HIV-assoziierte Tuberkulose: WHO-Leitlinie 2025
📋Auf einen Blick
- •Menschen mit HIV haben ein 14-fach erhöhtes Risiko für Tuberkulose und sollten bei jedem Arztbesuch gescreent werden.
- •Das Screening bei Erwachsenen erfolgt primär über den WHO-Vier-Symptome-Test (W4SS), ergänzend können CRP (> 5 mg/L) oder Röntgen-Thorax eingesetzt werden.
- •Bei stationären Patienten in Gebieten mit > 10 % TB-Prävalenz wird ein systematisches Screening mittels molekularer Schnelltests (mWRD) stark empfohlen.
- •Der LF-LAM-Urintest wird bei stationären HIV-Patienten mit TB-Symptomen, fortgeschrittener HIV-Erkrankung oder CD4 < 200 Zellen/mm³ stark empfohlen.
- •Die TB-Therapiedauer bei HIV-Koinfektion entspricht mindestens der von HIV-negativen Patienten.
Hintergrund
Tuberkulose (TB) bleibt weltweit die Hauptursache für Morbidität und Mortalität bei Menschen mit HIV. Betroffene haben ein etwa 14-fach höheres Risiko, an TB zu erkranken. Im Jahr 2022 war TB für 27 % aller HIV-bedingten Todesfälle verantwortlich. Die frühzeitige Erkennung und Behandlung ist daher essenziell.
Screening auf Tuberkulose bei HIV
Menschen mit HIV sollten bei jedem Besuch in einer Gesundheitseinrichtung systematisch auf TB gescreent werden (starke Empfehlung).
| Screening-Methode | Zielgruppe / Indikation | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| W4SS (Vier-Symptome-Test) | Erwachsene & Jugendliche mit HIV | Stark |
| CRP (> 5 mg/L) | Erwachsene & Jugendliche mit HIV | Bedingt |
| Röntgen-Thorax (CXR) | Erwachsene & Jugendliche mit HIV | Bedingt |
| CAD (Computer-Assistenz) | Personen ≥ 15 Jahre zur CXR-Auswertung | Bedingt |
| mWRD (Molekulare Schnelltests) | Erwachsene & Jugendliche mit HIV | Bedingt |
| mWRD (Systematisch) | Stationäre Patienten (TB-Prävalenz > 10 %) | Stark |
- W4SS (WHO-recommended four symptom screen): Ein positives Screening liegt vor, wenn mindestens eines der folgenden Symptome berichtet wird: aktueller Husten, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß.
- CRP: Ein Cut-off von > 5 mg/L bietet eine ähnliche Sensitivität wie der W4SS, jedoch oft eine höhere Spezifität, insbesondere bei ambulanten Patienten ohne antiretrovirale Therapie (ART).
- mWRD bei stationären Patienten: Bei einer lokalen TB-Prävalenz von > 10 % auf medizinischen Stationen sollten HIV-positive Patienten systematisch mit einem molekularen Schnelltest (z. B. Xpert MTB/RIF) getestet werden.
Diagnostik der HIV-assoziierten Tuberkulose
Alle Personen mit Verdacht auf TB sollten Zugang zu molekularen WHO-empfohlenen Schnelltests (mWRD) als initiale Diagnostik haben.
Molekulare Schnelltests (mWRD) im Blut
Bei HIV-positiven Erwachsenen und Kindern mit Zeichen einer disseminierten Tuberkulose kann Xpert MTB/RIF im Blut als initialer diagnostischer Test verwendet werden (bedingte Empfehlung).
LF-LAM-Urintest
Der Lateral-Flow-Urin-Lipoarabinomannan-Assay (LF-LAM) ist ein Point-of-Care-Test, der spezifisch bei Menschen mit HIV zur Unterstützung der TB-Diagnose eingesetzt wird.
| Setting | Patientenprofil | Empfehlung |
|---|---|---|
| Stationär | Mit TB-Symptomen | Stark dafür |
| Stationär | Fortgeschrittene HIV-Erkrankung / schwer krank | Stark dafür |
| Stationär | CD4 < 200 Zellen/mm³ (unabhängig von Symptomen) | Stark dafür |
| Ambulant | Mit TB-Symptomen oder schwer krank | Bedingt dafür |
| Ambulant | CD4 < 100 Zellen/mm³ (unabhängig von Symptomen) | Bedingt dafür |
| Ambulant | Ohne Symptome & CD4 ≥ 200 (oder unbekannt) | Stark dagegen |
| Ambulant | Ohne Symptome & CD4 100–200 | Bedingt dagegen |
Hinweis: LF-LAM sollte immer als Ergänzung zur klinischen Beurteilung und in Kombination mit anderen Tests verwendet werden, nicht als alleiniger Ersatz- oder Triage-Test.
Therapie der HIV-assoziierten Tuberkulose
Die frühzeitige Einleitung der TB-Therapie ist entscheidend für das Überleben.
- Therapiedauer: HIV-positive TB-Patienten sollten mindestens die gleiche Dauer an täglicher TB-Therapie erhalten wie HIV-negative Patienten (starke Empfehlung).
- Histoplasmose-Koinfektion: Bei Vorliegen einer Koinfektion sollte die TB-Therapie strikt nach den WHO-Richtlinien erfolgen (bedingte Empfehlung). Hierbei sind mögliche Wechselwirkungen (z. B. Rifampicin und Itraconazol) zu beachten.
- Integrierte Versorgung: In Regionen mit hoher HIV- und TB-Last kann die TB-Therapie direkt in HIV-Versorgungseinrichtungen durchgeführt werden, in denen die Diagnose gestellt wurde (starke Empfehlung).
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei stationären HIV-Patienten mit fortgeschrittener Immunschwäche (CD4 < 200) oder schweren Symptomen großzügig den LF-LAM-Urintest zur raschen TB-Diagnostik, unabhängig vom Vorliegen spezifischer TB-Symptome.