WHO-Leitlinie 2025: IUD-Einlage und Kontrazeption
📋Auf einen Blick
- •Ein sicherer Schwangerschaftsausschluss ist durch 6 klinische Kriterien auch ohne Test möglich.
- •Kupfer- und LNG-IUDs können bei unauffälligem Zyklus jederzeit eingelegt werden, sofern eine Schwangerschaft ausgeschlossen ist.
- •Vor einer IUD-Einlage sind lediglich eine gynäkologische Untersuchung und eine STI-Risikobewertung zwingend erforderlich (Klasse A).
- •Zur Schmerzlinderung bei der IUD-Einlage können NSAR, topische Anästhetika oder ein Parazervikalblock angeboten werden.
- •Misoprostol und prophylaktische Antibiotika werden nicht für den routinemäßigen Einsatz bei der IUD-Einlage empfohlen.
Hintergrund
Die 4. Ausgabe der "Selected practice recommendations for contraceptive use" (SPR) der WHO (2025) liefert evidenzbasierte Praxisempfehlungen zur sicheren und effektiven Anwendung von Kontrazeptiva. Der vorliegende Text fokussiert sich auf den klinischen Schwangerschaftsausschluss sowie die Einlage und das Management von Intrauterinpessaren (IUDs).
Klinischer Schwangerschaftsausschluss
Eine Schwangerschaft kann mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, wenn die Patientin keine Schwangerschaftssymptome aufweist und mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt:
- Kein Geschlechtsverkehr seit der letzten normalen Menstruation.
- Korrekte und konsistente Anwendung einer zuverlässigen Verhütungsmethode.
- Innerhalb der ersten 7 Tage nach Beginn der normalen Menstruation.
- Innerhalb von 4 Wochen postpartum (bei nicht-stillenden Frauen).
- Innerhalb der ersten 7 Tage nach einem Abort oder einer Fehlgeburt.
- Vollständiges oder nahezu vollständiges Stillen, Amenorrhö und weniger als 6 Monate postpartum.
Untersuchungen vor IUD-Einlage
Vor der Einlage eines Kupfer-IUDs (Cu-IUD) oder Levonorgestrel-IUDs (LNG-IUD) gelten folgende Empfehlungen für Untersuchungen:
| Untersuchung / Test | Klassifikation | Bemerkung |
|---|---|---|
| Gynäkologische Untersuchung | Klasse A | Zwingend erforderlich |
| STI-Risikobewertung (Anamnese & Klinik) | Klasse A | Zwingend erforderlich |
| Hämoglobin-Test | Klasse B | Trägt wesentlich zur Sicherheit bei |
| STI/HIV-Screening (Labor) | Klasse B | Trägt wesentlich zur Sicherheit bei |
| Brustuntersuchung | Klasse C | Nicht wesentlich für IUD-Sicherheit |
| Zervixkarzinom-Screening | Klasse C | Nicht wesentlich für IUD-Sicherheit |
| Blutdruckmessung | Klasse C | Nicht wesentlich für IUD-Sicherheit |
(Klasse A = zwingend erforderlich; Klasse B = trägt wesentlich bei, abhängig von Ressourcen; Klasse C = nicht wesentlich für die sichere Anwendung)
Zeitpunkt der IUD-Einlage
| Situation | Kupfer-IUD (Cu-IUD) | Levonorgestrel-IUD (LNG-IUD) |
|---|---|---|
| Regulärer Zyklus | Jederzeit (bei Schwangerschaftsausschluss). Keine zusätzliche Verhütung nötig. | Tag 1-7: Jederzeit. >Tag 7: 7 Tage zusätzliche Verhütung/Abstinenz nötig. |
| Amenorrhö | Jederzeit (bei Schwangerschaftsausschluss). | Jederzeit (bei Schwangerschaftsausschluss). 7 Tage zusätzliche Verhütung nötig. |
| Postpartum (<48h) | Einlage möglich (auch direkt nach Plazentageburt). | Einlage im Allgemeinen möglich (MEC Kategorie 2). |
| Postpartum (48h bis <4 Wochen) | Nicht empfohlen (MEC Kategorie 3). | Nicht empfohlen (MEC Kategorie 3). |
| Post-Abort | Sofortige Einlage im 1. und 2. Trimenon möglich. Kontraindiziert bei septischem Abort. | Sofortige Einlage im 1. und 2. Trimenon möglich. Kontraindiziert bei septischem Abort. |
| Notfallkontrazeption | Einlage bis zu 5 Tage nach ungeschütztem GV oder 5 Tage nach Ovulation. | Nicht als Notfallkontrazeption empfohlen (fehlende Evidenz). |
Schmerzmanagement und Medikation bei IUD-Einlage
Die WHO hat neue Empfehlungen zur medikamentösen Erleichterung der Intervall-IUD-Einlage formuliert:
- NSAR (z. B. Ibuprofen, Naproxen): Können routinemäßig vor der Einlage angeboten werden (Bedingte Empfehlung).
- Topische Anästhetika (z. B. Lidocain-Gel/Spray): Können routinemäßig angeboten werden, sofern verfügbar (Bedingte Empfehlung).
- Parazervikalblock (z. B. Lidocain): Kann bei Vorhandensein von geschultem Personal routinemäßig angeboten werden (Bedingte Empfehlung).
- Misoprostol: Wird nicht für den routinemäßigen Einsatz empfohlen. Kann in ausgewählten Fällen (z. B. nach kürzlich fehlgeschlagener Einlage) nützlich sein (Bedingte Empfehlung).
- Prophylaktische Antibiotika: Im Allgemeinen nicht empfohlen, außer in Gebieten mit hoher Gonokokken-/Chlamydien-Prävalenz und fehlendem Screening.
Hinweis: Nicht-pharmakologische Interventionen haben derzeit keine ausreichende Evidenz für eine Empfehlung.
Management von Blutungsstörungen
Blutungsstörungen sind in den ersten 3-6 Monaten der IUD-Nutzung häufig.
Kupfer-IUD (Cu-IUD)
- Schmier-/Leichtblutungen: Nicht schädlich. Auf Wunsch kann eine kurze Gabe von NSAR während der Blutungstage erfolgen.
- Verstärkte/verlängerte Blutungen: Behandlung mit NSAR oder Tranexamsäure während der Blutungstage möglich. Aspirin sollte nicht verwendet werden. Bei Anämiezeichen Eisensubstitution erwägen. Bei Inakzeptanz IUD entfernen.
Levonorgestrel-IUD (LNG-IUD)
- Amenorrhö: Erfordert keine medizinische Behandlung, Aufklärung ist ausreichend. Bei Inakzeptanz durch die Patientin sollte das IUD entfernt und eine alternative Methode gewählt werden.
💡Praxis-Tipp
Bieten Sie Patientinnen vor der IUD-Einlage routinemäßig NSAR oder topische Anästhetika zur Schmerzlinderung an. Verzichten Sie auf die routinemäßige Gabe von Misoprostol.