Prostatakrebs-Screening: USPSTF-Leitlinie (2018)
📋Auf einen Blick
- •Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren sollten individuell über ein PSA-Screening entscheiden (Empfehlungsgrad C).
- •Bei Männern ab 70 Jahren wird von einem PSA-Screening abgeraten (Empfehlungsgrad D).
- •Das Screening verhindert ca. 1,3 Todesfälle pro 1.000 gescreenten Männern über einen Zeitraum von 13 Jahren.
- •Zu den Risiken der Behandlung gehören langfristige erektile Dysfunktion (2 von 3 Männern) und Harninkontinenz (1 von 5 Männern).
- •Afroamerikaner und Männer mit positiver Familienanamnese haben ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs.
Hintergrund
Das Lebenszeitrisiko, an Prostatakrebs zu erkranken, liegt in den USA bei etwa 13 %, während das Risiko, daran zu versterben, 2,5 % beträgt. Das mediane Sterbealter liegt bei 80 Jahren. Viele Männer bleiben zeitlebens asymptomatisch und würden ohne Screening nie von ihrer Erkrankung erfahren.
Ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs haben:
- Afroamerikanische Männer
- Männer mit positiver Familienanamnese
Nutzen und Risiken des PSA-Screenings
Die Entscheidung für oder gegen ein Screening mittels Prostata-spezifischem Antigen (PSA) erfordert eine sorgfältige Abwägung.
| Aspekt | Details laut USPSTF |
|---|---|
| Potenzieller Nutzen | Verhinderung von ca. 1,3 Todesfällen pro 1.000 gescreenten Männern (über 13 Jahre). Verhinderung von ca. 3 Fällen von metastasiertem Prostatakrebs pro 1.000 Männern. |
| Risiken des Screenings | Häufige falsch-positive Ergebnisse, psychologische Belastung, Überdiagnostik und Übertherapie. |
| Risiken der Therapie | Erektile Dysfunktion: Langfristig bei 2 von 3 Männern. Harninkontinenz: Langfristig bei 1 von 5 Männern nach radikaler Prostatektomie. Darmsymptome. |
Empfehlungen nach Altersgruppen
Die USPSTF spricht basierend auf der aktuellen Evidenz folgende Empfehlungen aus:
| Altersgruppe | Empfehlung | Empfehlungsgrad | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 55 bis 69 Jahre | Individuelle Entscheidung | C | Erfordert Aufklärung über Nutzen und Risiken. Berücksichtigung von Familienanamnese, Ethnie, Komorbiditäten und Patientenwerten. Kein Screening ohne ausdrücklichen Patientenwunsch. |
| ≥ 70 Jahre | Abraten vom Screening | D | Die potenziellen Risiken (falsch-positive Ergebnisse, Biopsie- und Behandlungsrisiken) überwiegen den Nutzen. |
💡Praxis-Tipp
Führen Sie bei Männern zwischen 55 und 69 Jahren eine ergebnisoffene Aufklärung (Shared Decision Making) über die Vor- und Nachteile des PSA-Tests durch. Screenen Sie keine Patienten, die dies nicht ausdrücklich wünschen.