Nasenpolypen: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Nasenpolypen sind gutartige, entzündliche Ausstülpungen der Nasennebenhöhlenschleimhaut. Sie treten am häufigsten im Rahmen einer chronischen Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) auf.
Die Erkrankung ist multifaktoriell bedingt und geht mit einer persistierenden Schleimhautentzündung einher. In der westlichen Hemisphäre liegt meist eine T-Helfer-2 (Th2)-Zell-gesteuerte Eosinophilie vor.
Zu den Risikofaktoren zählen Asthma, allergische Rhinitis, zystische Fibrose und die Aspirin-exazerbierte Atemwegserkrankung (AERD). Die Symptome reichen von nasaler Obstruktion über Hyposmie bis hin zu starkem Druckgefühl im Gesicht.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Patienten mit Nasenpolypen:
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch gestellt. Die Leitlinie empfiehlt hierfür die anteriore Rhinoskopie oder die nasale Endoskopie.
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Bei einseitigen Befunden wird eine sofortige weiterführende Bildgebung und Biopsie empfohlen, um Malignome auszuschließen.
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Eine Computertomografie (CT) der Nasennebenhöhlen wird zur Beurteilung der Krankheitsschwere bei therapierefraktären Verläufen empfohlen.
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Die CT-Bildgebung dient zudem der präoperativen Planung vor chirurgischen Eingriffen.
Medikamentöse Therapie
Als Erstlinientherapie wird eine Kombination aus topischen Medikamenten und mechanischer Reinigung empfohlen:
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Intranasale Kortikosteroide (z.B. Budesonid, Fluticason) zweimal täglich für etwa 2 bis 3 Monate.
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Begleitende hochvolumige Nasenspülungen mit niedrigem Druck zur Beseitigung von Antigenen und Entzündungsmediatoren.
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Bei schweren Verläufen können orale Kortikosteroide als schrittweise reduzierte Stoßtherapie eingesetzt werden.
Chirurgische Therapie
Eine funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS) wird für Patienten empfohlen, die auf eine adäquate medikamentöse Therapie nicht ansprechen.
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Die Operation entfernt die anatomische Obstruktion, heilt jedoch nicht die zugrunde liegende Entzündung.
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Es wird der intraoperative Einsatz von biologisch abbaubaren, steroidfreisetzenden Stents erwogen.
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Eine konsequente postoperative Weiterbehandlung mit topischen nasalen Steroiden ist essenziell für den langfristigen Erfolg.
Biologika-Therapie
Für Patienten mit refraktärer Erkrankung wird der Einsatz von Biologika (wie Dupilumab, Omalizumab oder Mepolizumab) in Betracht gezogen. Die Leitlinie definiert hierfür strikte Indikationskriterien:
| Kategorie | Kriterium |
|---|---|
| Obligat | Beidseitige Nasenpolypen |
| Fakultativ (mind. 3 nötig) | Schwere Anosmie |
| Fakultativ (mind. 3 nötig) | Schwere Beeinträchtigung der Lebensqualität |
| Fakultativ (mind. 3 nötig) | Diagnostiziertes Asthma |
| Fakultativ (mind. 3 nötig) | Bedarf an oder Kontraindikation für systemische Steroide |
| Fakultativ (mind. 3 nötig) | Nachweis einer Typ-2-Entzündung (z.B. Eosinophilie > 250 Zellen/µL) |
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und relative Kontraindikationen für die medikamentöse Therapie:
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Orale Kortikosteroide: Relative Kontraindikationen umfassen Magengeschwüre, Osteoporose und psychiatrische Erkrankungen.
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Bei bekannter Tuberkulose wird aufgrund des Risikos einer Reaktivierung von oralen Steroiden abgeraten.
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Bei Patienten mit Diabetes mellitus und Hypertonie wird zur Vorsicht gemahnt, da unkontrollierte Hyperglykämien und hypertensive Krisen ausgelöst werden können.
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Makrolid-Antibiotika: Aufgrund assoziierter kardiovaskulärer Risiken wird ein vorsichtiger Einsatz empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Einseitige Nasenpolypen sollten laut Leitlinie immer den Verdacht auf eine alternative, potenziell maligne Diagnose wecken. Es wird dringend empfohlen, in solchen Fällen eine zeitnahe Bildgebung und eine histologische Sicherung mittels Biopsie zu veranlassen, um Neoplasien wie das Plattenepithelkarzinom auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine zwei- bis dreimonatige Behandlung mit intranasalen Kortikosteroiden. Begleitend sollten hochvolumige Nasenspülungen mit Kochsalzlösung durchgeführt werden.
Eine funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS) wird erwogen, wenn die Erkrankung auf eine adäquate medikamentöse Therapie nicht anspricht. Die Operation dient der Entfernung der anatomischen Obstruktion.
Patienten müssen beidseitige Nasenpolypen aufweisen und mindestens drei weitere Kriterien erfüllen. Dazu gehören unter anderem schweres Asthma, ein Bedarf an systemischen Steroiden oder der Nachweis einer Typ-2-Entzündung.
Die chirurgische Entfernung der Polypen beseitigt nicht die zugrunde liegende entzündliche Ursache. Daher wird eine Fortführung der intranasalen Steroide empfohlen, um Rezidive zu vermeiden.
Bei schweren oder refraktären Verläufen können orale Kortikosteroide als Stoßtherapie eingesetzt werden. Aufgrund möglicher systemischer Nebenwirkungen wird jedoch ein zurückhaltender Einsatz empfohlen.
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Quelle: StatPearls: Nasal Polyps (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.