PSA-Test & Prostatakarzinom: Leitlinie (Cancer Council)
📋Auf einen Blick
- •Active Surveillance (AS) wird bei PSA ≤ 20 ng/mL, Stadium T1-2 und Gleason-Score 6 empfohlen.
- •Das AS-Monitoring umfasst vierteljährliche PSA-Tests und halbjährliche digital-rektale Untersuchungen (DRU).
- •Für die initiale Prostatabiopsie wird die Entnahme von 21–24 Stanzen empfohlen, fokussiert auf die periphere Zone.
- •Transrektale und transperineale Biopsiezugänge zeigen vergleichbare Krebsdetektionsraten.
- •Männern, die einen PSA-Test erwägen, sollte eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe angeboten werden.
Hintergrund
Diese Leitlinie des Cancer Council Australia adressiert das PSA-Screening bei asymptomatischen Männern sowie das frühe Management eines durch Tests entdeckten Prostatakarzinoms. Ein besonderer Fokus liegt auf der fundierten Entscheidungsfindung, den Qualitätskriterien der Prostatabiopsie und den Protokollen zur aktiven Überwachung (Active Surveillance).
Entscheidungsfindung zum PSA-Test
Männern, die einen PSA-Test in Erwägung ziehen, sollte eine evidenzbasierte Entscheidungshilfe angeboten werden (Empfehlungsgrad C). Dies beinhaltet die Möglichkeit, die Vorteile und Risiken des PSA-Tests vor der Entscheidung ausführlich zu besprechen. Der Einsatz von Entscheidungshilfen verbessert das Wissen der Patienten, reduziert entscheidungsbedingten Stress und erhöht die Zufriedenheit mit der getroffenen Wahl.
Prostatabiopsie: Qualitätskriterien
Für die initiale Prostatabiopsie zur Diagnosestellung gelten spezifische Anforderungen an die Anzahl und Lokalisation der Stanzen. Transrektale und transperineale Zugänge sind hinsichtlich der Krebsdetektionsraten als gleichwertig anzusehen.
| Parameter | Empfehlung | Evidenz / Bemerkung |
|---|---|---|
| Anzahl der Stanzen | 21–24 Stanzen bei der initialen Biopsie (Empfehlungsgrad B) | 24 Stanzen verdoppeln nahezu die Detektionsrate im Vergleich zu 6 Stanzen. |
| Lokalisation | Zusätzlich zu den 6 Sextanten-Biopsien sollen 15–18 Stanzen aus der peripheren Zone entnommen werden | Die periphere Zone (lateral und mittig) liefert eine höhere Trefferquote als die Transitionszone. |
| Zugangsweg | Transrektal oder transperineal | Wahl abhängig von Patientenpräferenz, Erfahrung des Operateurs und Infektionsrisiko. |
Active Surveillance (Aktive Überwachung)
Die aktive Überwachung zielt darauf ab, eine Übertherapie indolenter Tumoren zu vermeiden. Die definitive Therapie wird erst bei Anzeichen einer Krankheitsprogression eingeleitet. Das Risiko, innerhalb von 10 Jahren an Prostatakrebs zu versterben, ist unter Active Surveillance gering und wahrscheinlich nicht höher als bei einer sofortigen definitiven Therapie.
Einschlusskriterien für Active Surveillance
| Kriterium | Parameter | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Standard-Kriterien | PSA ≤ 20 ng/mL, klinisches Stadium T1-2, Gleason-Score 6 | Empfehlungsgrad C |
| Erweiterte Kriterien | PSA ≤ 10,0 ng/mL, Stadium T1–2a, Gleason-Score ≤ 7 (3+4) mit Muster-4-Anteil < 10 % | Konsensbasiert |
| Männer < 60 Jahre | Anwendung der erweiterten Kriterien möglich | Aufklärung nötig, dass Therapie ggf. nur verzögert, nicht vermieden wird. |
Monitoring-Protokoll
Für Patienten unter aktiver Überwachung wird folgendes Monitoring empfohlen (konsensbasiert):
- PSA-Wert: Messung alle 3 Monate
- Körperliche Untersuchung: Inklusive digital-rektaler Untersuchung (DRU) alle 6 Monate
- Re-Klassifikations-Biopsie: Innerhalb von 6–12 Monaten nach Beginn der Active Surveillance
- Verlaufs-Biopsien: Alle 2–3 Jahre
- Vorgezogene Diagnostik: Biopsie und/oder multiparametrisches MRT bei einer PSA-Verdopplungszeit von < 2–3 Jahren oder klinischem Progress in der DRU
Indikationen zur definitiven Therapie
Eine definitive Therapie sollte in Betracht gezogen werden bei (konsensbasiert):
- Klinischem Stadium T2b-c
- PSA 10,0–20,0 ng/mL, wenn die sonstigen Kriterien für Active Surveillance nicht erfüllt sind
- Pathologischem Progress in der Biopsie während der aktiven Überwachung
- Ausdrücklichem Patientenwunsch nach einer Intervention
Hinweis: Wünscht ein Patient trotz Vorliegen der oben genannten Kriterien zwingend eine aktive Überwachung, sollte eine Re-Biopsie angeboten werden, um die korrekte Klassifikation der Erkrankung sicherzustellen.
💡Praxis-Tipp
Nutzen Sie bei der initialen Prostatabiopsie ein erweitertes Schema mit 21–24 Stanzen, wobei der Fokus auf der peripheren Zone liegen sollte, um die Detektionsrate signifikant zu erhöhen.