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Osteoporose-Frakturrisiko: Leitlinie (NICE)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf NICE Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Ein Frakturrisiko-Assessment wird für alle Frauen ab 65 Jahren und alle Männer ab 75 Jahren empfohlen.
  • Bei jüngeren Patienten sollte eine Risikobewertung nur bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren erfolgen.
  • Zur Berechnung des absoluten 10-Jahres-Risikos sollen die Tools FRAX oder QFracture verwendet werden.
  • Eine routinemäßige Knochendichtemessung (DXA) ohne vorheriges klinisches Risiko-Assessment wird nicht empfohlen.
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Hintergrund

Osteoporose ist durch eine geringe Knochenmasse und strukturelle Verschlechterung des Knochengewebes gekennzeichnet, was zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit führt. Fragilitätsfrakturen entstehen durch mechanische Kräfte, die normalerweise nicht zu einem Bruch führen würden (z.B. Sturz aus Stehhöhe oder darunter). Die NICE-Leitlinie definiert Kriterien und Methoden zur präzisen Bewertung dieses Frakturrisikos.

Indikation zur Risikobewertung

Die Indikation zur Bewertung des Frakturrisikos richtet sich primär nach Alter und dem Vorliegen von Risikofaktoren.

PatientengruppeIndikation zum Assessment
Frauen ≥ 65 Jahre & Männer ≥ 75 JahreGenerell empfohlen
Frauen < 65 Jahre & Männer < 75 JahreNur bei Vorliegen von Risikofaktoren
Personen < 50 JahreNicht routinemäßig, außer bei Hauptrisikofaktoren

Hauptrisikofaktoren für Personen unter 50 Jahren:

  • Aktuelle oder häufige kürzliche Einnahme oraler/systemischer Glukokortikoide
  • Unbehandelte vorzeitige Menopause
  • Vorherige Fragilitätsfraktur

Klinische Risikofaktoren

Neben dem Alter beeinflussen weitere Faktoren das Frakturrisiko maßgeblich:

KategorieRisikofaktoren
AnamneseVorherige Fragilitätsfraktur, Sturzanamnese, familiäre Hüftfraktur
LebensstilBMI < 18,5 kg/m², Rauchen, Alkohol > 14 Einheiten/Woche
MedikamenteOrale oder systemische Glukokortikoide

Sekundäre Osteoporose

Verschiedene Grunderkrankungen können eine sekundäre Osteoporose verursachen und müssen bei der Risikobewertung berücksichtigt werden:

OrgansystemErkrankungen
EndokrinHypogonadismus, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, Cushing-Syndrom, Diabetes, Hyperprolaktinämie
GastrointestinalZöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, chronische Lebererkrankung, chronische Pankreatitis
RheumatologischRheumatoide Arthritis, andere entzündliche Arthropathien
HämatologischMultiples Myelom, Hämoglobinopathien, systemische Mastozytose
RespiratorischMukoviszidose, COPD
WeitereChronische Nierenerkrankung, Immobilität, Homocystinurie

Methoden der Risikobewertung

Zur Bewertung soll das absolute Frakturrisiko (z.B. das 10-Jahres-Risiko für eine Major-Osteoporose- oder Hüftfraktur in Prozent) geschätzt werden.

Assessment-ToolAltersbereichBesonderheiten
FRAX40 - 90 JahreKann mit oder ohne Knochendichtewerte (BMD) verwendet werden
QFracture30 - 84 JahreBMD-Werte können nicht in den Algorithmus integriert werden

Hinweis: Bei Personen, die das obere Alterslimit der Tools überschreiten, ist von einem hohen Risiko auszugehen. Bei Patienten über 80 Jahren ist das berechnete 10-Jahres-Risiko mit Vorsicht zu interpretieren, da es das kurzfristige Frakturrisiko unterschätzen kann.

Indikationen zur Knochendichtemessung (DXA)

Eine routinemäßige Messung der Knochenmineraldichte (BMD) ohne vorheriges Assessment durch FRAX oder QFracture wird nicht empfohlen.

Eine DXA-Messung sollte in folgenden Fällen erwogen werden:

  • Nach klinischem Assessment: Wenn das berechnete Risiko (mit FRAX ohne BMD oder QFracture) im Bereich einer Therapieschwelle liegt. Danach sollte das Risiko mit FRAX inkl. BMD-Wert neu berechnet werden.
  • Vor spezifischen Therapien: Vor Beginn von Behandlungen, die einen schnellen negativen Effekt auf die Knochendichte haben (z.B. Sexualhormonentzug bei Brust- oder Prostatakrebs).
  • Bei jungen Patienten (< 40 Jahre): Bei Vorliegen von Hauptrisikofaktoren wie multiplen Fragilitätsfrakturen oder hochdosierter Glukokortikoidtherapie (> 7,5 mg Prednisolon-Äquivalent/Tag für ≥ 3 Monate).

Einschränkungen der Assessment-Tools

Die Tools können das tatsächliche Frakturrisiko in bestimmten Situationen unterschätzen. Dazu gehören:

  • Anamnese mit multiplen Frakturen oder vorherigen Wirbelkörperfrakturen
  • Hoher Alkoholkonsum
  • Hochdosierte Glukokortikoidtherapie (> 7,5 mg Prednisolon/Tag für ≥ 3 Monate)
  • Vorliegen anderer Ursachen einer sekundären Osteoporose
  • Faktoren, die nicht im Tool abgebildet sind (z.B. Leben im Pflegeheim oder Einnahme von knochenstoffwechselstörenden Medikamenten wie Antikonvulsiva, SSRI, Thiazolidindione, Protonenpumpeninhibitoren oder Antiretrovirale Medikamente)

Neubewertung des Risikos

Eine erneute Berechnung des Frakturrisikos sollte erwogen werden, wenn das ursprüngliche Risiko nahe der Therapieschwelle lag (frühestens nach 2 Jahren) oder sich die Risikofaktoren des Patienten verändert haben.

💡Praxis-Tipp

Führen Sie keine routinemäßige DXA-Messung ohne vorherige klinische Risikobewertung (z.B. mit FRAX oder QFracture) durch. Beachten Sie, dass bei Patienten über 80 Jahren die 10-Jahres-Scores das kurzfristige Frakturrisiko häufig unterschätzen.

Häufig gestellte Fragen

Ein generelles Assessment des Frakturrisikos wird für alle Frauen ab 65 Jahren und alle Männer ab 75 Jahren empfohlen.
Es wird die Nutzung von FRAX (für Personen von 40-90 Jahren) oder QFracture (für Personen von 30-84 Jahren) empfohlen, um das absolute 10-Jahres-Frakturrisiko zu berechnen.
Eine DXA-Messung ist indiziert, wenn das klinisch berechnete Risiko nahe einer Therapieschwelle liegt, vor knochenschädigenden Therapien (z.B. Hormonentzug) oder bei Patienten unter 40 Jahren mit Hauptrisikofaktoren.
Medikamente wie Antikonvulsiva, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Thiazolidindione, Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und antiretrovirale Medikamente können den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen.
Eine Neubewertung sollte erfolgen, wenn sich die Risikofaktoren des Patienten ändern oder frühestens nach 2 Jahren, falls das initiale Risiko knapp unterhalb der Therapieschwelle lag.

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