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WHO2025

HIV-assoziierte Tuberkulose: WHO-Leitlinie 2025

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Menschen mit HIV haben ein 14-fach erhöhtes Risiko für Tuberkulose und sollten bei jedem Arztbesuch gescreent werden.
  • Das Screening bei Erwachsenen erfolgt primär über den WHO-Vier-Symptome-Test (W4SS), ergänzend können CRP (> 5 mg/L) oder Röntgen-Thorax eingesetzt werden.
  • Bei stationären Patienten in Gebieten mit > 10 % TB-Prävalenz wird ein systematisches Screening mittels molekularer Schnelltests (mWRD) stark empfohlen.
  • Der LF-LAM-Urintest wird bei stationären HIV-Patienten mit TB-Symptomen, fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder CD4 < 200 Zellen/mm³ stark empfohlen.
  • Die TB-Therapiedauer bei HIV-Koinfektion entspricht mindestens der von HIV-negativen Patienten.
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Hintergrund

Tuberkulose (TB) bleibt weltweit die Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei Menschen mit HIV. Betroffene haben ein etwa 14-fach höheres Risiko, an TB zu erkranken. Im Jahr 2022 war TB für 27 % aller HIV-bedingten Todesfälle verantwortlich. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung ist daher essenziell.

Screening auf Tuberkulose bei HIV

Menschen mit HIV sollten bei jedem Besuch in einer Gesundheitseinrichtung systematisch auf TB gescreent werden (starke Empfehlung).

Screening-MethodeZielgruppe / IndikationEmpfehlungsgrad
W4SS (Vier-Symptome-Test)Erwachsene & Jugendliche mit HIVStark
CRP (> 5 mg/L)Erwachsene & Jugendliche mit HIVBedingt
Röntgen-Thorax (CXR)Erwachsene & Jugendliche mit HIVBedingt
CAD (Computer-Assistenz)Personen ≥ 15 Jahre zur CXR-AuswertungBedingt
mWRD (Molekulare Schnelltests)Erwachsene & Jugendliche mit HIVBedingt
mWRD (Systematisch)Stationäre Patienten (TB-Prävalenz > 10 %)Stark
  • W4SS (WHO-recommended four symptom screen): Ein positives Screening liegt vor, wenn mindestens eines der folgenden Symptome berichtet wird: aktueller Husten, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß.
  • CRP: Ein Cut-off von > 5 mg/L bietet eine ähnliche Sensitivität wie der W4SS, jedoch oft eine höhere Spezifität, insbesondere bei ambulanten Patienten ohne antiretrovirale Therapie (ART).
  • mWRD bei stationären Patienten: Bei einer lokalen TB-Prävalenz von > 10 % auf medizinischen Stationen sollten HIV-positive Patienten systematisch mit einem molekularen Schnelltest (z. B. Xpert MTB/RIF) getestet werden.

Diagnostik der HIV-assoziierten Tuberkulose

Alle Personen mit Verdacht auf TB sollten Zugang zu molekularen WHO-empfohlenen Schnelltests (mWRD) als initiale Diagnostik haben.

Molekulare Schnelltests (mWRD) im Blut

Bei HIV-positiven Erwachsenen und Kindern mit Zeichen einer disseminierten Tuberkulose kann Xpert MTB/RIF im Blut als initialer diagnostischer Test verwendet werden (bedingte Empfehlung).

LF-LAM-Urintest

Der Lateral-Flow-Urin-Lipoarabinomannan-Assay (LF-LAM) ist ein Point-of-Care-Test, der spezifisch bei Menschen mit HIV zur Unterstützung der TB-Diagnose eingesetzt wird.

SettingPatientenprofilEmpfehlung
StationärMit TB-SymptomenStark dafür
StationärFortgeschrittene HIV-Erkrankung / schwer krankStark dafür
StationärCD4 < 200 Zellen/mm³ (unabhängig von Symptomen)Stark dafür
AmbulantMit TB-Symptomen oder schwer krankBedingt dafür
AmbulantCD4 < 100 Zellen/mm³ (unabhängig von Symptomen)Bedingt dafür
AmbulantOhne Symptome & CD4 ≥ 200 (oder unbekannt)Stark dagegen
AmbulantOhne Symptome & CD4 100–200Bedingt dagegen

Hinweis: LF-LAM sollte immer als Ergänzung zur klinischen Beurteilung und in Kombination mit anderen Tests verwendet werden, nicht als alleiniger Ersatz- oder Triage-Test.

Therapie der HIV-assoziierten Tuberkulose

Die frühzeitige Einleitung der TB-Therapie ist entscheidend für das Überleben.

  • Therapiedauer: HIV-positive TB-Patienten sollten mindestens die gleiche Dauer an täglicher TB-Therapie erhalten wie HIV-negative Patienten (starke Empfehlung).
  • Histoplasmose-Koinfektion: Bei Vorliegen einer Koinfektion sollte die TB-Therapie strikt nach den WHO-Richtlinien erfolgen (bedingte Empfehlung). Hierbei sind mögliche Wechselwirkungen (z. B. Rifampicin und Itraconazol) zu beachten.
  • Integrierte Versorgung: In Regionen mit hoher HIV- und TB-Last kann die TB-Therapie direkt in HIV-Versorgungseinrichtungen durchgeführt werden, in denen die Diagnose gestellt wurde (starke Empfehlung).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei stationären HIV-Patienten mit fortgeschrittener Immunschwäche (CD4 < 200) oder schweren Symptomen großzügig den LF-LAM-Urintest zur raschen TB-Diagnostik, unabhängig vom Vorliegen spezifischer TB-Symptome.

Häufig gestellte Fragen

Ein positives Screening liegt vor bei aktuellem Husten, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß.
Stationär bei TB-Symptomen, schwerer Erkrankung oder CD4 < 200. Ambulant bei Symptomen oder CD4 < 100.
Mindestens genauso lange wie bei HIV-negativen Patienten mit täglicher Medikamenteneinnahme.
Ein CRP-Wert von > 5 mg/L kann als Screening-Tool verwendet werden, da er eine ähnliche Sensitivität wie der W4SS bei oft höherer Spezifität aufweist.

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