Perilunäre Luxation: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Perilunäre Luxationen (PLD), lunäre Luxationen und perilunäre Luxationsfrakturen sind seltene Hochrasanztraumata. Sie machen laut der StatPearls-Leitlinie weniger als 10 Prozent aller Handgelenksverletzungen aus.
Der Verletzungsmechanismus besteht meist aus einer forcierten Hyperextension, Ulnardeviation und interkarpalen Supination. Die Pathophysiologie folgt der sogenannten Mayfield-Progression, die in Verletzungen des großen oder kleinen Karpalbogens unterteilt wird.
Das Os lunatum fungiert als zentraler Schlussstein zwischen Unterarm und Hand. Bei einer PLD luxieren die umgebenden Handwurzelknochen meist nach dorsal, während das Os lunatum in seiner Artikulation mit dem distalen Radius verbleibt.
Empfehlungen
Klinische und radiologische Diagnostik
Die Leitlinie betont, dass perilunäre Luxationen in bis zu 25 Prozent der Fälle bei der initialen Beurteilung übersehen werden. Es wird eine gründliche neurovaskuläre Untersuchung empfohlen, da eine hohe Assoziation mit einem akuten Karpaltunnelsyndrom besteht.
Für die radiologische Diagnostik wird die Anfertigung von Röntgenbildern in mehreren Ebenen (posteroanterior, lateral, schräg und Skaphoid-Zielaufnahme) empfohlen.
Folgende klassische Röntgenzeichen weisen laut Leitlinie auf eine karpale Verletzung hin:
| Röntgenzeichen | Ebene | Befund |
|---|---|---|
| Terry-Thomas-Zeichen | Posteroanterior (PA) | Skapholunärer Spalt > 3 mm |
| Unterbrechung der Gilula-Linien | PA | Verlust der normalen karpalen Bogenlinien |
| Piece-of-pie-Zeichen | PA | Dreieckige Erscheinung des Os lunatum |
| Spilled-teacup-Zeichen | Lateral | Volare Luxation des Os lunatum |
Zur weiteren Beurteilung von Frakturmustern und zur präoperativen Planung wird eine Computertomographie (CT) empfohlen. Eine Magnetresonanztomographie (MRT) sollte nach der geschlossenen Reposition erfolgen, um Bandverletzungen und okkulte Frakturen darzustellen.
Akutversorgung und Reposition
Als initiale Maßnahme wird eine notfallmäßige geschlossene Reposition mit anschließender Ruhigstellung in einer Schiene empfohlen. Die Leitlinie weist darauf hin, dass hierfür häufig ein Zuggewicht und eine Sedierung erforderlich sind.
Die Repositionstechnik richtet sich nach der Pathophysiologie der Verletzung. Bei volaren Luxationen des Os lunatum wird eine Extension des Handgelenks unter Zug empfohlen, während gleichzeitig ein nach dorsal gerichteter Druck auf das Os lunatum ausgeübt wird.
Operative Therapie
Eine rein konservative Behandlung ist laut Leitlinie als definitive Therapie selten indiziert, da sie mit schlechten funktionellen Ergebnissen assoziiert ist.
Im akuten Setting (innerhalb von acht Wochen) wird generell eine operative Versorgung empfohlen. Die Ziele des Eingriffs umfassen:
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Bestätigung der Reposition
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Reparatur oder Rekonstruktion der Bänder
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Fixation begleitender Frakturen
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Zusätzliche knöcherne Fixation zur Ausheilung der Bänder
Bei chronischen oder übersehenen Verletzungen werden laut Leitlinie offene Repositionen mit interner Fixation (ORIF) oder Salvage-Prozeduren wie eine Four-Corner-Fusion beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, dass perilunäre Luxationen in bis zu 25 Prozent der Fälle initial übersehen werden. Es wird nachdrücklich darauf hingewiesen, bei Handgelenkstraumata stets auf Zeichen eines akuten Karpaltunnelsyndroms zu achten, da eine Medianuskompression in bis zu 45 Prozent der Fälle begleitend auftritt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt Röntgenaufnahmen in mehreren orthogonalen Ebenen. Dazu gehören posteroanteriore (PA), laterale, schräge und spezifische Skaphoid-Aufnahmen.
Das Spilled-teacup-Zeichen ist ein radiologisches Merkmal in der lateralen Röntgenaufnahme. Es zeigt laut Leitlinie eine volare Luxation des Os lunatum an, das dabei die Form einer umgekippten Teetasse annimmt.
Eine rein konservative Behandlung wird von der Leitlinie als definitive Therapie nicht empfohlen. Sie ist mit schlechten funktionellen Ergebnissen und rezidivierenden Luxationen assoziiert, weshalb in der Regel eine operative Versorgung indiziert ist.
Zu den häufigsten Komplikationen zählen laut Leitlinie eine akute Medianusneuropathie und eine posttraumatische Arthrose. Zudem wird in etwa 20 Prozent der Fälle die Entwicklung eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) beobachtet.
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Quelle: StatPearls: Perilunate Dislocation (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.