WHO-Leitlinie: Schutz von Kindern vor Lebensmittelmarketing
📋Auf einen Blick
- •Lebensmittelmarketing foerdert ueberwiegend ungesunde HFSS-Produkte und beeinflusst die Lebensmittelauswahl sowie die Nahrungsaufnahme von Kindern negativ.
- •Die WHO empfiehlt verpflichtende (mandatory) Richtlinien zur Einschraenkung des Lebensmittelmarketings.
- •Kinder aller Altersgruppen (bis 18 Jahre) sollen vor dem Marketing fuer HFSS-Lebensmittel geschuetzt werden.
- •Zur Klassifizierung der einzuschraenkenden Lebensmittel soll ein staatlich gefuehrtes Naehrwertprofilmodell verwendet werden.
Hintergrund
Ungesunde Ernaehrung ist ein weltweit fuehrendes Gesundheitsrisiko und traegt zu Fehlernaehrung, Uebergewicht, Adipositas und ernaehrungsbedingten nicht uebertragbaren Krankheiten (NCDs) bei. Das Lebensmittelmarketing ist ein wesentlicher Einflussfaktor auf die Ernaehrungsgewohnheiten.
Studien zeigen, dass das Marketing ueberwiegend Lebensmittel mit hohem Gehalt an gesaettigten Fettsaeuren, Transfettsaeuren, freiem Zucker und/oder Salz (HFSS-Lebensmittel) bewirbt. Dies betrifft verschiedene Medien wie Fernsehen, digitale Plattformen, Zeitschriften sowie das Umfeld von Schulen und Sportvereinen. Zudem wird Lebensmittelmarketing zunehmend als Frage der Kinderrechte (gemaess der UN-Kinderrechtskonvention) betrachtet, da es das Recht auf Gesundheit und angemessene Nahrung beeintraechtigt.
Auswirkungen von Lebensmittelmarketing auf Kinder
Die Evidenz zeigt, dass die Exposition gegenueber Lebensmittelmarketing das Verhalten und die Praeferenzen von Kindern signifikant beeinflusst:
| Endpunkt | Auswirkung durch Marketing | Evidenzgrad (GRADE) |
|---|---|---|
| Lebensmittelauswahl | Erhoeht die Wahrscheinlichkeit der Wahl beworbener Produkte | Moderat (RCTs) |
| Nahrungsaufnahme | Fuehrt zu einer leichten Erhoehung der Nahrungsaufnahme | Moderat (RCTs) |
| Produktwuensche | Fuehrt zu haeufigeren Produktwuenschen an Erwachsene | Moderat (RCTs) |
| Lebensmittelpraeferenzen | Beeinflusst die Praeferenzen zugunsten der beworbenen Produkte | Sehr niedrig |
WHO-Empfehlungen zum Schutz von Kindern
Die WHO formuliert ein Good-Practice-Statement, wonach Kinder aller Altersgruppen vor dem Marketing fuer HFSS-Lebensmittel geschuetzt werden sollten.
Darueber hinaus gibt die WHO eine konditionale Empfehlung zur Implementierung von Richtlinien zur Einschraenkung des Lebensmittelmarketings. Um die hoechste Wirksamkeit zu erzielen, sollten diese Richtlinien folgende Kriterien erfuellen:
- Verpflichtender Charakter: Die Richtlinien muessen verpflichtend (mandatory) sein, da freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haeufig zu unerwuenschten Effekten fuehren.
- Schutz aller Altersgruppen: Die Massnahmen muessen Kinder aller Altersgruppen (definiert als alle Personen unter 18 Jahren) schuetzen.
- Staatliche Naehrwertprofile: Zur Klassifizierung der Lebensmittel, deren Vermarktung eingeschraenkt werden soll, muss ein staatlich gefuehrtes Naehrwertprofilmodell verwendet werden.
- Umfassender Geltungsbereich: Die Richtlinien muessen umfassend genug sein, um das Risiko einer Verlagerung (Migration) des Marketings auf andere Medien, andere Bereiche innerhalb desselben Mediums oder auf andere Altersgruppen zu minimieren.
- Einschraenkung der Ueberzeugungskraft: Die Richtlinien muessen die Ueberzeugungskraft (Power) des Lebensmittelmarketings einschraenken (z. B. Verbot von Werbefiguren, emotionalen Appellen oder Prominenten-Endorsements).
Wichtige Konzepte des Lebensmittelmarketings
Die Wirkung von Marketing setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen, die beide durch politische Massnahmen reguliert werden muessen:
| Konzept | Definition | Relevanz fuer Richtlinien |
|---|---|---|
| Exposition (Exposure) | Reichweite und Haeufigkeit einer Marketingbotschaft. | Richtlinien sollten die Exposition unabhaengig von Zeit, Ort oder Zielpublikum adressieren. |
| Ueberzeugungskraft (Power) | Ausmass, in dem eine Marketingbotschaft ihre Ziele erreicht. | Richtlinien muessen kindgerechte Techniken (z. B. Cartoons, interaktive Inhalte) regulieren. |
💡Praxis-Tipp
Setzen Sie sich in der gesundheitspolitischen Arbeit stets fuer verpflichtende, staatlich regulierte Naehrwertprofile ein, da freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie laut WHO-Evidenz nicht den gewuenschten Schutz fuer Kinder bieten.