Osteoporose-Leitlinie: Frakturprävention (SIGN)
📋Auf einen Blick
- •Personen über 50 Jahre mit einer Fragilitätsfraktur sollten eine DXA-Messung erhalten.
- •Vor der DXA-Messung sollte eine Frakturrisikobewertung (bevorzugt QFracture) durchgeführt werden.
- •Ein formales Fracture Liaison Service wird für Patienten über 50 mit Fragilitätsfraktur empfohlen.
- •Zahlreiche Medikamente (z.B. SSRI, Aromatasehemmer) und Begleiterkrankungen erhöhen das Frakturrisiko signifikant.
Hintergrund
Osteoporose ist ein Syndrom, das durch eine geringe Knochenmasse und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes gekennzeichnet ist, was zu einem erhöhten Frakturrisiko führt. Die Leitlinie konzentriert sich auf die Prävention von Fragilitätsfrakturen (Niedrigenergiefrakturen).
Diagnostik und Risikobewertung
Die Bewertung des Frakturrisikos ist der erste Schritt vor der Einleitung einer medikamentösen Therapie.
- Frakturrisiko-Assessment: Vor einer DXA-Messung sollte bei Patienten mit klinischen Risikofaktoren eine Risikobewertung durchgeführt werden, vorzugsweise mit dem QFracture-Tool.
- DXA-Messung: Personen über 50 Jahre mit einer Vorgeschichte von Fragilitätsfrakturen sollten eine DXA-Messung (Wirbelsäule und Hüfte) erhalten, um die Notwendigkeit einer Therapie zu evaluieren.
- Therapiemonitoring: Eine wiederholte DXA-Messung nach drei Jahren kann erwogen werden, um das Ansprechen auf Alendronsäure, Ibandronsäure, Zoledronsäure oder Denosumab zu beurteilen.
Nicht-beeinflussbare Risikofaktoren
Das Risiko für osteoporotische Frakturen steigt mit dem Alter (besonders ab 65 bei Frauen und 75 bei Männern). Frauen und Kaukasier haben das höchste Risiko.
| Risikofaktor | Bemerkung |
|---|---|
| Vorherige Frakturen | Starker Prädiktor. Z.B. verdoppelt eine Rippenfraktur das Risiko für zukünftige Frakturen. |
| Familienanamnese | Elterliche Osteoporose oder Hüftfrakturen erhöhen das Risiko signifikant. |
| Reproduktive Faktoren | Frühe Menopause (vor dem 45. Lebensjahr) ohne HRT-Behandlung erhöht das Risiko. |
Beeinflussbare Risikofaktoren
- Knochendichte (BMD): Eine niedrige BMD in der DXA-Messung erfordert eine weitere Risikobewertung.
- Alkohol: Ein Konsum von mehr als 3,5 Einheiten pro Tag erhöht das Frakturrisiko. Patienten sollten beraten werden, den Konsum auf nationale Richtwerte zu reduzieren.
- Körpergewicht: Ein niedriger BMI (<20 kg/m2) erhöht das Risiko. Ein BMI von 20-25 kg/m2 wird angestrebt.
- Rauchen: Aktives Rauchen erhöht das Frakturrisiko signifikant. Ein Rauchstopp wird empfohlen.
Sekundäre Osteoporose: Begleiterkrankungen
Zahlreiche Komorbiditäten erfordern bei Patienten über 50 Jahren ein Frakturrisiko-Assessment:
| Erkrankungsgruppe | Spezifische Erkrankungen |
|---|---|
| Endokrinologisch | Diabetes (Typ 1 und 2), Hyperparathyreoidismus, Hyperthyreose, Cushing-Syndrom |
| Rheumatologisch | Rheumatoide Arthritis (RA), Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) |
| Gastrointestinal | Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED), chronische Lebererkrankungen |
| Neurologisch | Epilepsie, Alzheimer-Demenz, Parkinson, Multiple Sklerose, Zustand nach Schlaganfall |
| Sonstige | Chronische Nierenerkrankung (eGFR <60), Asthma, HIV, Mukoviszidose |
Pharmakologische Risikofaktoren
Bestimmte Medikamente haben einen negativen Einfluss auf den Knochenstoffwechsel oder erhöhen das Sturzrisiko. Bei Patienten über 50 Jahren unter diesen Therapien sollte ein Frakturrisiko-Assessment erwogen werden:
| Medikamentenklasse | Bemerkung |
|---|---|
| Antidepressiva | Insbesondere SSRI sind mit einem erhöhten Frakturrisiko assoziiert. |
| Antiepileptika | Enzyminduzierende Antiepileptika erhöhen das Risiko signifikant. |
| Aromatasehemmer | Erhöhen das Risiko für Hüftfrakturen im Vergleich zu Tamoxifen. |
| GnRH-Analoga | Androgendeprivationstherapie (ADT) bei Prostatakarzinom erhöht das Frakturrisiko. |
| Depot-Gestagene (DMPA) | Reduzieren die Knochendichte reversibel; das absolute Frakturrisiko bei jungen Frauen bleibt jedoch gering. |
Systemische Versorgung
Patienten über 50 Jahre, die eine Fragilitätsfraktur erlitten haben, sollten in einem formalen, integrierten Versorgungssystem behandelt werden, das einen Fracture Liaison Service umfasst.
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei allen Patienten über 50 Jahren mit einer stattgehabten Fragilitätsfraktur eine DXA-Messung durch und binden Sie diese in einen Fracture Liaison Service ein. Nutzen Sie QFracture zur Risikobewertung, bevor Sie eine medikamentöse Therapie initiieren.