Unipolare Depression: Diagnostik und Therapie-Leitlinie
Hintergrund
Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression behandelt die Diagnostik und Therapie von akuten, rezidivierenden und chronischen depressiven Störungen. Bipolare Störungen sind explizit nicht Gegenstand dieser Leitlinie.
Depressive Störungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und gehen mit einer hohen Krankheitslast sowie einer erhöhten Mortalität einher. Die Ursachen sind multifaktoriell und umfassen biologische, psychologische und psychosoziale Faktoren.
Ein strukturiertes Vorgehen ist essenziell, um Über- und Unterdiagnostik zu vermeiden. Die Leitlinie betont zudem die Wichtigkeit der partizipativen Entscheidungsfindung und der Berücksichtigung von Komorbiditäten im Behandlungsverlauf.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Diagnostik und Schweregrade
Es wird ein risikoadaptiertes Screening bei Personen mit bekannten Risikofaktoren empfohlen (starke Empfehlung). Ein allgemeines Screening der Gesamtbevölkerung wird hingegen nicht empfohlen.
Bei Verdacht auf eine Depression soll die Diagnose kategorial nach ICD-Kriterien gestellt werden (starke Empfehlung). Die Einteilung des Schweregrades nach ICD-10 erfolgt anhand der Symptomanzahl:
| Schweregrad | Hauptsymptome | Zusatzsymptome | Summe der Symptome |
|---|---|---|---|
| Leicht | 2 | 2 | 4-5 |
| Mittelgradig | 2 | 3-4 | 6-7 |
| Schwer | 3 | ≥ 5 | ≥ 8 |
Zudem wird die aktive Exploration von Suizidalität bei jedem Patientenkontakt gefordert (starke Empfehlung).
Therapieplanung
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Episode. Es wird empfohlen, individuelle Therapieziele gemeinsam mit den Betroffenen zu vereinbaren und regelmäßig zu evaluieren (starke Empfehlung).
Therapie bei leichter Depression
Bei leichten depressiven Episoden werden primär niedrigintensive Interventionen wie angeleitete Selbsthilfe oder internetbasierte Interventionen empfohlen (starke Empfehlung).
Antidepressiva sollten bei leichten Episoden nicht zur Erstbehandlung eingesetzt werden (abgeschwächte Negativ-Empfehlung).
Therapie bei mittelgradiger und schwerer Depression
Für mittelgradige und schwere Episoden empfiehlt die Leitlinie folgende Optionen:
-
Psychotherapie als Monotherapie (starke Empfehlung)
-
Medikamentöse Therapie mit Antidepressiva (starke Empfehlung)
-
Bei schweren Episoden bevorzugt eine Kombinationstherapie aus beidem (starke Empfehlung)
Monitoring und Absetzen
Es wird ein engmaschiges Monitoring der Adhärenz, Wirksamkeit und Nebenwirkungen empfohlen. In den ersten 4 Wochen sollte dies wöchentlich erfolgen (abgeschwächte Empfehlung).
Die Leitlinie fordert, Antidepressiva am Ende einer Erhaltungstherapie über 8 bis 12 Wochen schrittweise auszuschleichen, um Absetzphänomene zu vermeiden (abgeschwächte Empfehlung).
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie wird Suizidalität durch aktives Ansprechen nicht getriggert, sondern kann dadurch sogar reduziert werden. Es wird daher dringend empfohlen, Suizidgedanken bei jedem Patientenkontakt offen und direkt zu explorieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Antidepressiva bei leichten depressiven Episoden aufgrund des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht als Erstlinientherapie eingesetzt werden sollten.
Häufig gestellte Fragen
Gemäß der Leitlinie erfolgt die Einteilung in leichte, mittelgradige und schwere Episoden anhand der Anzahl der vorliegenden Haupt- und Zusatzsymptome nach ICD-Kriterien. In der ICD-11 wird zusätzlich die Intensität der Symptome und der Grad der Funktionseinschränkung berücksichtigt.
Die Leitlinie empfiehlt ein Screening nur bei Vorliegen spezifischer Risikofaktoren wie früheren depressiven Episoden, familiärer Vorbelastung oder schweren somatischen Erkrankungen. Ein allgemeines Screening der Gesamtbevölkerung wird aufgrund der Gefahr von Überdiagnostik nicht empfohlen.
Laut Leitlinie ist mit einer Wirklatenz von 3 bis 4 Wochen nach Erreichen der Standarddosis zu rechnen. Es wird empfohlen, nach diesem Zeitraum die Wirkung systematisch zu überprüfen und bei Nichtansprechen die Therapiestrategie anzupassen.
Um Rebound-Phänomene und Absetzsymptome zu vermeiden, wird ein schrittweises Ausschleichen über mindestens 8 bis 12 Wochen empfohlen. Bei auftretenden Absetzsymptomen sollte die Dosis laut Leitlinie wieder erhöht und anschließend noch langsamer reduziert werden.
Internet- und mobilbasierte Interventionen (IMI) sollen bei leichten depressiven Episoden als Teil eines therapeutischen Gesamtkonzepts angeboten werden. Die Leitlinie betont jedoch, dass diese Anwendungen immer ärztlich oder psychotherapeutisch begleitet werden sollen.
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Quelle: NVL Unipolare Depression (NVL, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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