Triple Elimination (HIV, Syphilis, HBV): WHO-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die Triple-Eliminierung zielt auf die Verhinderung der Mutter-Kind-Übertragung (EMTCT) von HIV, Syphilis und Hepatitis B (HBV) ab.
- •Für HIV und Syphilis gilt als Impact-Ziel eine Fallrate von ≤50 pro 100.000 Lebendgeburten.
- •Für HBV wird eine HBsAg-Prävalenz von ≤0,1 % bei Kindern unter 5 Jahren gefordert.
- •Prozessziele umfassen eine mindestens 95%ige Abdeckung bei Schwangerenvorsorge (ANC-1), Tests und adäquater Behandlung (HIV/Syphilis).
- •Eine adäquate Syphilis-Therapie erfordert mindestens 2,4 Mio. IE Benzathin-Penicillin G i.m. spätestens 30 Tage vor der Entbindung.
Hintergrund
Die Eliminierung der Mutter-Kind-Übertragung (Elimination of Mother-to-Child Transmission, EMTCT) von HIV, Syphilis und dem Hepatitis-B-Virus (HBV) ist eine globale Priorität der öffentlichen Gesundheit. Die WHO verfolgt den Ansatz der Triple-Eliminierung, da die Interventionen zur Verhinderung der vertikalen Transmission bei allen drei Infektionen auf einer gemeinsamen Basis der Mutter-Kind-Gesundheitsversorgung (MCH) und Schwangerenvorsorge (ANC) aufbauen.
Impact-Ziele für die Validierung
Um als Land für die erfolgreiche Eliminierung validiert zu werden, müssen spezifische Zielwerte (Impact-Ziele) erreicht und für mindestens ein Jahr gehalten werden:
| Erkrankung | Impact-Ziel | Zusätzliche Kriterien |
|---|---|---|
| HIV | ≤50 Fälle pro 100.000 Lebendgeburten | Übertragungsrate <2 % (ohne Stillen) oder <5 % (mit Stillen) |
| Syphilis | ≤50 Fälle von kongenitaler Syphilis pro 100.000 Lebendgeburten | - |
| Hepatitis B (HBV) | HBsAg-Prävalenz ≤0,1 % bei Kindern ≤5 Jahre | Bei zielgerichteter Geburts-Impfdosis: Übertragungsrate ≤2 % |
Prozess- und Programmziele
Zusätzlich zu den Impact-Zielen müssen Prozessziele für zwei aufeinanderfolgende Jahre nachgewiesen werden. Diese spiegeln die Abdeckung der Gesundheitsversorgung wider:
| Maßnahme | HIV | Syphilis | Hepatitis B (HBV) |
|---|---|---|---|
| Schwangerenvorsorge (ANC-1) | ≥95 % | ≥95 % | ≥95 % |
| Testabdeckung bei Schwangeren | ≥95 % | ≥95 % | ≥90 % (HBsAg) |
| Therapieabdeckung | ≥95 % (ART bei HIV-positiven Schwangeren) | ≥95 % (adäquate Therapie bei Seropositivität) | ≥90 % (Antivirale Therapie bei Indikation) |
| Impfabdeckung (Säuglinge) | - | - | ≥90 % (HepB3) und ≥90 % (HepB-BD rechtzeitig) |
Diagnostik und Therapie in der Schwangerschaft
Syphilis
Eine adäquate mütterliche Behandlung der Syphilis ist definiert als:
- Mindestens eine Injektion von 2,4 Millionen IE Benzathin-Penicillin G intramuskulär.
- Die Gabe muss mindestens 30 Tage vor der Entbindung erfolgen.
Hepatitis B
Die wichtigste Maßnahme zur Verhinderung der vertikalen HBV-Transmission ist die Impfung der Neugeborenen. Gefordert wird:
- HepB-BD (Birth Dose): Eine rechtzeitige Impfdosis innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt.
- HepB3: Abschluss der Grundimmunisierung mit drei Dosen.
Path to Elimination (PTE)
Für Länder mit einer hohen Prävalenz von maternaler HIV-, Syphilis- oder HBV-Infektion ist das Erreichen der absoluten Eliminierungsziele oft kurzfristig nicht realisierbar. Für diese Hochprävalenzländer bietet die WHO den Path to Elimination (PTE) an. Dieser honoriert signifikante und nachhaltige Fortschritte auf dem Weg zur Eliminierung durch ein Zertifizierungssystem in den Stufen Bronze, Silber und Gold.
💡Praxis-Tipp
Behandeln Sie schwangere Patientinnen mit Syphilis so früh wie möglich, spätestens jedoch 30 Tage vor der Entbindung mit 2,4 Mio. IE Benzathin-Penicillin G i.m., um eine kongenitale Syphilis sicher zu verhindern.