ClariMedClariMed
WHO2021

Tuberkulose-Screening: Aktuelle WHO-Leitlinie (2021)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein systematisches Screening in der Allgemeinbevölkerung wird ab einer geschätzten TB-Prävalenz von 0,5 % empfohlen.
  • Menschen mit HIV, enge Kontaktpersonen, Gefängnisinsassen und Bergleute (Siliziumdioxid-Exposition) sollen systematisch gescreent werden.
  • Für Erwachsene (ab 15 Jahren) können Symptom-Screening, Thoraxröntgen (CXR) und molekulare Schnelltests (mWRD) eingesetzt werden.
  • Computergestützte Detektionssoftware (CAD) kann als Alternative zur menschlichen Befundung von digitalen Thoraxröntgenbildern genutzt werden.
  • Bei Menschen mit HIV kann das C-reaktive Protein (CRP > 5 mg/l) zusätzlich zum klinischen Symptom-Screening verwendet werden.
Frage zu dieser Leitlinie stellen...

Hintergrund

Das systematische Screening auf Tuberkulose (TB) ist eine zentrale Strategie der WHO, um die Früherkennung zu verbessern und die Transmission zu reduzieren. Ziel ist es, Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine aktive TB-Erkrankung effizient zu identifizieren, um eine schnelle Diagnostik und Therapie einzuleiten.

Zielgruppen für das systematische Screening

Die Leitlinie definiert spezifische Risikogruppen, bei denen ein systematisches Screening empfohlen wird.

ZielgruppeEmpfehlungsgradBemerkung
Menschen mit HIVStarke EmpfehlungBei jedem Kontakt mit dem Gesundheitssystem
Haushalts- und enge KontaktpersonenStarke EmpfehlungBesonders wichtig bei Kindern < 5 Jahren
GefängnisinsassenStarke EmpfehlungBei Aufnahme, jährlich und bei Entlassung
Bergleute (Siliziumdioxid-Exposition)Starke EmpfehlungAktuelle und ehemalige Arbeiter
AllgemeinbevölkerungBedingte EmpfehlungIn Gebieten mit TB-Prävalenz ≥ 0,5 %
Strukturelle Risikogruppen (z. B. Obdachlose, Migranten)Bedingte EmpfehlungBei eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung
Personen mit unbehandelten fibrotischen Läsionen im RöntgenBedingte EmpfehlungErhöhtes Risiko für aktive TB

Klinische Risikofaktoren

In Gebieten mit einer TB-Prävalenz von ≥ 100/100.000 kann ein Screening bei Patienten mit folgenden klinischen Risikofaktoren erwogen werden:

RisikofaktorRisiko / Auswirkung
Diabetes mellitusErhöhtes Risiko (1,5- bis 3,1-fach), schlechtere Therapieergebnisse
Frühere TB-ErkrankungErhöhtes Risiko für Rezidive und Medikamentenresistenz
Rauchen / Tabakkonsum1,5- bis 3,3-fach erhöhtes Risiko, erhöhtes Mortalitätsrisiko
Unterernährung (niedriger BMI)Signifikante Assoziation mit erhöhtem TB-Risiko
Immunsuppression (z. B. Dialyse, Organtransplantation)Stark erhöhtes Risiko (bis zu 100-fach bei Dialyse)

Screening-Tools für Erwachsene (ab 15 Jahren)

Für das Screening können verschiedene Methoden einzeln oder in Kombination eingesetzt werden.

Screening-TestSensitivitätSpezifität
Thoraxröntgen (CXR) - jegliche Anomalie0,940,89
Thoraxröntgen (CXR) - TB-typische Anomalie0,850,96
Molekulare Schnelltests (mWRD)0,690,99
Jegliches TB-Symptom0,710,64
Länger anhaltender Husten (≥ 2 Wochen)0,420,94
  • Computergestützte Detektion (CAD): Bei Personen ab 15 Jahren kann eine CAD-Software anstelle von menschlichen Befundern zur Auswertung digitaler Thoraxröntgenbilder eingesetzt werden (bedingte Empfehlung).

Besonderheiten bei Menschen mit HIV

Menschen mit HIV haben ein ca. 19-fach erhöhtes Risiko, an TB zu erkranken.

  • Symptom-Screening (W4SS): Standardmäßiges Screening auf aktuellen Husten, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß (starke Empfehlung).
  • C-reaktives Protein (CRP): Ein CRP-Wert > 5 mg/l kann als zusätzliches Screening-Tool genutzt werden (bedingte Empfehlung).
  • Thoraxröntgen und mWRD: Können ebenfalls zum Screening eingesetzt werden.
  • Stationäre Patienten: Bei stationären HIV-Patienten in medizinischen Abteilungen mit einer TB-Prävalenz > 10 % sollte systematisch ein mWRD durchgeführt werden (starke Empfehlung).

Screening bei Kindern und Jugendlichen

  • Kontaktpersonen < 15 Jahre: Screening mittels Symptomabfrage (Husten, Fieber, schlechte Gewichtszunahme) und/oder Thoraxröntgen (starke Empfehlung).
  • Kinder mit HIV < 10 Jahre: Screening auf aktuellen Husten, Fieber, schlechte Gewichtszunahme oder engen Kontakt zu einem TB-Patienten (starke Empfehlung).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie bei Menschen mit HIV das C-reaktive Protein (Cut-off > 5 mg/l) als zusätzliches Screening-Tool, da das alleinige Symptom-Screening oft eine zu geringe Genauigkeit aufweist.

Häufig gestellte Fragen

Ein systematisches Screening der Allgemeinbevölkerung kann ab einer geschätzten TB-Prävalenz von 0,5 % erwogen werden.
Das Screening umfasst die Frage nach aktuellem Husten, Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß.
Ja, bei Personen ab 15 Jahren kann computergestützte Detektionssoftware (CAD) anstelle von menschlichen Befundern für das Screening und die Triage eingesetzt werden.
Es wird ein Symptom-Screening (Husten, Fieber, schlechte Gewichtszunahme) und/oder ein Thoraxröntgen empfohlen.

Verwandte Leitlinien