Natriumzufuhr bei Erwachsenen & Kindern: WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Erwachsene sollten ihre Natriumzufuhr auf <2 g/Tag (entspricht <5 g Salz/Tag) reduzieren.
- •Für Kinder (2-15 Jahre) gilt eine an den relativen Energiebedarf angepasste, reduzierte Maximaldosis.
- •Die Reduktion senkt signifikant den systolischen und diastolischen Blutdruck.
- •Ausgenommen von der Empfehlung sind Patienten mit Herzinsuffizienz, Typ-1-Diabetes oder spezifischen medikamentösen Therapien.
- •Salzreduktion und Jodierung von Speisesalz sind uneingeschränkt miteinander vereinbar.
Hintergrund
Nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) sind weltweit die Hauptursache für Mortalität und Morbidität. Eine erhöhte Natriumzufuhr ist eng mit der Entstehung von Hypertonie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfällen assoziiert. Die Leitlinie der WHO zielt darauf ab, durch eine Reduktion der Natriumzufuhr den Blutdruck in der Bevölkerung zu senken und damit das Risiko für diese Erkrankungen zu minimieren.
Empfehlungen zur Natriumzufuhr
Die WHO spricht basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende starke Empfehlungen aus:
- Erwachsene (≥16 Jahre): Reduktion der Natriumzufuhr auf <2 g/Tag (entspricht <5 g Salz/Tag), um den Blutdruck sowie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und koronare Herzkrankheiten zu senken.
- Kinder (2–15 Jahre): Reduktion der Natriumzufuhr zur Kontrolle des Blutdrucks. Der maximale Wert von 2 g/Tag für Erwachsene sollte hierbei abwärts an den relativen Energiebedarf des Kindes angepasst werden.
Ausnahmen und Kontraindikationen
Die Empfehlungen gelten für die meisten Individuen (inklusive Schwangere und Stillende, mit oder ohne Hypertonie). Sie gelten nicht für folgende Patientengruppen:
- Patienten mit Erkrankungen oder medikamentösen Therapien, die zu einer Hyponatriämie oder akuten Wasserretention führen können.
- Patienten, die ärztlich überwachte Diäten benötigen (z. B. bei Herzinsuffizienz oder Typ-1-Diabetes).
Evidenz und klinische Effekte
Die Auswertung randomisiert-kontrollierter Studien (RCTs) zeigt deutliche Effekte einer reduzierten Natriumzufuhr:
| Population | Effekt auf systolischen RR | Effekt auf diastolischen RR | Evidenzgrad |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | Senkung um 3,39 mmHg | Senkung um 1,54 mmHg | Hoch |
| Kinder (2-15 J.) | Senkung um 0,84 mmHg | Senkung um 0,87 mmHg | Moderat |
Es zeigten sich keine signifikanten negativen Effekte der Natriumreduktion auf Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyceride), Katecholaminspiegel oder die Nierenfunktion.
Natriumgehalt ausgewählter Lebensmittel
Zur praktischen Umsetzung der Salzreduktion ist die Kenntnis stark natriumhaltiger Lebensmittel essenziell. Die folgende Tabelle zeigt Durchschnittswerte:
| Lebensmittelgruppe | Natriumgehalt (mg/100 g) |
|---|---|
| Speisesalz, Backpulver | 38.000 |
| Brühwürfel, fertige Suppen/Soßen | 20.000 |
| Sojasauce | 7.000 |
| Snacks (Brezeln, Popcorn) & Speck | 1.500 |
| Hartkäse | 800 |
| Verarbeitetes Gemüse | 600 |
| Frisches Gemüse | 10 |
| Frisches Obst | 5 |
Wichtige Zusatzbemerkungen
- Jodierung: Salzreduktion und die Jodierung von Speisesalz sind miteinander vereinbar. Ein Monitoring auf Länderebene ist notwendig, um die Jodkonzentration im Salz bei sinkendem Konsum ggf. anzupassen.
- Kalium: Die Richtlinie ergänzt die WHO-Empfehlungen zur Kaliumzufuhr. Ziel ist ein molares Natrium-Kalium-Verhältnis von etwa 1:1.
💡Praxis-Tipp
Achten Sie bei der Empfehlung zur Salzreduktion darauf, dass Patienten weiterhin ausreichend Jod aufnehmen und berücksichtigen Sie Kontraindikationen wie Herzinsuffizienz oder Typ-1-Diabetes.