Smith-Fraktur: StatPearls Review
Hintergrund
Die Smith-Fraktur, auch als reverse Colles-Fraktur bekannt, ist eine distale Radiusfraktur mit volarer Dislokation oder Abwinkelung des distalen Fragments. Sie entsteht typischerweise durch einen Sturz auf das gebeugte Handgelenk oder durch einen direkten Schlag auf den Handrücken.
Distale Radiusfrakturen sind die häufigsten Frakturen der oberen Extremität. Die Smith-Fraktur macht dabei etwa 5 % aller Radius- und Ulnafrakturen aus, wobei die höchste Inzidenz bei jungen Männern nach Hochrasanztraumata und bei älteren Frauen mit Osteoporose zu verzeichnen ist.
Eine genaue klinische Evaluation ist entscheidend, da Begleitverletzungen wie eine Kompression des Nervus medianus oder eine Schädigung des skaphoiden Knochens auftreten können. Zudem kann eine Disruption des distalen Radioulnargelenks (DRUJ) zu anhaltenden Schmerzen und Schwäche führen.
Empfehlungen
Der StatPearls Review formuliert folgende Kernempfehlungen zur Evaluation und Behandlung:
Notfalldiagnostik und Evaluation
Zunächst wird empfohlen, Notfälle wie offene Frakturen oder ein Kompartmentsyndrom zügig auszuschließen. Bei Verdacht auf eine neurovaskuläre Beeinträchtigung ist eine sofortige chirurgische Vorstellung indiziert.
Zur Standarddiagnostik gehören Röntgenaufnahmen des Handgelenks in zwei Ebenen (anterior-posterior und lateral). Bei intraartikulären oder Trümmerfrakturen wird eine Computertomografie (CT) zur Operationsplanung empfohlen.
Stadieneinteilung
Der Review klassifiziert die Smith-Fraktur nach dem Grad der Gelenkbeteiligung in drei Typen:
| Typ | Bezeichnung | Gelenkbeteiligung | Häufigkeit |
|---|---|---|---|
| Typ I | Extraartikuläre Fraktur | Nur distaler Radius | ca. 85 % |
| Typ II | Intraartikuläre Schrägfraktur (Reverse Barton) | Dorsale radiale Gelenkfläche | ca. 13 % |
| Typ III | Juxtaartikuläre Schrägfraktur | Reicht in das Radiokarpalgelenk | < 2 % |
Konservative Therapie
Eine geschlossene Reposition mit anschließender Ruhigstellung wird bei nicht dislozierten, stabilen Frakturen empfohlen. Die Schienung sollte dabei in Extension erfolgen, was der entgegengesetzten Richtung einer Colles-Fraktur entspricht.
Laut Leitlinien der AAOS werden in den ersten drei Wochen nach der Reposition wöchentliche Röntgenkontrollen empfohlen. Von einer erneuten geschlossenen Reposition (Re-Reposition) bei konservativem Versagen wird abgeraten, da dies die Notwendigkeit einer Operation erhöhen kann.
Operative Therapie
Eine operative Behandlung ist indiziert bei einer Gelenkstufe von 2 mm oder mehr, Trümmerzonen, Instabilität, einer Abwinkelung von über 20° oder einer radialen Verkürzung von über 5 mm.
Die offene Reposition mit interner Fixation (ORIF) gilt als Methode der Wahl. Dabei wird folgendes Vorgehen bevorzugt:
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Volare Plattenosteosynthese als Standardverfahren zur Reduktion des Sehnenrupturrisikos
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Geschlossene Reposition mit perkutaner Pinning-Technik (CRPP) nur bei einfachen 2- bis 3-Segment-Frakturen
-
Externe Fixation primär bei Polytrauma oder offenen Frakturen mit Gewebeverlust
Nachsorge und Komplikationsprävention
Stabile Frakturen werden in der Regel für 4 bis 8 Wochen ruhiggestellt, instabile für 6 bis 12 Wochen.
Zur Prävention eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) wird eine Supplementierung mit Vitamin D empfohlen.
Kontraindikationen
Laut Review gibt es spezifische Verfahren, die bei der Smith-Fraktur vermieden werden sollten:
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Eine dorsale Plattenosteosynthese hat bei der Behandlung der Smith-Fraktur keinen Stellenwert.
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Die geschlossene Reposition mit perkutaner Pinning-Technik (CRPP) wird bei Trümmerfrakturen und knochenschwächenden Erkrankungen wie Osteoporose nicht empfohlen.
-
Der Einsatz von thermoplastischen Schienen oder Orthesen wird für die akute Frakturversorgung nicht unterstützt.
💡Praxis-Tipp
Ein besonderes Augenmerk sollte auf Begleitverletzungen gelegt werden, da bis zu 15 % der Smith-Frakturen Symptome eines akuten Karpaltunnelsyndroms aufweisen. Zudem warnt der Review davor, bei einem Versagen der initialen konservativen Reposition eine Re-Reposition zu versuchen, da dies die radiologische Ausrichtung nicht signifikant verbessert und das Risiko für spätere operative Eingriffe erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Die Smith-Fraktur zeichnet sich durch eine volare Dislokation oder Abwinkelung des distalen Radiusfragments aus. Im Gegensatz dazu weist die weitaus häufigere Colles-Fraktur eine dorsale Dislokation auf.
Eine Operation wird laut Review unter anderem bei einer Gelenkstufe von mindestens 2 mm, einer Abwinkelung von über 20° oder einer radialen Verkürzung von mehr als 5 mm empfohlen. Auch Trümmerzonen oder Instabilität nach initialer Reposition sprechen für ein operatives Vorgehen.
Die offene Reposition mit interner Fixation (ORIF) mittels volarer Platte ist die am häufigsten durchgeführte und bevorzugte Methode. Sie schont die Strecksehnen und erhält die Durchblutung des Knochens.
Zu den häufigen Komplikationen zählen Fehlstellungen (Malunion), das Karpaltunnelsyndrom und Sehnenverletzungen wie die Ruptur der Extensor-pollicis-longus-Sehne. Auch ein komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS) wird in bis zu 40 % der Fälle beobachtet.
Stabile Frakturen werden gemäß dem Review typischerweise für 4 bis 8 Wochen immobilisiert. Bei instabilen Frakturen verlängert sich die Ruhigstellung auf 6 bis 12 Wochen, gefolgt von einer gezielten Rehabilitation.
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Quelle: StatPearls: Smith Fracture Review (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.