Osteoporose-Screening: Leitlinie (USPSTF)
📋Auf einen Blick
- •Frauen ab 65 Jahren sollen routinemäßig auf Osteoporose gescreent werden.
- •Bei postmenopausalen Frauen unter 65 Jahren wird ein Screening bei erhöhtem Risiko empfohlen (2-Stufen-Ansatz).
- •Für Männer gibt es aktuell keine ausreichende Evidenz für oder gegen ein routinemäßiges Screening.
- •Die zentrale DXA-Messung (Dual-Energy X-ray Absorptiometry) ist die Standardmethode.
- •Klinische Risikobewertungstools (z. B. FRAX, OST, ORAI) helfen bei der Indikationsstellung.
Hintergrund
Osteoporose ist eine Skeletterkrankung, die durch eine verringerte Knochenmasse und ein erhöhtes Frakturrisiko gekennzeichnet ist. Osteoporotische Frakturen, insbesondere der Hüfte, sind mit erheblicher Morbidität, Verlust der Unabhängigkeit und erhöhter Mortalität verbunden. Die USPSTF-Leitlinie richtet sich an Erwachsene ab 40 Jahren ohne bekannte Osteoporose oder stattgehabte Fragilitätsfrakturen. Sie gilt nicht für Personen mit sekundärer Osteoporose aufgrund von Grunderkrankungen oder Medikamenten (z. B. Glukokortikoide).
Screening-Empfehlungen
Die USPSTF gibt folgende Kernaussagen zum Screening auf Osteoporose zur Prävention von Frakturen:
- Frauen ab 65 Jahren: Das Screening wird empfohlen. Es besteht eine moderate Sicherheit, dass der Nettonutzen moderat ist.
- Postmenopausale Frauen unter 65 Jahren: Das Screening wird bei erhöhtem Risiko empfohlen. Auch hier besteht eine moderate Sicherheit für einen moderaten Nettonutzen.
- Männer: Die aktuelle Evidenz ist unzureichend, um das Verhältnis von Nutzen und Schaden eines Screenings bei Männern zu beurteilen (I-Statement).
Risikobewertung und 2-Stufen-Ansatz
Für postmenopausale Frauen unter 65 Jahren empfiehlt die USPSTF einen 2-Stufen-Ansatz zur Entscheidung über ein Screening:
- Identifikation von Risikofaktoren: Dazu gehören Menopausenstatus, niedriges Körpergewicht, elterliche Hüftfraktur in der Anamnese, Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum.
- Nutzung eines klinischen Risikobewertungs-Tools: Bei Vorliegen von mindestens einem Risikofaktor sollte ein formales Tool verwendet werden, um das Risiko abzuschätzen und die Indikation zur weiteren Diagnostik zu stellen.
Screening-Methoden und Intervalle
Die am häufigsten verwendete und am besten untersuchte Methode ist die zentrale DXA-Messung (Dual-Energy X-ray Absorptiometry) an Hüfte oder Lendenwirbelsäule. Ein T-Score von <= -2,5 definiert eine Osteoporose.
Bezüglich der Screening-Intervalle zeigt die Evidenz, dass eine Wiederholung der Knochendichtemessung nach 4 bis 8 Jahren die Vorhersagegenauigkeit für Frakturen nicht signifikant verbessert. Die Zeit bis zur Entwicklung einer Osteoporose hängt stark vom Ausgangs-T-Score ab (z. B. ca. 17 Jahre bei normaler Knochendichte vs. ca. 5 Jahre bei einem T-Score zwischen -1,50 und -1,99).
Risikobewertungs-Tools
Verschiedene Instrumente können zur Abschätzung des Osteoporose- oder Frakturrisikos herangezogen werden:
| Tool | Zielsetzung | Berücksichtigte Faktoren |
|---|---|---|
| OST (Osteoporosis Self-Assessment Tool) | Identifikation von Osteoporose-Risiko | Alter, Gewicht |
| ORAI (Osteoporosis Risk Assessment Instrument) | Identifikation von Osteoporose-Risiko | Alter, Gewicht, aktuelle Östrogeneinnahme |
| FRAX (Fracture Risk Assessment Tool) | Vorhersage des 10-Jahres-Frakturrisikos | Alter, Geschlecht, Gewicht, Größe, Frakturanamnese, elterliche Hüftfraktur, Rauchen, Glukokortikoide, rheumatoide Arthritis, sekundäre Osteoporose, Alkohol |
Hinweis: FRAX kann mit oder ohne Eingabe der Knochenmineraldichte (BMD) verwendet werden. Die Vorhersagegenauigkeit steigt meist, wenn die BMD inkludiert wird.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei postmenopausalen Frauen unter 65 Jahren den 2-Stufen-Ansatz: Prüfen Sie zuerst klinische Risikofaktoren (wie Rauchen oder elterliche Hüftfrakturen) und wenden Sie erst dann ein Tool wie FRAX oder OST an, bevor Sie eine DXA-Messung anordnen.