Osteoporose-Leitlinie ab 50 Jahren (RACGP 2024)
📋Auf einen Blick
- •Bei allen Personen ueber 50 Jahren mit einer Fraktur nach minimalem Trauma sollte von einer Osteoporose ausgegangen werden.
- •Die DXA-Messung an Lendenwirbelsaeule und Huefte ist der Goldstandard zur Diagnostik.
- •Ein systematisches populationsbasiertes Screening wird nicht empfohlen, stattdessen ein gezieltes Case-Finding.
- •Denosumab darf nicht ersatzlos abgesetzt werden; ein Wechsel auf Bisphosphonate fuer mindestens 12 Monate ist zwingend.
- •Romosozumab ist die Erstlinientherapie bei sehr hohem Frakturrisiko.
- •Aromatasehemmer und Androgendeprivationstherapie erfordern vorab eine DXA-Messung und ggf. eine antiresorptive Therapie.
Hintergrund
Osteoporose ist durch eine niedrige Knochenmineraldichte (BMD) und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes gekennzeichnet. Dies fuehrt zu erhoehter Knochenbruechigkeit und einem erhoehten Frakturrisiko. Die Erkrankung verlaeuft oft asymptomatisch, bis eine Fraktur auftritt.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Osteoporose und Osteopenie basierend auf dem T-Score:
| Klassifikation | T-Score | Definition |
|---|---|---|
| Normal | >= -1,0 | BMD maximal 1,0 Standardabweichungen (SD) unter dem Mittelwert junger Erwachsener |
| Osteopenie | -1,0 bis -2,5 | BMD zwischen 1,0 und 2,5 SD unter dem Mittelwert |
| Osteoporose | <= -2,5 | BMD 2,5 oder mehr SD unter dem Mittelwert |
Diagnostik und Risikobewertung
Ein systematisches populationsbasiertes Screening wird nicht empfohlen (Grad B). Stattdessen erfolgt ein Case-Finding bei Risikopatienten.
- Verdachtsdiagnose: Bei allen Personen ueber 50 Jahren, die eine Fraktur nach minimalem Trauma (z. B. Sturz aus Standhoehe) erleiden, sollte von einer Osteoporose ausgegangen werden (Grad A).
- DXA-Messung: Die Messung der Knochendichte mittels Dual-Roentgen-Absorptiometrie (DXA) ist der Goldstandard. Sie sollte an mindestens zwei Skelettstellen (Lendenwirbelsaeule und Huefte) erfolgen (Grad A).
- FRAX-Score: Zur Beurteilung des absoluten Frakturrisikos bei Patienten mit unklarem Profil wird das Fracture Risk Assessment Tool (FRAX) empfohlen (Grad B).
Allgemeine Massnahmen und Praevention
Zur Erhaltung der Knochengesundheit und Frakturpraevention gelten folgende Empfehlungen:
- Calcium und Vitamin D: Bei gebrechlichen und institutionalisierten aelteren Menschen wird eine Supplementierung zur Frakturpraevention empfohlen (Grad B). Bei gesunden Aelteren ist der absolute Nutzen fuer die Frakturreduktion gering, aber wichtig fuer die Muskel- und Knochenfunktion (Grad C).
- Bewegung: Empfohlen werden regelmaessiges Krafttraining (mindestens zweimal woechentlich), gewichtstragende Impact-Uebungen und anspruchsvolles Balancetraining (Grad B).
- Sturzpraevention: Ein opportunistisches Case-Finding zur Identifikation von sturzgefaehrdeten aelteren Menschen ist durchzufuehren (Grad A).
Medikamentoese Therapie
Die medikamentoese Therapie richtet sich nach dem individuellen Frakturrisiko. Patienten mit sehr hohem oder drohendem Frakturrisiko sollten umgehend an einen Spezialisten ueberwiesen werden, um eine osteoanabole Therapie als Erstlinientherapie zu pruefen (Grad C).
| Wirkstoffklasse | Indikation | Empfehlungsgrad | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| Bisphosphonate (z.B. Alendronat, Zoledronat) | Hohes Frakturrisiko (postmenopausal / Maenner >50) | Grad A (Frauen) / Grad C (Maenner) | Reevaluation nach 5-10 Jahren empfohlen (Grad D) |
| Denosumab | Hohes Frakturrisiko bei minimalem Trauma | Grad A (Frauen) / Grad B (Maenner) | Therapie darf nicht unterbrochen werden! Bei Absetzen zwingend Wechsel auf Bisphosphonate fuer mind. 12 Monate (Grad C) |
| Romosozumab | Sehr hohes Frakturrisiko (Erstlinientherapie) | Grad A (Frauen) / Grad C (Maenner) | Osteoanabole Therapie |
| Teriparatid (hPTH) | Fraktur unter antiresorptiver Therapie oder sehr hohes Risiko | Grad A (Frauen) / Grad C (Maenner) | Rekombinantes Parathormon |
| Menopausale Hormontherapie (MHT) | Postmenopausale Frauen <10 Jahre nach Menopause | Grad A | Nutzen-Risiko-Abwaegung erforderlich |
Spezielle Patientengruppen
- Onkologische Patienten: Aromatasehemmer (Brustkrebs) und Androgendeprivationstherapie (Prostatakrebs) fuehren zu Knochenverlust. Vor Therapiebeginn muss das Frakturrisiko (inkl. DXA) bestimmt werden (Grad A). Bei hohem Risiko ist eine antiresorptive Therapie indiziert (Grad A).
- Zahnmedizinische Eingriffe: Medikamentenassoziierte Kiefernekrosen (MRONJ) sind selten. Hochrisikopatienten benoetigen vor Therapiebeginn eine zahnmedizinische Kontrolle. Ein Absetzen von Bisphosphonaten vor Zahnextraktionen bringt aufgrund der langen Halbwertszeit kaum Vorteile (Grad C).
💡Praxis-Tipp
Setzen Sie Denosumab niemals ersatzlos ab, da ein hohes Risiko fuer Rebound-Frakturen besteht. Stellen Sie Patienten bei Therapieende zwingend fuer mindestens 12 Monate auf ein Bisphosphonat um.