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Osteoporose-Leitlinie ab 50 Jahren (RACGP 2024)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RACGP Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Bei allen Personen ueber 50 Jahren mit einer Fraktur nach minimalem Trauma sollte von einer Osteoporose ausgegangen werden.
  • Die DXA-Messung an Lendenwirbelsaeule und Huefte ist der Goldstandard zur Diagnostik.
  • Ein systematisches populationsbasiertes Screening wird nicht empfohlen, stattdessen ein gezieltes Case-Finding.
  • Denosumab darf nicht ersatzlos abgesetzt werden; ein Wechsel auf Bisphosphonate fuer mindestens 12 Monate ist zwingend.
  • Romosozumab ist die Erstlinientherapie bei sehr hohem Frakturrisiko.
  • Aromatasehemmer und Androgendeprivationstherapie erfordern vorab eine DXA-Messung und ggf. eine antiresorptive Therapie.
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Hintergrund

Osteoporose ist durch eine niedrige Knochenmineraldichte (BMD) und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes gekennzeichnet. Dies fuehrt zu erhoehter Knochenbruechigkeit und einem erhoehten Frakturrisiko. Die Erkrankung verlaeuft oft asymptomatisch, bis eine Fraktur auftritt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Osteoporose und Osteopenie basierend auf dem T-Score:

KlassifikationT-ScoreDefinition
Normal>= -1,0BMD maximal 1,0 Standardabweichungen (SD) unter dem Mittelwert junger Erwachsener
Osteopenie-1,0 bis -2,5BMD zwischen 1,0 und 2,5 SD unter dem Mittelwert
Osteoporose<= -2,5BMD 2,5 oder mehr SD unter dem Mittelwert

Diagnostik und Risikobewertung

Ein systematisches populationsbasiertes Screening wird nicht empfohlen (Grad B). Stattdessen erfolgt ein Case-Finding bei Risikopatienten.

  • Verdachtsdiagnose: Bei allen Personen ueber 50 Jahren, die eine Fraktur nach minimalem Trauma (z. B. Sturz aus Standhoehe) erleiden, sollte von einer Osteoporose ausgegangen werden (Grad A).
  • DXA-Messung: Die Messung der Knochendichte mittels Dual-Roentgen-Absorptiometrie (DXA) ist der Goldstandard. Sie sollte an mindestens zwei Skelettstellen (Lendenwirbelsaeule und Huefte) erfolgen (Grad A).
  • FRAX-Score: Zur Beurteilung des absoluten Frakturrisikos bei Patienten mit unklarem Profil wird das Fracture Risk Assessment Tool (FRAX) empfohlen (Grad B).

Allgemeine Massnahmen und Praevention

Zur Erhaltung der Knochengesundheit und Frakturpraevention gelten folgende Empfehlungen:

  • Calcium und Vitamin D: Bei gebrechlichen und institutionalisierten aelteren Menschen wird eine Supplementierung zur Frakturpraevention empfohlen (Grad B). Bei gesunden Aelteren ist der absolute Nutzen fuer die Frakturreduktion gering, aber wichtig fuer die Muskel- und Knochenfunktion (Grad C).
  • Bewegung: Empfohlen werden regelmaessiges Krafttraining (mindestens zweimal woechentlich), gewichtstragende Impact-Uebungen und anspruchsvolles Balancetraining (Grad B).
  • Sturzpraevention: Ein opportunistisches Case-Finding zur Identifikation von sturzgefaehrdeten aelteren Menschen ist durchzufuehren (Grad A).

Medikamentoese Therapie

Die medikamentoese Therapie richtet sich nach dem individuellen Frakturrisiko. Patienten mit sehr hohem oder drohendem Frakturrisiko sollten umgehend an einen Spezialisten ueberwiesen werden, um eine osteoanabole Therapie als Erstlinientherapie zu pruefen (Grad C).

WirkstoffklasseIndikationEmpfehlungsgradBemerkung
Bisphosphonate (z.B. Alendronat, Zoledronat)Hohes Frakturrisiko (postmenopausal / Maenner >50)Grad A (Frauen) / Grad C (Maenner)Reevaluation nach 5-10 Jahren empfohlen (Grad D)
DenosumabHohes Frakturrisiko bei minimalem TraumaGrad A (Frauen) / Grad B (Maenner)Therapie darf nicht unterbrochen werden! Bei Absetzen zwingend Wechsel auf Bisphosphonate fuer mind. 12 Monate (Grad C)
RomosozumabSehr hohes Frakturrisiko (Erstlinientherapie)Grad A (Frauen) / Grad C (Maenner)Osteoanabole Therapie
Teriparatid (hPTH)Fraktur unter antiresorptiver Therapie oder sehr hohes RisikoGrad A (Frauen) / Grad C (Maenner)Rekombinantes Parathormon
Menopausale Hormontherapie (MHT)Postmenopausale Frauen <10 Jahre nach MenopauseGrad ANutzen-Risiko-Abwaegung erforderlich

Spezielle Patientengruppen

  • Onkologische Patienten: Aromatasehemmer (Brustkrebs) und Androgendeprivationstherapie (Prostatakrebs) fuehren zu Knochenverlust. Vor Therapiebeginn muss das Frakturrisiko (inkl. DXA) bestimmt werden (Grad A). Bei hohem Risiko ist eine antiresorptive Therapie indiziert (Grad A).
  • Zahnmedizinische Eingriffe: Medikamentenassoziierte Kiefernekrosen (MRONJ) sind selten. Hochrisikopatienten benoetigen vor Therapiebeginn eine zahnmedizinische Kontrolle. Ein Absetzen von Bisphosphonaten vor Zahnextraktionen bringt aufgrund der langen Halbwertszeit kaum Vorteile (Grad C).

💡Praxis-Tipp

Setzen Sie Denosumab niemals ersatzlos ab, da ein hohes Risiko fuer Rebound-Frakturen besteht. Stellen Sie Patienten bei Therapieende zwingend fuer mindestens 12 Monate auf ein Bisphosphonat um.

Häufig gestellte Fragen

Bei Patienten ueber 50 Jahren, die eine Fraktur nach einem minimalen Trauma (z. B. Sturz aus Standhoehe) erleiden, kann eine Verdachtsdiagnose gestellt werden.
Die DXA-Messung (Dual-Roentgen-Absorptiometrie) an Lendenwirbelsaeule und Huefte.
Als Erstlinientherapie bei postmenopausalen Frauen und Maennern mit sehr hohem Risiko fuer Minimaltrauma-Frakturen.
Nein, die Leitlinie empfiehlt kein populationsbasiertes Screening, sondern ein gezieltes Case-Finding bei Vorliegen von Risikofaktoren.
Vor Therapiebeginn muss zwingend eine Bestimmung des Frakturrisikos inklusive DXA-Messung erfolgen, da diese Medikamente zu Knochenverlust fuehren.

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