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WHO2020

Zervixkarzinom-Screening: WHO-Leitlinie zu Medizinprodukten

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Die WHO empfiehlt für das Zervixkarzinom-Screening den Einsatz von Vaginalspekula und HPV-In-vitro-Diagnostika (IVD) auf Basis von Nukleinsäuretests (NAT).
  • HPV-NAT-IVDs sollten mindestens die Hochrisiko-Genotypen HPV 16 und 18 erkennen, die weltweit für etwa 70 % der Zervixkarzinome verantwortlich sind.
  • Die Probenentnahme für HPV-Tests kann durch medizinisches Personal (Zervixabstrich) oder als Selbstentnahme durch die Patientin (Vaginalabstrich) erfolgen.
  • Für die HPV-Diagnostik stehen manuelle, automatisierte und Point-of-Care-Systeme (PoC) zur Verfügung, die je nach Infrastruktur und Durchsatz gewählt werden sollten.
  • Wiederverwendbare Spekula müssen aus biokompatiblen Materialien (z. B. rostfreiem Stahl) bestehen und nach jedem Gebrauch dekontaminiert und sterilisiert werden.
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Hintergrund

Das Zervixkarzinom ist weltweit eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Frauen. Die persistierende Infektion mit Hochrisiko-Genotypen des humanen Papillomavirus (HPV) ist die Hauptursache für präkanzeröse Läsionen. Ein „Screen-and-Treat“-Ansatz (Screening und sofortige Behandlung) wird von der WHO empfohlen, um Zervixkarzinome durch die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Vorstufen zu verhindern. Diese Leitlinie definiert die technischen Spezifikationen für essenzielle Medizinprodukte in diesem Prozess.

Vaginalspekula für das Screening

Ein Vaginalspekulum dient dazu, den Vaginalkanal offenzuhalten, um die Zervix visuell zu inspizieren, Proben zu entnehmen oder Eingriffe durchzuführen. Es wird zwischen wiederverwendbaren (z. B. aus rostfreiem Stahl) und sterilen Einweg-Spekula (aus hochfestem Kunststoff) unterschieden.

TypEigenschaftenVorteileEinschränkungen
CollinsBivalv, selbsthaltendSchützt Vaginalwände, ermöglicht freihändiges ArbeitenNimmt viel Platz ein, kann Läsionen an den Vaginalwänden verdecken
CuscoBivalv, selbsthaltendStandard für Kolposkopie und kleine EingriffeNimmt viel Platz ein, kann Läsionen an den Vaginalwänden verdecken
GravesBivalv, selbsthaltend ("Entenschnabel")Breiteste Blätter, gut für eine lange Vagina geeignetGroße Blätter können bei enger Vagina oder bei jungen Frauen schmerzhaft sein
PedersonBivalv, selbsthaltendSchmalere Version des Graves-SpekulumsSpeziell für enge Vaginas und Adoleszente geeignet

Wichtige Anforderungen an Spekula:

  • Die seitlichen Kanten müssen stumpf sein.
  • Materialien müssen biokompatibel sein (gemäß ISO 10993).
  • Wiederverwendbare Spekula müssen nach jedem Gebrauch gereinigt, desinfiziert und zwischen den Patientinnen sterilisiert werden.

HPV-In-vitro-Diagnostika (IVD)

Nukleinsäuretests (NAT) zur HPV-Erkennung fokussieren sich auf den qualitativen Nachweis von Hochrisiko-Genotypen. HPV 16 und 18 sind zusammen für etwa 70 % aller Zervixkarzinome verantwortlich. Die Tests sollten Ergebnisse als "nachgewiesen" oder "nicht nachgewiesen" für einen Pool von Hochrisiko-Genotypen ausgeben, idealerweise mit spezifischer Genotypisierung für HPV 16 und 18.

Probenentnahme

  • Durch medizinisches Personal: Visualisierung der Zervix mittels Spekulum und Abstrich von Zervixzellen. Die Probe wird in ein flüssiges Transportmedium gegeben.
  • Selbstentnahme: Ein großer Vorteil der HPV-NAT-IVDs ist die Möglichkeit der Selbstentnahme durch die Patientin mittels Vaginalabstrich (Swab). Dies erhöht die Akzeptanz und zeigt eine vergleichbare klinische Sensitivität für die Erkennung von hochgradigen Läsionen (CIN2+).

Testsysteme für HPV-NAT

Je nach Durchsatz und verfügbarer Infrastruktur können verschiedene Systeme eingesetzt werden:

SystemDurchsatzInfrastruktur-AnforderungenVorteileEinschränkungen
ManuellKlein bis moderatReinstwasser, kontinuierlicher Strom, LaborerfahrungGeringere AnfangsinvestitionSehr arbeitsintensiv
AutomatisiertHochReinstwasser, kontinuierlicher Strom, großer PlatzbedarfHoher Durchsatz, wenig manuelle SchritteHohe Anfangsinvestition
Point-of-Care (PoC)Gering (aber skalierbar)Kontinuierlicher StromErmöglicht "Screen-and-Treat" in einem Besuch, keine Laborerfahrung nötigGeringerer Durchsatz pro Modul

Lagerung und Transport

  • Proben: Proben in Transportmedien sind in der Regel bei 2–30 °C für 2 Wochen bis 6 Monate stabil. Bei Temperaturen über 30 °C sollten sie schnellstmöglich verarbeitet werden.
  • Reagenzien und IVDs: Die Lagerung sollte in sauberen, trockenen und gut belüfteten Räumen erfolgen, typischerweise bei 15–30 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von ≤ 60 % (nicht kondensierend).

💡Praxis-Tipp

Nutzen Sie Point-of-Care (PoC) HPV-Testsysteme, um in ressourcenschwachen Settings einen 'Screen-and-Treat'-Ansatz in nur einem einzigen Klinikbesuch zu ermöglichen. Bieten Sie Patientinnen zudem die Möglichkeit der Selbstentnahme (Vaginalabstrich) an, um die Screening-Teilnahme zu erhöhen.

Häufig gestellte Fragen

Die Tests sollten mindestens die Hochrisiko-Genotypen HPV 16 und 18 erkennen, da diese für ca. 70 % der Zervixkarzinome verantwortlich sind. Idealerweise werden weitere Hochrisiko-Typen (z. B. 31, 33, 45, 51, 52) als gepooltes Ergebnis miterfasst.
Ja, die Selbstentnahme (Vaginalabstrich) zeigt eine ähnliche klinische Sensitivität für die Erkennung von CIN2+ wie die Entnahme durch medizinisches Personal und wird von vielen Frauen bevorzugt.
Sie müssen nach jedem Gebrauch gereinigt, desinfiziert und zwischen den Patientinnen zwingend sterilisiert (z. B. autoklaviert) werden.
Proben in Transportmedien sind in der Regel bei 2–30 °C für 2 Wochen bis 6 Monate stabil. Bei Umgebungstemperaturen von über 30 °C sollten sie schnellstmöglich verarbeitet werden.
Das Pederson-Spekulum ist die schmalere Version des Graves-Spekulums und eignet sich besonders gut für Adoleszente und Frauen mit enger Vagina.

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