenzwerten dienen der NOAEL (No-Observed-Adverse-Effect-Level), der LOAEL (Lowest-Observed-Adverse-Effect-Level) oder die Benchmark-Dosis (BMD).

Zur Festlegung der tolerierbaren systemischen Dosis (TSD) wird der NOAEL durch Unsicherheitsfaktoren (UF) geteilt. Der Standard-UF beträgt 100 (Faktor 10 für Interspezies-Unterschiede multipliziert mit Faktor 10 für interindividuelle Unterschiede beim Menschen). Bei Vorliegen spezifischer toxikokinetischer Daten kann dieser Wert angepasst werden.

Toxikologische Standardtests

Für eine vollständige Risikobewertung werden in der Regel folgende Studien herangezogen:

TestartZiel / Endpunkt
ToxikokinetikAbsorption, Metabolismus, Verteilung und Exkretion
Akute ToxizitätLetale Dosen (oral, dermal, inhalativ), Haut-/Augenreizung
Toxizität bei wiederholter Gabe90-Tage-Studien (Ratte/Hund) für Organ- und Bluteffekte
GenotoxizitätIn-vitro-Tests auf Genmutationen und Chromosomenschäden
Chronische Toxizität / KarzinogenitätLangzeittoxizität und Tumorinzidenz (Ratte/Maus)
ReproduktionstoxizitätEffekte auf Fortpflanzung und embryonale/fetale Entwicklung

Expositionsabschätzung

Die Exposition wird für zwei Hauptgruppen bewertet. Dabei wird zwischen einem Guideline-Szenario (korrekte Anwendung mit Schutzausrüstung) und einem Lax-Standard-Szenario (Anwendung ohne persönliche Schutzausrüstung) unterschieden.

  1. Anwender (Operatoren): Exposition beim Mischen, Laden, Sprühen und bei der Gerätewartung.
  2. Anwohner und Nebenstehende: Unterteilt in Erwachsene, Kinder, Kleinkinder und Säuglinge.

Anthropometrische Standardwerte

Für die Modellierung der Exposition werden folgende Standardwerte (25. Perzentile) herangezogen:

AltersgruppeKörpergewichtKörperoberfläche (gesamt)Atemrate (kurzzeitig)
Erwachsene60 kg1,66 m²1,25 m³/h
Kinder (6-11 J.)23,9 kg0,92 m²1,32 m³/h
Kleinkinder (12-24 M.)10 kg0,48 m²1,26 m³/h
Säuglinge (≤ 12 M.)8 kg0,41 m²0,84 m³/h

Expositionswege nach Zielgruppe

Je nach Zielgruppe und Szenario müssen unterschiedliche Aufnahmewege in die Berechnung der Gesamtdosis einfließen:

ZielgruppeSzenarioRelevante Expositionswege
AnwenderMischen / LadenDermal (Hände)
AnwenderApplikation (Indoor/Outdoor)Inhalativ, Dermal
AnwohnerIndoor nach ApplikationDermal (kontaminierte Oberflächen), Oral (kontaminierte Nahrung)
KleinkinderIndoor nach ApplikationOral (Hand-zu-Mund-Kontakt nach Oberflächenberührung)
SäuglingePost-ApplikationMuttermilch (bei stark exkretierten Toxinen)

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie für die Risikobewertung bevorzugt existierende internationale Bewertungen (z. B. JMPR, IPCS) als Ausgangspunkt. Achten Sie bei Kleinkindern zwingend auf die Einberechnung der oralen Ingestion durch Hand-zu-Mund-Kontakt.

Häufig gestellte Fragen

Standardmäßig wird ein UF von 100 verwendet. Dieser setzt sich zusammen aus einem Faktor von 10 für Interspezies-Unterschiede und einem Faktor von 10 für interindividuelle Unterschiede beim Menschen.
Es müssen Anwender (beim Mischen, Laden und Sprühen) sowie Anwohner und Nebenstehende berücksichtigt werden. Letztere werden in Erwachsene, Kinder (6-11 Jahre), Kleinkinder (12-24 Monate) und Säuglinge (< 12 Monate) unterteilt.
Das Modell geht von einem Standardgewicht von 60 kg für Erwachsene und 10 kg für Kleinkinder im Alter von 12 bis 24 Monaten aus.
Neben der dermalen Aufnahme über kontaminierte Oberflächen ist bei Kleinkindern besonders die orale Ingestion durch Hand-zu-Mund-Kontakt relevant.

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