TB bei HIV-Patienten: Leitlinie (WHO 2024)
📋Auf einen Blick
- •Menschen mit HIV sollten bei jedem Kontakt mit dem Gesundheitssystem systematisch auf Tuberkulose gescreent werden.
- •Als Screening-Tools werden das WHO-Vier-Symptome-Screening (W4SS), CRP (> 5 mg/L), Röntgen-Thorax und molekulare Schnelltests (mWRD) empfohlen.
- •Der Urin-LF-LAM-Test wird stark für stationäre HIV-Patienten mit TB-Symptomen, fortgeschrittener Erkrankung oder CD4 < 200 empfohlen.
- •Die Dauer der TB-Therapie bei HIV-Koinfektion muss mindestens der Dauer bei HIV-negativen Patienten entsprechen.
- •Die antiretrovirale Therapie (ART) sollte innerhalb von zwei Wochen nach Start der TB-Therapie begonnen werden.
Hintergrund
Tuberkulose (TB) ist weltweit die Haupttodesursache bei Menschen mit HIV (PLHIV) und war 2022 für 27 % aller HIV-bedingten Todesfälle verantwortlich. Die WHO-Leitlinie (2024) betont die Wichtigkeit einer integrierten, patientenzentrierten Versorgung, um die Morbidität und Mortalität durch HIV-assoziierte TB zu senken.
Screening auf Tuberkulose
PLHIV sollten bei jedem Besuch in einer Gesundheitseinrichtung systematisch auf TB gescreent werden (starke Empfehlung). Folgende Methoden werden empfohlen:
| Screening-Methode | Kriterien / Cut-off | Bemerkung |
|---|---|---|
| W4SS (WHO-Vier-Symptome-Screening) | Aktueller Husten, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß | Positiv bei Vorliegen von mindestens einem Symptom |
| CRP (C-reaktives Protein) | > 5 mg/L | Kann bei Erwachsenen und Jugendlichen genutzt werden |
| Röntgen-Thorax (CXR) | Jede Auffälligkeit oder TB-typische Auffälligkeit | CAD-Software (Computer-aided detection) kann menschliche Auswertung ersetzen |
| mWRD (Molekulare Schnelltests) | Nachweis von M. tuberculosis | Starke Empfehlung für stationäre Patienten in Abteilungen mit TB-Prävalenz > 10 % |
Diagnostik
Alle Personen mit Verdacht auf TB sollten Zugang zu molekularen WHO-empfohlenen Schnelltests (mWRD) als initiale Diagnostik haben. Bei PLHIV gibt es spezifische Empfehlungen für den Einsatz des LF-LAM-Tests (Urin-Test):
| Setting | Indikation für LF-LAM | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Stationär | TB-Symptome, fortgeschrittene HIV-Erkrankung oder CD4 < 200 Zellen/mm³ | Starke Empfehlung |
| Ambulant | TB-Symptome, schwere Erkrankung oder CD4 < 100 Zellen/mm³ | Bedingte Empfehlung |
| Ambulant | Keine Symptome UND CD4 ≥ 200 Zellen/mm³ | Gegen den Einsatz empfohlen |
Zusätzlich kann bei HIV-positiven Erwachsenen und Kindern mit Zeichen einer disseminierten TB ein mWRD (Xpert MTB/RIF) im Blut als initialer Test erwogen werden.
Therapie der HIV-assoziierten TB
Die frühzeitige Einleitung der TB-Therapie und der antiretroviralen Therapie (ART) ist entscheidend:
- Therapiedauer: PLHIV sollten mindestens die gleiche Dauer einer täglichen TB-Therapie erhalten wie HIV-negative Patienten (starke Empfehlung).
- ART-Start: Die ART sollte so früh wie möglich, innerhalb von zwei Wochen nach Beginn der TB-Therapie, gestartet werden (Ausnahme: Vorliegen einer Meningitis).
- Koinfektion mit Histoplasmose: Die TB-Therapie sollte nach WHO-Standard erfolgen, wobei auf Wechselwirkungen (z. B. Rifampicin und Itraconazol) geachtet werden muss.
- Integrierte Versorgung: In Settings mit hoher TB/HIV-Last sollte die TB-Therapie in HIV-Einrichtungen angeboten werden, wenn dort die Diagnose gestellt wurde.
Prävention
Erwachsene und Jugendliche mit HIV, bei denen eine aktive TB unwahrscheinlich ist, sollten eine präventive TB-Therapie (TPT) als Teil der umfassenden HIV-Versorgung erhalten. Dies gilt unabhängig vom Grad der Immunsuppression, auch für Schwangere und Personen unter ART (starke Empfehlung).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei stationären HIV-Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung oder CD4 < 200 Zellen/mm³ stets den Urin-LF-LAM-Test zur TB-Diagnostik, unabhängig vom Vorliegen typischer Symptome.