WHO2019

Thermische Ablation: Therapie bei Zervix-Präkanzerosen

Diese Leitlinie stammt aus 2019 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2019)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Zervixkarzinome verursachen weltweit hohe Mortalitätsraten, insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Um diese Raten zu senken, werden dort häufig Screen-and-Treat-Strategien eingesetzt.

Die Kryotherapie ist eine etablierte Behandlungsmethode, erfordert jedoch schwere und teure Kältemittelgase. Als Alternative rückt die thermische Ablation (auch Kaltkoagulation genannt) zunehmend in den Fokus.

Bei der thermischen Ablation wird eine wiederverwendbare metallische Sonde elektrisch auf etwa 100 °C erhitzt. Dies führt durch eine kurze Anwendung zur epithelialen und stromalen Zerstörung der Läsion, wobei die Geräte leicht und gut transportabel sind.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie (2019) formuliert spezifische Empfehlungen zur Anwendung der thermischen Ablation.

Indikationsstellung und Eignung

Vor einer ablativen Therapie wird eine visuelle Beurteilung mittels Kolposkopie oder Inspektion nach Essigsäureapplikation (VIA) empfohlen.

Laut Leitlinie sind Frauen für eine ablative Therapie geeignet, wenn kein Verdacht auf eine invasive oder glanduläre Erkrankung besteht und folgende Kriterien erfüllt sind:

  • Die Transformationszone (TZ) und die gesamte Läsion sind vollständig sichtbar und reichen nicht in die Endozervix.

  • Es handelt sich um eine Typ-1-TZ.

  • Es handelt sich um eine Typ-2-TZ, bei der die Sondenspitze das Plattenepithel der Squamocolumnar Junction (SCJ) vollständig ablatieren kann.

Therapie bei bestätigter CIN2+

Bei histologisch bestätigter CIN2+ empfiehlt die Leitlinie entweder LLETZ (Large Loop Excision of the Transformation Zone), Kryotherapie oder thermische Ablation, sofern die Kriterien für eine Ablation erfüllt sind (bedingte Empfehlung, moderate Evidenz).

Für die Durchführung der thermischen Ablation wird eine Temperatur von mindestens 100 °C für 20 bis 30 Sekunden empfohlen (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz). Es sollen so viele Applikationen wie nötig in überlappenden Feldern erfolgen, um die gesamte Transformationszone abzudecken.

In Ausnahmefällen, wenn LLETZ nicht verfügbar ist und die Frau nicht für eine Ablation in Frage kommt, wird eine alternative Behandlung wie Konisation, Trachelektomie oder Hysterektomie empfohlen (starke Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

Screen-and-Treat-Strategien

Bei Frauen, die im Screening (hrHPV, VIA oder hrHPV gefolgt von VIA) positiv getestet wurden und für eine Ablation geeignet sind, wird thermische Ablation oder Kryotherapie empfohlen (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

Sind die Kriterien für eine Ablation nicht erfüllt, sollte gemäß Leitlinie eine LLETZ durchgeführt werden.

Rahmenbedingungen und Nachsorge

Die Leitlinie spricht sich gegen den routinemäßigen Einsatz prophylaktischer Antibiotika bei der thermischen Ablation aus (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

Um die Verfügbarkeit zu erhöhen, wird vorgeschlagen, dass neben Ärzten auch geschultes Pflegepersonal oder Hebammen die thermische Ablation durchführen können (bedingte Empfehlung, sehr niedrige Evidenz).

Eine Nachsorgeuntersuchung wird nach einem Jahr empfohlen, um die Wirksamkeit der Behandlung sicherzustellen.

Kontraindikationen

Laut Leitlinie bestehen klare Kontraindikationen für ablative Verfahren. Eine thermische Ablation darf nicht durchgeführt werden, wenn der Verdacht auf eine invasive oder glanduläre Erkrankung (z. B. Adenokarzinom) besteht.

Die Eignung richtet sich zudem nach der Klassifikation der Transformationszone (TZ):

TZ-TypBeschreibungEignung für thermische Ablation
Typ 1Vollständig ektozervikal und komplett sichtbarGeeignet
Typ 2Teilweise endozervikal, aber vollständig sichtbarGeeignet, sofern die Sondenspitze die obere Grenze erreicht
Typ 3Reicht in den Zervikalkanal, SCJ nicht vollständig sichtbarNicht geeignet (Kontraindikation)

Wenn die Läsion bei einer Typ-2-TZ außerhalb der Reichweite der Sondenspitze liegt, ist die Patientin ebenfalls nicht für eine ablative Therapie geeignet.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Praxisaspekt der Leitlinie ist der Verzicht auf prophylaktische Antibiotika bei der thermischen Ablation, da der Nutzen gering ist und das Risiko für Resistenzen steigt. Zudem wird bei einem Rezidiv nach vorheriger Ablation primär eine LLETZ empfohlen, und nur bei mangelnder Verfügbarkeit sollte eine erneute thermische Ablation oder Kryotherapie erfolgen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Anwendung bei mindestens 100 °C für eine Dauer von 20 bis 30 Sekunden. Es sollten so viele überlappende Applikationen durchgeführt werden, bis die gesamte Transformationszone abgedeckt ist.

Ja, laut Leitlinie wird vorgeschlagen, dass auch geschulte Pflegekräfte, Hebammen oder anderes medizinisches Personal die Behandlung durchführen. Dies soll die Verfügbarkeit und Zugänglichkeit der Therapie verbessern.

In diesem Fall empfiehlt die Leitlinie primär die Durchführung einer LLETZ. Ist diese nicht verfügbar oder zugänglich, wird eine erneute thermische Ablation oder Kryotherapie gegenüber keiner Behandlung bevorzugt.

Eine Ablation ist kontraindiziert bei Verdacht auf invasive oder glanduläre Erkrankungen. Ebenso wird von dem Verfahren abgeraten, wenn die Transformationszone nicht vollständig sichtbar ist (Typ-3-TZ) oder die Läsion nicht komplett von der Sonde erreicht werden kann.

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Quelle: WHO guidelines for the use of thermal ablation for cervical pre-cancer lesions (WHO, 2019). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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