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WHO2023

Süßstoffe (NSS): WHO-Leitlinie (2023)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO rät davon ab, Nicht-Zucker-Süßstoffe (NSS) zur Gewichtskontrolle oder zur NCD-Prävention zu verwenden (bedingte Empfehlung).
  • Kurzfristige Studien zeigen zwar einen geringen Gewichtsverlust, langfristige Beobachtungsstudien deuten jedoch auf ein erhöhtes Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen hin.
  • Die Empfehlung gilt für alle Personen (inkl. Kinder und Schwangere), mit Ausnahme von Menschen mit bereits bestehendem Diabetes mellitus.
  • Zuckeralkohole (Polyole) und kalorienarme Zucker fallen nicht unter die Definition von NSS und sind von der Empfehlung ausgenommen.
  • Bei Schwangeren ist ein höherer NSS-Konsum mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten assoziiert.
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Hintergrund

Ein hoher Konsum von freiem Zucker ist weltweit mit Übergewicht, Adipositas und ernährungsbedingten nichtübertragbaren Krankheiten (NCDs) assoziiert. Sogenannte Nicht-Zucker-Süßstoffe (Non-Sugar Sweeteners, NSS) werden häufig als kalorienfreie oder kalorienarme Alternative vermarktet, um das Körpergewicht zu kontrollieren oder den Blutzucker zu steuern. Die vorliegende WHO-Leitlinie bewertet die gesundheitlichen Auswirkungen des habituellen Konsums von NSS innerhalb der zulässigen Tagesdosis (ADI).

WHO-Empfehlung

  • Die WHO empfiehlt, Nicht-Zucker-Süßstoffe (NSS) nicht als Mittel zur Gewichtskontrolle oder zur Verringerung des Risikos von nichtübertragbaren Krankheiten einzusetzen. (Bedingte Empfehlung)

Diese Empfehlung basiert auf einer systematischen Übersichtsarbeit, die keine langfristigen Vorteile für die Körperfettreduktion bei Erwachsenen oder Kindern zeigte, dafür aber mögliche unerwünschte Langzeiteffekte.

Geltungsbereich und Definitionen

Die Empfehlung gilt für die Allgemeinbevölkerung (Kinder, Erwachsene, Schwangere und Stillende), schließt jedoch Personen mit bereits bestehendem Diabetes mellitus aus, da die Leitlinie die Krankheitsbewältigung bei Diabetes nicht untersucht hat.

KategorieEingeschlossene Substanzen / ProdukteAusgeschlossene Substanzen / Produkte
SüßungsmittelAcesulfam K, Aspartam, Advantam, Cyclamat, Neotam, Saccharin, Sucralose, Stevia und Stevia-DerivateZuckeralkohole (Polyole), kalorienarme Zucker
ProdukteLebensmittel, Getränke, TafelsüßenMedikamente, Körperpflegeprodukte (z. B. Zahnpasta, Mundwasser)

Evidenzlage nach Patientengruppen

Erwachsene

Die Evidenz zeigt eine Diskrepanz zwischen kurzfristigen randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) und langfristigen Beobachtungsstudien:

StudienartZeitraumBeobachtete EffekteEvidenzgrad
RCTsKurzfristig (meist < 3 Monate)Geringeres Körpergewicht, reduzierter BMI, reduzierte Energieaufnahme (nur bei direktem Ersatz von Zucker)Niedrig
BeobachtungsstudienLangfristig (bis zu 30 Jahre)Erhöhtes Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD), Schlaganfall und GesamtmortalitätSehr niedrig bis niedrig

Kinder und Jugendliche

Die Datenlage für Kinder ist begrenzt. Eine RCT zeigte eine Reduktion der Körperfettmaße beim Ersatz von zuckergesüßten Getränken durch NSS-Getränke. In der Metaanalyse mehrerer Studien ergab sich jedoch kein signifikanter Effekt auf den BMI-z-Score. Zwei Studien zeigten reduzierte Kariesindikatoren bei der Verwendung von Stevia.

Schwangere

Bei Schwangeren deuten Metaanalysen von Beobachtungsstudien darauf hin, dass ein höherer NSS-Konsum mit einem erhöhten Risiko für Frühgeburten (25 % erhöhtes Risiko) assoziiert ist. Die Assoziationen zu Geburtsgewicht oder späterem Körpergewicht des Kindes waren inkonsistent.

Alternativen zu Süßstoffen

NSS sind keine essenziellen Nahrungsbestandteile und haben keinen Nährwert. Die WHO betont, dass der Einsatz von NSS nicht der einzige Weg ist, um die Aufnahme von freiem Zucker zu reduzieren.

  • Bevorzugt sollten Lebensmittel mit natürlich vorkommendem Zucker (z. B. Obst) konsumiert werden.
  • Der Fokus sollte auf ungesüßten Lebensmitteln und Getränken liegen, um die allgemeine Ernährungsqualität zu verbessern.

💡Praxis-Tipp

Raten Sie Patienten, die Gewicht verlieren möchten, von einem langfristigen, unreflektierten Wechsel auf Süßstoffe ab. Empfehlen Sie stattdessen eine schrittweise Gewöhnung an weniger süße Lebensmittel und ungesüßte Getränke (z. B. Wasser oder ungesüßten Tee).

Häufig gestellte Fragen

Laut WHO-Leitlinie sollten Süßstoffe nicht zur langfristigen Gewichtskontrolle eingesetzt werden, da kurzfristige Gewichtsverluste in Studien langfristig nicht bestätigt wurden und in Beobachtungsstudien sogar ein erhöhtes Risiko für Adipositas bestand.
Nein, die Empfehlung gilt explizit nicht für Personen mit bereits bestehendem Diabetes mellitus, da die Studienlage zur Blutzuckerkontrolle bei dieser Patientengruppe nicht Gegenstand der Leitlinie war.
Nein, Zuckeralkohole (Polyole) und kalorienarme Zucker gelten nicht als Nicht-Zucker-Süßstoffe (NSS) im Sinne dieser Leitlinie und sind von der Empfehlung ausgenommen.
Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass ein hoher Konsum von Süßstoffen während der Schwangerschaft mit einem um 25 % erhöhten Risiko für Frühgeburten assoziiert ist.

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