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WHO2025

Infertilität Leitlinie: Diagnostik & Therapie (WHO 2025)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf WHO Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Infertilität betrifft weltweit etwa jede sechste Person im reproduktionsfähigen Alter (Lebenszeitprävalenz 17,5 %).
  • Die Diagnose einer unerklärten Infertilität erfordert 12 Monate ungeschützten Verkehr, unauffällige Anamnese, bestätigte Ovulation, offene Tuben und ein normales Spermiogramm.
  • Bei PCOS-bedingter anovulatorischer Infertilität wird Letrozol als medikamentöse Erstlinientherapie empfohlen.
  • Bei Tubenfaktor-Infertilität durch Hydrosalpinx sollte vor einer IVF eine Salpingektomie oder Tubenokklusion erfolgen.
  • Bei unerklärter Infertilität wird als Erstlinientherapie ein exspektatives Management (3-6 Monate) empfohlen.
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Hintergrund

Infertilität ist eine Erkrankung des männlichen und weiblichen Fortpflanzungssystems, definiert als das Ausbleiben einer Schwangerschaft nach 12 Monaten regelmäßigen, ungeschützten Geschlechtsverkehrs. Weltweit ist etwa jede sechste Person im reproduktionsfähigen Alter betroffen (Lebenszeitprävalenz 17,5 %). Die Prävalenz ist in Ländern mit hohem und niedrigem/mittlerem Einkommen vergleichbar.

UrsacheAnteil
Weibliche Faktoren allein30,6 %
Männliche und weibliche Faktoren26,3 %
Männliche Faktoren allein18,7 %
Keine Ursache gefunden10,8 %

(Anmerkung: Männliche Faktoren sind insgesamt an 45,1 % der Fälle beteiligt. Bei 13,3 % trat während der Studienuntersuchungen eine Schwangerschaft ein.)

Prävention und allgemeine Maßnahmen

  • Lebensstil: Paaren mit Infertilität wird vor und während der Behandlung eine kostengünstige Lebensstilberatung (Ernährung, Alkohol, körperliche Aktivität, Gewichtsmanagement) empfohlen (Bedingte Empfehlung).
  • Rauchen: Gesundheitsdienstleister sollen allen Tabakkonsumenten routinemäßig eine Kurzberatung (30 Sekunden bis 3 Minuten) zum Rauchstopp anbieten. Rauchen erhöht das Infertilitätsrisiko, insbesondere bei Frauen (Starke Empfehlung).
  • STIs: Paare mit Kinderwunsch sollen routinemäßig über sexuell übertragbare Infektionen und das damit verbundene Infertilitätsrisiko aufgeklärt werden.

Diagnostik der weiblichen Infertilität

Die Auswahl der diagnostischen Tests sollte stets auf den klinischen Befunden der Anamnese und der körperlichen Untersuchung basieren.

BereichEmpfohlene DiagnostikBemerkung
OvulationMid-luteales Serum-ProgesteronBei negativem Befund wiederholen. Ultraschall ist nicht primär erforderlich.
Ovarielle ReserveAlter, AFC, AMH oder Tag 2/3 FSHAlter ist der wichtigste Prädiktor.
TubendurchgängigkeitHSG oder HyCoSyAuswahl nach Machbarkeit und Allergierisiko.
UteruskavitätSIS (Saline Infusion Sonohysterography)SIS ist 3D-US, 2D-US und HSG vorzuziehen.

Diagnostik der männlichen Infertilität

  • Spermiogramm: Bei Parametern außerhalb der WHO-Referenzbereiche wird eine Wiederholung nach frühestens 11 Wochen empfohlen (Bedingte Empfehlung).
  • Sind alle Parameter im Normbereich, soll das Spermiogramm nicht wiederholt werden (Bedingte Empfehlung).

Diagnose der unerklärten Infertilität

Eine unerklärte Infertilität liegt vor, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • 12 Monate ungeschützter Verkehr ohne Schwangerschaft
  • Unauffällige Anamnese und körperliche Untersuchung bei beiden Partnern
  • Bestätigte Ovulation und offene Tuben bei der Frau
  • Spermiogramm-Parameter innerhalb der WHO-Referenzbereiche

Therapie bei weiblichen Faktoren

Ovulatorische Dysfunktion (PCOS)

StufeTherapieBemerkung
1. LinieLetrozolBevorzugt vor Clomifencitrat oder Metformin (Bedingte Empfehlung). Falls Off-Label-Use nicht erlaubt: Clomifen + Metformin.
2. LinieGonadotropineBevorzugt vor laparoskopischem Ovarien-Drilling (LOD) (Bedingte Empfehlung).
3. LinieIVFBei Versagen der medikamentösen Therapie (Bedingte Empfehlung).

Hinweis: Bei Hyperprolaktinämie wird Cabergolin gegenüber Bromocriptin bevorzugt.

Tubenerkrankungen

PatientenprofilBevorzugte TherapieAlternative
< 35 Jahre, milde/moderate ErkrankungOperationIVF
< 35 Jahre, schwere ErkrankungIVFOperation
≥ 35 Jahre, jede AusprägungIVFOperation
Hydrosalpinx (vor IVF)Salpingektomie oder TubenokklusionTransvaginale Aspiration

Uteruskavitätsanomalien

Bei einem Uterusseptum ohne rezidivierende Fehlgeburten in der Anamnese wird empfohlen, keine hysteroskopische Septumresektion durchzuführen (Bedingte Empfehlung).

Therapie bei männlichen Faktoren

  • Antioxidantien: Die Leitliniengruppe spricht keine Empfehlung für oder gegen Antioxidantien-Supplemente aus.
  • Varikozele: Chirurgische oder radiologische Behandlung wird gegenüber exspektativem Management bevorzugt (Bedingte Empfehlung). Bei chirurgischer Therapie ist die mikroskopische Chirurgie anderen Verfahren vorzuziehen.

Therapie der unerklärten Infertilität

StufeTherapieBemerkung
1. LinieExspektatives Management3-6 Monate Beobachtung; bevorzugt vor unstimulierter IUI oder Stimulation mit Timed Intercourse (Bedingte Empfehlung).
2. LinieStimulierte IUI (S-IUI)Mit Clomifen oder Letrozol; bevorzugt vor Gonadotropinen (Bedingte Empfehlung).
3. LinieIVF (allein)Bevorzugt vor exspektativem Management oder IVF mit ICSI (Starke Empfehlung für IVF ohne ICSI).

💡Praxis-Tipp

Wiederholen Sie ein unauffälliges Spermiogramm nicht routinemäßig. Bei abweichenden Parametern sollte die Kontrolle frühestens nach 11 Wochen erfolgen. Bei Verdacht auf Uteruskavitätsanomalien ist die Saline Infusion Sonohysterography (SIS) der 2D-Sonographie und dem HSG vorzuziehen.

Häufig gestellte Fragen

Nach 12 Monaten regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr ohne Eintritt einer Schwangerschaft.
Letrozol wird gegenüber Clomifencitrat oder Metformin bevorzugt, sofern der Off-Label-Use rechtlich zulässig ist.
Nur wenn Parameter außerhalb der WHO-Referenzbereiche liegen, und dann frühestens nach 11 Wochen.
Als Erstlinientherapie wird ein exspektatives Management (Beobachtung über 3-6 Monate) gegenüber einer unstimulierten IUI oder Stimulation empfohlen.

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